Pilgern ist im Islam eine Selbstverständlichkeit. Mindestens einmal im Leben sollte jeder Muslim die Kaaba in Mekka umrundet haben. Doch wie sieht es eigentlich im Christentum aus? Um das herauszufinden, will Mouhanad Khorchide den Geheimnissen des Jakobswegs auf die Spur kommen. Er kauft sich ein Paar Wanderschuhe, setzt sich ins Flugzeug und macht erst einmal alles falsch. Denn das Pilgern nach Santiago de Compostela ist etwas ganz anderes als die Hadsch der Muslime. Humorvoll erzählt Mouhanad Khorchide von seinen Wegen und Irrwegen auf dem Camino, von Begegnungen und Gesprächen und davon, wie das Wandern auf dem Jakobsweg eine Reise ins eigene Ich wurde, die ihm nicht nur das Christentum, sondern auch den Islam noch einmal neu erleben ließ.
Pilgern war für Khorchide nichts Neues: er hatte schon Wallfahrt nach Mekka gemacht. Er hatte aber Zeit, und Neugier, und er hat für etwas anderes entschieden: eine Fahrt nach Santiago, auf dem Jakobsweg.
Ich habe so viele Bücher gelesen, die um dieses Thema beschäftigen—oder, über den Jakobsweg. Ein Muslim auf dem Jakobsweg ist das erste Buch, das ich gelesen habe, dessen Autor weder Christ ist noch einen christlichen Hintergrund hat. Ich konnte natürlich nicht Widerstand leisten.
Der Anfang des Buchs fand ich ganz charmant. Khorchides Verständnis vom Pilgern kam aus Mekka, und bei der Wallfahrt nach Mekka, ist Mekka das Ziel. Wenn man in Mekka ist, fängt die Wallfahrt wirklich an. Aber auf dem Jackobsweg ist der Weg das Ziel. Santiago hat eine Kirche, ja, und das Grab eines Heiligen, aber die Verwandlung (wenn es eine Verwandlung gibt) passiert unterwegs. Und so musste Khorchide seine Pläne ändern: statt in Santiago zu bleiben, lief er züruck in Richtung Sarrià.
Ich war so naiv und ahnungslos, was die christliche Pilgerfahrt betraf, dass ich alles, was ich über die islamische Pilgerfahrt nach Mekka wusste, einfach auf mein neues Vorhaben projizierte. (loc. 43)
Ein Muslim auf dem Jakobsweg beschreibt also seine Erfahrungen auf einer Wallfahrt, die er rückwärts gemacht hat, und seine Gespräche auf dem Weg. Khorchide ist mit einer offenen Einstellung gekommen, und es freut mich, dass er so viel Neugier hat. In der Mitte wurde mir das Buch ein bisschen langsam—normalerweise überfliege ich nie Bücher, aber das Kapitel "Aus der Perspektive eines Baumes"... Ich habe überflogen.
Vielleicht würde Khorchide nächstes Mal die "ganze" Wallfahrt probieren—und vielleicht wäre seine Erfahrung sehr anders sein. Aber fürs Erste macht dieses Buch etwas Neues und Interessantes.
Thanks to the author and publisher for providing a review copy through NetGalley. Quotes are from an ARC and may not be final. Deutsch ist nicht meine Muttersprache, und alle Fehler sind meine eigenen.
Neue Wörter Möchtegernpilger: would-be pilgrim die Wallfahrt: pilgrimage Opfertiere: sacrificial animals Opferfest: Eid al-Adha Laien: laypeople Bittgebete: prayers of supplication die Demut: humility Gehhilfen: walking sticks barmherzigen: merciful Visitenkarte: business card Überlebenskünstler: survival artist zweitrangig: secondary
Es fällt mir schwer, dieses Buch zu bewerten. Einerseits eine sehr interessante Geschichte, wie es der Titel schon aussagt. Aber andererseits war es keine leichte Lektüre. Der Autor erklärt auch sehr viel zu verschiedenen Religionen und Weltanschauungen. Da das Büchlein noch nicht einmal 200 Seiten hat, ist somit der Inhalt sehr geballt. Vielleicht war ich auch nicht in der richtigen Lesestimmung.