Struktureller Rassismus über Eine Alternativ-Weltgeschichte
Anna ist 20 Jahre alt und studiert Geschichtswissenschaft. Sie ist die Erste ihrer Familie, die es geschafft hat, eine Zulassung an der Hochschule zu erhalten. Denn für Weiße ist es eher ungewöhnlich, einen Studienplatz zu bekommen. Um nicht aufzufallen und diesem Privileg gerecht zu werden, verhält sich die junge Frau möglichst unauffällig. Bis ihr Bruder Alexander plötzlich brutal aus ihrem Leben gerissen wird und sie sich die Frage stellen muss, ob sie wirklich weiter mit geducktem Kopf leben und die Diskriminierung der Gesellschaft akzeptieren kann.
Der zweite Roman von Own-Voices-Autorin Jasmina ein aufrüttelndes, gesellschaftskritisches BuchWhite Lives Ein Parallelwelt-Roman über strukturellen RassismusAnnas Von der Zurückhaltung zum politischen AktivismusDystopie über Ein Aufruf zu Inklusion und Gleichstellung der Spiegel-BestsellerautorinDie Welt auf den Kopf gestellt, um aufzurü Ein Buch gegen Rassismus
Jasmina Kuhnke hält mit ihrem Buch der weißen Gesellschaft einen erschreckenden Spiegel vor. Eine Geschichte voller Alltagsrassismus und Ausgrenzung aufgrund der Hautfarbe – nur dass es diesmal die Weißen trifft. Annas Weg zur "White Lives Matter"-Bewegung ist geprägt von traumatischen Erlebnissen und dem neu erworbenen Wissen aus ihrem Studium. Ihr Ausbruch aus der Zurückhaltung in den Kampf für grundlegende Rechte ist beispielhaft für politischen Aktivismus.
Hier trifft Gänsehaut-Spannung auf Gesellschaftskritik und verbindet sich zu einem packenden Roman über das Thema Rassismus und Diskriminierung!
Es ist kein schlechtes Buch, im Gegenteil. Ich glaube, manchmal muss man White people so eine Möglichkeit vorhalten, damit sie sowas checken. Aber ich finde, es war zu obvious alles und für mich als poc extremst cringe an ur vielen Stellen. Hab mich sehr unwohl gefühlt, dass die Geschichte umgedreht wurde, aber ich verstehe die Intention eh. Das Buch ist zwar nichts für fellow bpocs, aber dafür alles für deine rassistischen Eltern und Friends!
Als ich das Cover und den Titel dieses Romans zuerst sah, dachte ich sofort an den Slogan der White-Power-Bewegung aus den USA und wollte mich schon aufregen - und dann sah ich, dass die großartige Jasmina Kuhnke den Roman geschrieben hat, deren ersten Roman „Schwarzes Herz“ fand ich sehr gut fand: eindringlich, intensiv und emotional mitnehmend. Diesen Roman MUSSTE ich also auch lesen.
Kuhnke dreht hier den Spieß um: Anna ist eine der wenigen Weißen in ihrem Studiengang, als erste in ihrer Familie hat sie es an die Uni geschafft. In Annas Welt werden Weiße aufgrund ihrer Hautfarbe seit Jahrhunderten diskriminiert. Nach und nach entdeckt Anna in ihrem Geschichtsstudium und in ihrem Alltag, dass die Diskriminierung auf koloniale Verbrechen zurückgeht und sie selbst durch besonders angepasstes Verhalten nicht verhindern kann, strukturell und im Alltag diskriminiert zu werden. Als Anna gerade beginnt, selbstbewusster zu werden, wird ihr Bruder Opfer rassistischer Polizeigewalt gegen Weiße. Ihr Leben kann nicht mehr so weitergehen wie vorher.
Insgesamt greift Kuhnke mit dieser kreativen Idee das wichtige Thema der empathy gap auf: Zahlreiche Studien konnten zeigen, dass Schwarzen gegenüber weniger Empathie empfunden wird, was schmerzhafte und tödliche Folgen haben kann. Insgesamt ist der Roman dennoch relativ einfach erzählt, sodass er mir insgesamt eher wie ein Jugendbuch vorkam. Manche Stellen waren für mich sprachlich nicht ganz so eindringlich und kraftvoll wie im Debütroman: Einige Dialoge wirkten durch die Verwendung von eher pubertärer Jugendsprache auf mich unpassend für das studentische Milieu. An vielen Stellen wird, um Annas Entwicklung unmissverständlich klarzumachen, das Prinzip „Show, don‘t tell“ verletzt, wenn z.B. am Ende eines Kapitels darauf hingewiesen wird, dass Anna sich nun selbstermächtigt habe. Ich persönlich hätte es besser gefunden, die Leser:innen das aus Annas Verhalten interpretieren zu lassen, für jugendliche oder unerfahrene Leser:innen ist das aber bestimmt hilfreich. Mir haben die fiktiven historischen Rückblicke daher viel besser gefallen, die sehr eindringlich geschrieben sind und zahlreiche berührende literarische Leerstellen offen lassen.
Insgesamt würde ich den Roman daher als guten Einstieg ins Thema auch für Jugendliche sehen, dem dann aber weitere Lektüre folgen sollte. Denn auch die empathy gap wird im Roman explizit, aber sehr vereinfacht erklärt: Diese besage, dass Menschen ohne Diskriminierungserfahrungen nicht in der Lage seien Empathie für Menschen mit Diskriminierungserfahrungen zu haben - das greift aber meines Wissens ein bisschen zu kurz, da es Studien gibt, die zeigen, dass auch Schwarze Menschen weniger Empathie mit Schwarzen haben und dass deshalb dieser internalisierte Rassismus aktiv von allen verlernt werden muss, um gesellschaftliche Änderungen zu bewirken. Wenn dies passiere, ist es jedoch auch für Menschen ohne Rassismuserfahrung möglich Empathie für rassifizierte Menschen zu empfinden. Kuhnke versucht mit ihrem Roman ja sogar selbst, diese anzuregen - und schafft das aus meiner Sicht auch!
Dieses Buch macht betroffen und fassungslos. All das ist wirklich passiert, es sind keine Einzelfälle und es passiert auch heute nach wie vor. Es passierte Lorenz. Aber es passiert halt keinen Weißen.
Jasmina Kuhnke beschreibt sehr eindrucksvoll, intensiv und berührend, welchen alltäglichen Anfeindungen POCs ausgesetzt sind, wo Rassismus anfängt, wie hässlich seine Fratze ist und wie weitreichend die Folgen sind. Es ist keine leichte Lektüre und gerade dadurch so wichtig. Es gibt einfache Themen und es gibt wichtige Themen.
Ich mochte ""schwarzes Herz"" von Jasmina Kuhnke daher war dies ein Must-read für mich. Ich weiß, dass sie sich sehr aktiv gegen Rassismus und zB. rassistische Polizeigewalt einsetzt. Daher konnte sie für dieses Roman aus eigenen Erfahrungen und realen Begebenheiten zurückgreifen. Manche Reviews hier haben den dargestellten Rassismus als zu plump und offentsichlich beschrieben, ich glaube die Autorin hat diese Darstellung bewusst gewählt, weil eben genau solcher Rassismus tagtäglich passiert und viele weiße Menschen es nur einfach nicht mitkriegen oder nicht wahrhaben wollen. Doch worum geht es überhaupt? Jasmina Kuhnke dreht die Welt um, Afrika ist der starke und zentrale Kontinent, weiße Menschen wurden früher versklavt und dorthin verschleppt. Noch heute sind sie eine Minderheit und werden diskriminiert. Die Protagonistin Anna in die erste aus ihrer Familie, die studieren geht. Sie nimmt das ganze sehr ernst und glaubt, wenn sie nur hart genug arbeitet, dann wird man sie auch respektieren und normal behandeln. Immer wieder begegnen ihr Mikroagressionen oder auch offener Rassismus, doch sie weigert sich darin ein strukturelles Problem zu sehen, bis sie anfängt sich mit ""weißen Geschichte"" auseinanderzusetzen. Als dann ein schlimmer rassistischer Übergriff geschieht, der alles verändert, sieht Anna, dass sie kämpfen muss. Ich finde die Idee dieses Roman sehr gut, ich habe tatsächlich manchmal gemerkt, wenn ich die Szenen in meinem Kopf gesehen habe, dass ich den Personen automatisch andere Hautfarben zuordnen wollte (zB ein Typ beleidigt eine Frau rassistisch, der Kerl war in meinem Kopf direkt ein weißer Neo-Nazi), da musste ich bewusst an das Setting des Romans denken und meine Vorstellung korrigieren. Ich habe mich dem Thema aber nicht näher gefühlt, weil es eine weiße Frau ist, die diese schlimmen Dinge erlebt. Aber vielleicht gibt es Leute, denen das hilft dieses Thema besser nachvollziehen zu können, von daher glaube ich, dass es ein sehr kluger Zug von der Autorin war ein Buch über Rassismus so anzugehen und damit die Leute, die in der echten Welt keine persönliche Betroffenheit haben, zu Betroffenen zu machen. Aber leider konnte ich generell auf Grund des Schreibstils keine Beziehung zu den Protagonisten aufbauen. Es wirkt alles so distanziert und irgendwie hölzern, dass selbst schlimme Vorkommnisse überhaupt nicht emotional rüberkommen. Ich habe leider null mitgefiebert oder mitgelitten, weil es einfach nicht rüberkam. Zudem passiert in der ersten Hälfte des Buchs kaum etwas, das Setting wird gesetzt, aber es plätschert alles so vor sich hin und dann bleibt am Ende für den Plott und die wirkliche Entwicklung kaum noch Zeit und alles geht super schnell. Das war sehr schade, denn als dann endlich die Geschichte voran ging, war ich durchaus interessiert, was passiert und wie es ausgeht. Aber es war dann alles Schlag auf Schlag, ohne dass den Situationen oder auch charakterlichen Entwicklungen Raum gegeben wurde, sich zu entfalten. Und somit hatte auch ich als Leserin keine Chance Gefühle aufzubauen, denn nach ein paar Sätzen zu der Situation geht es schon wieder weiter zum nächsten Abschnitt. Ich hatte ein bisschen auf ein mindblowing-Book of the year gehofft, aber leider sind es für mich nur 2,5 Sterne.
Trotzdem würde ich aufgrund der Thematik eine Leseempfehlung aussprechen. Da Geschmäcker verschieden sind, gibt es sicher viele Leute, die mit dem Erzählstil etwas anfangen können und denen das Buch hilft einen neuen Blick auf dieses wichtige Thema zu bekommen.
Der Plot ist sehr gut, man bemerkt als weiße Person wie es an der ein oder anderen Stelle zwickt vor Unglaube und Mitgefühl, weil man nachempfinden kann was die Protagonistin beschreibt. Dann das Ertappen und immer wieder daran Erinnern, dass das für so viele BIPoC die Realität IST… den Inhalt und die Message betreffend unbedingt lesenswert. Nichtsdestotrotz habe ich sprachlich nur bedingt einen Zugang gefunden. Ich kann leider nicht wirklich beschreiben woran es lag, aber die Formulierungen waren zum Teil für mich zu oberflächlich, eine schlichte Aneinanderreihung „und dann, und dann, und dann“. Das war beim ersten Buch der Autorin definitiv nicht der Fall, daher hier ggf. Absicht um einen „leichteren“ Zugang zum Thema generieren.
Uff – Jasmina Kuhnke! Wie kann man ein so unfassbar kluges, durchdachtes und kraftvolles Buch schreiben? Konzeptuell stark, inhaltlich pointiert und in jedem Detail messerscharf.
Ich bin zutiefst beeindruckt davon, wie präzise Kuhnke gesellschaftliche Machtverhältnisse seziert, ohne dabei an Emotionalität oder Klarheit zu verlieren.
Ganz große Empfehlung – ein wichtiges Buch, das lange nachhallt.
Meine Bewertung ist natürlich durch die Brille einer weißen cis Frau zu sehen.
In diesem Buch wird ein so so wichtiges Thema unserer heutigen Gesellschaft thematisiert. Ich habe mich an der ein oder anderen Stelle auch selbst ertappt gefühlt und definitiv neues gelernt. Der Schreibstil ist recht einfach und zu Beginn zieht es sich ein bisschen. Aufgrund der wichtigen Thematik von Rassismus und Diskriminierung, die sich leider heutzutage immer noch durch alle Bereiche zieht, aber definitiv zu empfehlen!
Was, wenn weiße Menschen aus dem "Norden" von Schwarzen aus dem "Süden" kolonialisiert und versklavt worden wären? Was, wenn heute weiße Menschen Rassismus erfahren würden, weil sie immer so blass sind, Haare mit so langweiliger Struktur haben und als weniger klug und zivilisiert angesehen würden?
Die Idee des Buchs: 10/5 Die Umsetzung: 5/5 Aufklärungspotential: 4/5 Die Story leider nur: 2/5
Der Roman spielt mit der Umkehrung der klassischen Rollen von Rassismus, indem er eine Gesellschaft darstellt, in der weiße Menschen diskriminiert und unterdrückt werden. Die Hauptfigur, Anna, ist eine Weiße, die sich mit den Folgen dieser Umkehrung auseinandersetzen muss. 📖
Jasmina Kuhnkes "White Lives Matter" ist ein provokantes Buch, das sich mit Rassismus auseinandersetzt und die Perspektive umkehrt, indem es die Weißen zur unterdrückten Gruppe macht. Ein Ansatz, der natürlich direkt Aufmerksamkeit erregt und zu Diskussionen anregen soll, doch leider bleibt das Potenzial dieses Romans für mich ungenutzt. 🔄
Die Grundidee ist interessant und provokant, doch der Verlauf der Geschichte bietet wenig Überraschungen. Die dargestellten Diskurse rund um die "Black Lives Matter"-Bewegung sind zwar wichtig, jedoch wirkt der Roman in seiner Erzählweise zu oberflächlich und geht nicht weit genug in die Tiefe. Auch die Perspektive der Protagonistin bleibt zu oft distanziert und schwer nachvollziehbar. Dadurch fällt es schwer, eine emotionale Verbindung zur Geschichte oder den Charakteren aufzubauen. 😕💭
Der Schreibstil hat mich irgendwie zwiegespalten zurückgelassen. Die Erzählung wird überwiegend in der dritten Person geschildert, was wie immer zu einer gewissen Distanz führt und die Intimität der Figuren und ihrer inneren Konflikte nur schwer spürbar macht. Dadurch hat sich die Erzählweise stellenweise eher wie eine Abfolge von Ereignissen angefühlt – mehr "Tell" statt "Show". Und irgendwie hat das alles für mich in diesem Buch nicht so gut funktioniert. ✍️😣
Die Handlung folgt einem relativ vorhersehbaren Verlauf, und obwohl die zentrale Idee – die Umkehrung von Rassismus – als Ansatz viel Potenzial bietet (mir aber auch von Anfang an ein mulmiges Bauchgefühl mitgegeben hat), wird sie nicht in eine Richtung entwickelt, die wirklich neue Erkenntnisse oder Perspektiven aufzeigt. Es wird viel über Rassismus gesprochen, doch die Geschichte bleibt an der Oberfläche und geht nicht tief genug in die Konsequenzen dieser Umkehrung oder die persönlichen Erfahrungen der Betroffenen. 📉
"White Lives Matter" hat mich letztendlich auf mehreren Ebenen nachdenklich gestimmt, aber nicht im positiven Sinne. Zwar verstehe ich, dass die Intention dahinter ist, Menschen, die nicht direkt von Rassismus betroffen sind, für die Problematik zu sensibilisieren, doch irgendwie fand ich die Umsetzung oftmals unangemessen. Die Geschichte wirkt an vielen Stellen irgendwie unangenehm, da die Rassismusproblematik oft soooo plump und offensichtlich dargestellt wird. Auch hat die Darstellung von Diskriminierung in gewisser Weise selbst diskriminierende Stereotype reproduziert. Es fühlte sich oft so an, als hätte die Autorin die Komplexität der Thematik simplifiziert und mit einer Überfülle von Themen überladen, was die beabsichtigte Wirkung verfehlte. 😩
Fazit: Die Zielgruppe des Buches scheint eher "lernwillige" Menschen zu sein, die sich mit Rassismus und Diskriminierung auseinandersetzen möchten, doch für mich persönlich war das Buch in seiner Ausführung leider nicht genug. Ich hätte mir eine direktere und ungeschönte Perspektive einer von Rassismus betroffenen Person gewünscht, die nicht nur das Thema aufgreift, sondern auch die emotionale Tiefe und Komplexität widerspiegelt, die diese Erfahrung mit sich bringt. ⭐⭐
Provokant und ungeschönt: Jasmina klärt auf, in dem sie die Geschichte umdreht. Anna ist nämlich weiß und in ihrem Land damit der Minderheit zugehörig. People of Color sind die Norm und die Protagonistin an der Uni eine Rarität. Sie studiert Geschichte und stößt dabei auf die Wurzeln des Rassismus, die in dem Buch natürlich ebenfalls gespiegelt ist. Von Sensationalisierung kultureller Identitäten und Entmenschlichung, über koloniale Verbrechen erleben wir grausame Verbrechen an weißen Menschen, die natürlich in der Realität nicht weiß waren.
Schon schwarzes Herz war sehr direkt und auch dieses hier zeigt unmissverständlich die Probleme unserer Gesellschaft auf. Durch die „verkehrte Welt“ kommt der weisse Lesende nicht drum herum, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Da die Protagonistin ebenfalls weiß ist, greift der internalisierte Stereotyp des weißen Lesenden und Anna wird vom Großteil der Lesenden weiß gelesen werden, was ein kluger Schachzug ist. Denn damit ist man gezwungen, sich mit dem Thema Rassismus auseinanderzusetzen, weil die eigene ethnische Gruppe in der Fiktion betroffen ist, auch wenn wir nach dem Zuschlagen des Buches wieder in der privilegierten Mehrheitsgesellschaft landen. Aber genau das ist es eben, was dazu zwingt, die Geschehnisse zu reflektieren.
Zugegeben ist es thematisch nicht neu und die Ereignisse, die passieren, sind teilweise auch aktuell. Aber die Geschehnisse sind einfach bedeutend für die Community der People of Color.
Besonders toll empfand ich die Freundschaft zwischen Anna und Ava. Anfangs ist Ava der typische privilegierte Typ, bis Gefühle sie dazu bringen ihr Verhalten zu reflektieren. Dieser Anreiz, der ihr ein Bewusstsein über die Missstände schafft, führt dazu, dass sie sehr viel über sich selbst lernt. Sie beiden Frauen verbindet keine bedingungslose Freundschaft. Es zeigt sehr menschlich auf, wie Anna aufgrund ihrer Erfahrungen auf Menschen zu geht und wie Ava ihre wahre Stärke findet. Hier sieht man dann auch, dass es nicht darum geht, dass die Autorin Weiße hasst, was ihr tatsächlich in Rezensionen vorgeworfen wird.
Sie zeigt nur die Reaktion auf die Aktion in einer rassistischen Welt, von der wir alle Teil sind und Gleichberechtigung alle einschließt. Was fehlt ist der Wille und dieses Buch lädt dazu ein, sich auf die Seite der Gleichberechtigung zu schlagen.
Provokanter Titel, der sofort ein unangenehmes Gefühl auslöst. Alleine deswegen sind Titel und Cover schon gut gewählt, um die Thematik aufzugreifen. Das Lesen des Romans fiel mir relativ schwer, weil die Weltlage (Trumps Sieg; das Zerbrechen der Ampel etc.) mir den Wind aus den Segeln genommen hat, aber jetzt habe ich es endlich beendet. Insgesamt glaube ich, dass das Buch für mich besser als Skript oder Theaterstück funktioniert hätte, weil der Schreibstil mir distanziert (u.a. in der dritten Person geschrieben) und Abfolge-lastig vorkam (mehr Tell anstatt Show). Ich glaube aber, dass das Buch im deutschen Markt und Literaturkanon einen Platz einnimmt (oder anstößt), der gebraucht wird. Da ich aber bereits Bücher auf englisch gelesen habe, die thematisch Ähnlichkeiten aufweisen und mir vom Erzählstil und Schreibstil besser gefallen haben (zum Beispiel Dear Martin von Nic Stone oder Bitter von Akwaeke Emezi), war nur wenig Neues für mich dabei. Ich fand sehr cool, dass die Kapitelüberschriften nach passenden Songs benannt wurden und am Ende sogar eine Playlist zu finden ist.
Anna lebt als Weiße in einer Schwarzen Welt. Den allgegenwärtigen Rassismus und die Marginalisierung will sie nicht wahrhaben. Sie will kein Opfer sein. Bis ein schreckliches Ereignis sie erkennen lässt, dass sie es nicht in der Hand hat. Sie kann nicht verhindern, dass sie diskriminiert und abgewertet wird, denn das Narrativ der dummen, faulen, ausländischen Weißen ist zu tief in den Köpfen der Schwarzen Bevölkerung verankert, doch sie kann nicht mehr hinnehmen, dass es so bleibt. Ich habe mich sehr auf „White Lives Matter“ von Jasmina Kuhnke gefreut. Zum einen, weil ich ihr Debüt „Schwarzes Herz“ unfassbar gut fand und zum anderen, weil ich den Ansatz des Buches spannend, aber vor allem wichtig finde. Ich hatte eine hohe Erwartungshaltung und leider wurde diese enttäuscht. Nicht vom Plot, nicht von der Idee, sondern von der Umsetzung. Die Perspektive ist nicht immer eindeutig, rückt manchmal weg von Protagonistin Anna, was mich verwirrte. Und es wird unheimlich viel berichtet, im Sinne von „Tell“. Dem Ratschlag „Show, don’t tell“ wurde hier leider zu selten gefolgt und auch die messerscharfen Metaphern haben mir gefehlt. Das alles hatte Jasmina Kuhnkes Debüt, mit dem sie bereits bewiesen hat, dass sie eine tolle Autorin ist. Hier hat sie das Werkzeug anscheinend hinten angestellt. Nichtsdestotrotz ist „White Lives Matter“ wichtig. Dieses Thema ist eines der wichtigsten in unserer Gesellschaft und den Spieß umzudrehen, sollte uns (Weißen, privilegierten) vor Augen führen, dass nur eine Stellstraube in der Geschichte anders hätte sein müssen und wir die Marginalisierten, die Ausgebeuteten hätten sein können, denen alles, aber auch wirklich alles, abgesprochen wird. Mich hätte das Buch mit Sicherheit auch ohne die Umkehr von Schwarz und Weiß berührt, denn mich fassen Grausamkeiten gegenüber Menschen, egal welcher Hautfarbe und Herkunft an, aber so geht leider noch nicht genug Menschen und daher ist dieser Roman wichtig, auch wenn er mich stilistisch nicht überzeugen konnte.
**** Worum geht es? **** Stell dir eine Welt vor in der die Reichen und Mächtigen Menschen Schwarz sind. Stell dir eine Welt vor, in der die Weißen um ihre Rechte kämpfen müssen und jeden Tag Diskriminierung und Hass bis aufs Äußerste ausgesetzt sind. Was würdest du einem verlorenen Weißem Mädchen in einer solchen Welt raten? Kopf einziehen und nicht auffallen oder für ihr Recht zu sein zu kämpfen? Verdrehte Welt? Vielleicht ja lehrreich!
**** Mein Eindruck **** Interessant und absolut einmalig umgesetzt, aber irgendwie, für meinen Geschmack, ein bisschen am Ziel vorbei. Letztlich glaube ich vor allem, dass dieses Buch zum Polarisieren geschrieben wurde. Ein neuer Ansatz zum Wachrütteln und zum Nachdenken anregen, zum Diskutieren und Kopfschütteln. In dieser Hinsicht ist dieses Buch mehr als gelungen. Wie ich selbst zu der Art der Darstellung stehe, kann ich abschließend gar nicht genau sagen. Ich fand die Idee zunächst inspirierend, erfrischend und kraftvoll. Ab einem bestimmten Punkt verwickelte sich das Geschehen in Stereotypen und Klischees (wo war da der weitere Mut?). Die Entwicklung zum Ende hin vollzog sich für meinen Geschmack zu schnell, zu „rosa“ für das wie viele Jahrtausende uns das Thema schon beschäftigt und heute noch genauso brisant ist wie zuvor Jahren. Ich möchte dem Buch nichts vorweg nehmen, nur Anregen, dass man das Ende aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten kann, und ich würde mich über eine Diskussion freuen. Der nüchterne Lesestil der Sprecherin hat mich zunächst irritiert. In Anbetracht der eigenen Meinungsfindung fand ich dies am Ende dann doch ganz richtig. Trotzdem beschwerte es meine Motivation des Zuhörens.
**** Empfehlung? **** Aufgrund des erfrischenden Muts zur andersartigen Botschaftvermittlung und der Anregung zu einem umfangreichen Diskurs vergebe ich trotz der Kritik nahezu volle Punktzahl. Ich empfehle das Buch auf jeden Fall zu lesen, fürs Hören sollte man einem trockenen Lesestil zugeneigt sein.
Zusammenfassung :Anna ist Studentin und weiß. Beides Faktoren, durch die sie auffällt. Sie lebt in einer Welt, in der sie ständig Diskriminierung durch die überwiegend schwarze Bevölkerung erfahren muss. Doch Anna fügt sich ihrem Schicksal und versucht unter dem Radar zu verschwinden. Das geht so lange gut, bis ein erschütternder Vorfall sie dazu zwingt, die Situation so zu sehen, wie sie ist. Anna muss ihre Rolle in diesem System hinterfragen und ergreift die sich bietenden Mittel. Schreibstil:Jasmina Kuhnke schreibt in der dritten Person. Dies finde ich persönlich etwas unschön zu lesen, auch wenn es dadurch eine kleine Distanz schafft. Vor allem bei einem solchen Thema und der Ausschilderung als Jugendbuch kann ich verstehen, weshalb dieser Erzähler gewählt wurde. Die Geschichte ist zudem durchsetzt mit fiktiv-historischen Geschichten, welche die Gewalttaten der Vergangenheit zeigen. Fazit:White Lives Matters ist ein wichtiger, gesellschaftskritischer Roman, welcher auf die teils auch unbewusst stattfindene Ausgrenzung und Diskriminierung von Schwarzen aufmerksam machen will. Ein wirklich aufrüttelnder und bewegender Roman über Alltagsrassismus. Der mich allerdings aufgrund der aktuellen weltpolitischen Lage herausgefordert hat und der definitiv keine leichte Lektüre ist. Dennoch ist dieser Roman eine gute Chance zum Einstieg in dieses wichtige Thema.
Der Titel hat mich sofort neugierig auf das Buch gemacht, ich kannte es eigentlich unter einem anderen Begriff, daher war ich gespannt auf die Handlung. Das Bild ist für mich sehr präsent und harmoniert mit dem Cover total.
In diesem Buch lebt das Gegenteil. Weiße Menschen sind die Minderheit und werden systematisch fertiggemacht. In der Handlung geht es um Anna, sie möchte Geschichte studieren, wird aber ausgegrenzt, weil sie weiß ist. Ihr Leben ist von Demütigung und einem ungerechten System geprägt. Durch ihr Studium liest sie viele Schicksale über weiße Menschen. Mich hat da Buch berührt. Ich fand Anna als Charakter sympathisch. Das Buch hat mich nochmal sensibler gemacht, ich finde das Thema unglaublich wichtig. Das Buch hat mir viele neue Denkansätze beschert und dafür bin ich dankbar.
Den provokanten Titel und die Idee fand ich sehr vielversprechend: Die globale Rassismus-Historie umgedreht. Black Supremacy, Weiße unterdrückt.
Die Geschichte an sich fand ich weder besonders schlecht noch gut. Sie bietet ein paar wenige Überraschungen, hat einige Längen, wirkt leider manchmal belanglos. Den Perspektivwechsel aus Anna heute und den Betroffenen damals fand ich spannend. Hätte mir allerdings gewünscht, noch mehr aus der Vergangenheit zu erfahren. Egal ob von Anna recherchiert oder als Live-Perspektive.
Was mich allerdings am meisten enttäuscht hat: Die Sprache. Stilistisch war dieser Roman gar nicht mein Ding. Wenig raffiniert, manchmal sogar etwas cringe. Außerdem gab es ein paar kleine Plott-Fehler, die im Lektorat nicht aufgefallen sind. Das hat das Lese-Erlebnis für mich nicht ganz so gut gemacht.
Jasmina Kuhnkes neues Buch verkehrt die Welt, wie wir sie kennen ins Gegenteil - hier sind Weiße in der Minderheit und erfahren die himmelschreienden Ungerechtigkeiten, die in der Realität Schwarze erdulden müssen.
Ich halte mich für relativ reflektiert, was dieses Thema angeht, der Roman hat mich jedoch noch einmal mehr dafür sensibilisiert, genauer hinzuschauen und Ungerechtihkeit zu erkennen, wo man sich vielleicht bisher dachte 'so ist es nun mal'.
Ein Buch, das hoffentlich bald in den weiterführenden Schulen Einzug hält!
Amazing book that made me more aware of the struggles that black people face in everyday life. I had already known that it can be challenging as a POC but I think through the book I gained more insight into this matter. Although I can’t really know how it is to be discriminated against based on your ethnicity, since I am white I now feel like I know more about this matter and can empathise better. The story line is very interesting and although the main character was annoying in the beginning, her personality was necessary for the story to turn out this way. Thanks for writing such a captivating story that is not only shocking and entertaining but also impactful.
Großartiges Buch von Jasmina Kuhnke, schade dass wir immer noch einen fiktiven Perspektivwechsel brauchen um Mitgefühl zu generieren. Es gibt so viele rassismuserfahrungen, jedoch scheinen weiße Menschen ohne Fiktion oft keine Empathie zu empfinden.
"Art should comfort the disturbed and disturb the comfortable"
Ein Buch das unter die Haut geht und auf eindringliche Art und Weise den Schmerz von Rassismusbetroffenen darstellt. Black Lives Matter; gestern, heute und für immer. Absolutes Must-Read/Listen!
White Lives Matter von Jasmina Kuhnke ist ein provokantes und zugleich tiefgründiges Buch, das mit radikaler Offenheit gesellschaftliche Tabus und rassistische Denkmuster seziert.
Kuhnke schreibt kompromisslos, ihre Sprache ist scharf und direkt, ohne dabei in einfache Schwarz-Weiß-Malerei zu verfallen. Stattdessen fordert sie den Leser heraus, sich mit eigenen Vorurteilen und den Mechanismen weißer Dominanz auseinanderzusetzen.
Dieses Buch ist unbequem und emotional, es fordert zum Nachdenken heraus, auch wenn es nicht immer leicht zu verdauen ist. Dabei wirkt die Erzählweise manchmal etwas distanziert und verwirrend, was den Zugang erschweren kann. Es ist kein Werk zum Wohlfühlen, sondern zum Aufrütteln und zur Selbstreflexion. Wer sich ernsthaft mit Rassismus und Machtstrukturen auseinandersetzen möchte, findet hier eine mutige Stimme, die klar Stellung bezieht und lange nachwirkt.