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Das Ausgleichskind

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Margret ist in ihrer Familie das Ausgleichskind. Und als Ausgleichskind hat sie es nicht leicht. Je größer die Schwierigkeiten in der Familie sind, desto besser muss bei Margret alles klappen. Damit wenigstens aus ihr mal was ganz Großes wird. Eine Pianistin oder so. Aber Margret hat das langsam satt und nimmt sich vor, sich ab jetzt um ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern!

142 pages, Hardcover

Published January 1, 1991

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About the author

Kirsten Boie

292 books109 followers
Kirsten Boie was born in Hamburg in 1950. She studied German and English literature and wrote a doctoral thesis on a topic in the field of literary research. She worked as a secondary school teacher in Hamburg from 1978 until 1983. When she adopted a child she had to stop teaching and began to write. Her first book "Paule ist ein Glücksgriff" (1985) was very well received and won several awards.

Since then she has published more than 60 books for children and teens that have been translated into many languages. Special mention must be made of her novels for young adults that critically examine social issues and display literary innovation. In addition to the many awards she has won, her complete works have been nominated for the Hans Christian Andersen Award three times (in 1999, 2001 and 2003).
Kirsten Boie lives with her family near Hamburg.

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March 7, 2023
Margrets bester Freund Akki war mit ihrem Erdkundelehrer Regensburger aneinandergeraten. Die Klasse sollte bitte erkennen, so Regensburger, dass Klimawandel, Ozonloch und Verpackungsüberfluss ihre Generation direkt anginge. Akki/Joachim handelte aus, dass so wichtige Themen dann besser nicht als Klassenarbeit ausgebeutet werden sollten. Nun hatten sie statt der befürchteten Arbeit eine Umweltaktion in eigener Verantwortung am Hals. Zu allem Überfluss muss die 14jährige Icherzählerin aktuell dringend Klavier üben, um den einzigen Platz für ein Klavierstück beim jährlichen Vorspielen in ihrer Schule zu erringen. Bei ihr zu Hause war die Stimmung gedrückt, seit ihre Schwester Marthe im Streit mit den Eltern zu einem Au Pair Aufenthalt in London abgerauscht war, ohne sich wieder zu melden. Akki als Spezialist für psychologische Zusammenhänge konnte Margret das Problem ihres Familiensystems exakt erklären. Seit Marthes Verschwinden liegt die Verantwortung für das Wohlbefinden ihrer Eltern allein auf ihren Schultern, sie Ist das Ausgleichs-Kind „hilfreich bei Kummer und Regen“, auf dem die ungelebten Träume der Erwachsenen lasten.

Als zu Vaters Geburtstagsfeier der Familien-Clan anreist, entfaltet sich zwischen den Erwachsenen kabarettreif die Konkurrenz um Karriere, Konsum und erfolgreiche Kinder, in der Margrets Eltern schlecht abschneiden. Besonders Mutter Sylvia scheint sich nur über die Nicht-Karriere ihres Mannes und Margrets Klavierspiel zu definieren. Als ein junges Ausnahmetalent Margret am Klavier gnadenlos übertrumpft, traut sie sich nicht, ihren Eltern davon zu erzählen – und riskiert damit den System-Zusammenbruch. Dabei hat sie endgültig die Nase voll davon, für das Glück anderer Menschen verantwortlich zu sein.

Den zeitlosen Familienkonflikt, ob Margret nach eigener Fasson glücklich werden darf und was ihre Eltern für ihr eigenes Glück zu investieren bereit sind, lässt Kirsten Boie ihre Icherzählerin eloquent und höchst ironisch vortragen. Neben Margret habe ich besonders den (auch körperlich) kleinen Psychologie-Professor Akki liebgewonnen. Schneller als „Namen und Marken“ veralten offensichtlich Einstellungen und Verhalten. So bin ich bis heute irritiert, wenn Romanfiguren sich ungefragt eine Zigarette anzünden. Im "Ausgleichskind" finde ich die hausbackene Mutterrolle Kindern von heute schwer vermittelbar.

Kirsten Boie erinnert im Vorwort zu ihrem neu aufgelegten Buch von 1991 daran, dass zwar Vornamen, Markennamen und Währungen veralten, die wirklich wichtigen Dinge würden sich jedoch nicht so schnell ändern. Damit wirft sie selbst die Frage auf, ob ein 30 Jahre altes Kinderbuch für das Verständnis junger Leser von heute bearbeitet werden sollte - oder ins Archiv verschoben.
Profile Image for Bücherbummlerblog.
139 reviews8 followers
October 25, 2025
Eigentlich findet Margret es ziemlich blöd, dass ihr bester Freund Akki sie als „Ausgleichskind“ bezeichnet. Als das Kind, das, wenn Zuhause bei den Eltern nicht alles so läuft, wie diese es sich wünschen, diejenige sein muss, die funktioniert und gute Ergebnisse vorweisen kann. Aber wenn sie das nicht ist, warum übt sie dann so fleißig Klavier, obwohl das Klavierspielen doch eigentlich der Traum ihrer Mutter war? Warum lässt sie ihre Klassenkameraden im Stich, und dazu noch gerade dann, wenn es um wichtige Aktionen für die Umwelt geht? Und warum ertappt sie sich immer öfter dabei, sowohl ihre Familie, als auch ihre Freunde anzulügen, nur damit alle zufrieden sind? Vor allem aber: Wie soll sie aus diesem Netz aus Lügen wieder herauskommen?

Kirsten Boie sagt es im Vorwort zur Neuauflage ihres Romans selbst: „Das Ausgleichskind“ ist nicht sonderlich gut gealtert. Jedenfalls oberflächlich nicht. Gefühlt versetzt einen die Geschichte umstandslos in die 1980er Jahre zurück. Für mich, die ich selbst in dieser Zeit aufgewachsen bin, war das kein Problem (auch wenn mir die Kommunikationsebene der Eltern sogar für diese Zeit schon etwas angestaubt vorkam). Aber inwieweit sich junge Leser von heute davon angesprochen fühlen und sich identifizieren können, kann ich nicht sagen.

Auf der wesentlichen Ebene bleibt Boies Buch aber (leider) immer noch sehr aktuell. Umweltzerstörung ist nach wie vor unser größtes Problem, auch wenn sich in den speziellen Punkten, die in der Geschichte angegangen werden, ein wenig was verändert haben mag. Aber bei weitem nicht genug, dass besonders die Eigenverantwortung eine wichtige Botschaft bleibt.
Und natürlich gibt es auch immer noch Eltern, die ihre Träume und Wünsche auf ihren Nachwuchs projizieren. Und Kinder, die mit diesen Ansprüchen irgendwie umgehen müssen. Vielleicht ist es auch gerade spannend, zu vergleichen, wie ähnlich sich manche Situationen in den unterschiedlichen Generationen bleiben.

Vor allem aber hat „Das Ausgleichskind“ das, was ich an allen Boie-Büchern schätze und liebe: Sie versteht es einfach – unabhängig von der Schwere der Thematik – ein Gefühl zu erzeugen, das sagt, dass im Grunde alles gut ist. Einen unerschütterlichen Kern heiler Welt, den die Kinderbücher, die mich am meisten geprägt haben, alle in sich hatten, und der mir noch als Erwachsene Halt geben kann.

„Das Ausgleichskind“ ist vielleicht nicht mein Lieblings-Boie-Buch, aber es hat einen besonderen Wert, weil es zum Nachdenken und vor allem zum Aktivwerden einlädt. Darum eine Leseempfehlung von mir.
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