Es kommt nicht häufig vor, dass Ex-Terroristen Bücher schreiben. Peter-Jürgen Boock hat es getan. Das Thema des Buches: die Entführung und Ermordung des Arbeitgeber-Präsidenten Hanns-Martin Schleyer durch ein RAF-Kommando im Herbst 1977. Boock war Mitglied dieses Kommandos. Und daher ist die Geschichte dieses Verbrechens zur Geschichte seines Lebens geworden, auch wenn er sich schon lange von der RAF losgesagt hat.
Als "dokumentarische Fiktion" bezeichnet Boock sein Buch. In einer Mischung aus Roman und Reportage erzählt er die Ereignisse des "deutschen Herbstes" 1977 nach, so wie er sich daran erinnert. Boock und weitere RAF-Mitglieder überfielen damals die Wagenkolonne des Arbeitgeber-Präsidenten Schleyer in Köln. Sie erschossen dessen Fahrer und mehrere Polizisten. Schleyer selbst wurde mehrere Wochen lang in konspirativen Wohnungen gefangen gehalten. Mit ihrer Geisel wollten die Entführer die in Stuttgart-Stammheim inhaftierten Terroristen um Gudrun Ensslin und Andreas Baader freipressen. Die Bundesregierung blieb jedoch hart. Auch die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" konnte Kanzler Schmidt nicht zum Einlenken bewegen. Als die Stammheimer RAF-Häftlinge schließlich in ihren Zellen Selbstmord begingen, war das auch das Todesurteil für Hanns-Martin Schleyer: Seine Entführer fassten einstimmig den Entschluss, ihr Opfer zu erschießen.
Das Schreiben über die Schleyer-Entführung ist für Boock eine Art Selbsttherapie, mit der er sein damaliges Handeln nachvollziehen und verarbeiten will. Und es klingt wie ein Versuch der Wiedergutmachung, wenn Boock seinem einstmals gehassten Opfer Schleyer nachträglich fast heldenhafte Züge verleiht: Schleyer habe trotz der unvorstellbaren Umstände der Entführung stets souverän und beeindruckend gewirkt, die Terroristen immer wieder in intellektuelle Debatten verwickelt und dabei bloßgestellt. Die RAF-Leute hatten laut Boock wegen der eigenen ideologischen "Konzeptionslosigkeit" zunehmend das Gefühl, "ihm nicht gewachsen zu sein". Am kaltblütigen Mord hinderte das die Kommando-Mitglieder freilich nicht.
Das Buch entwickelt über weite Strecken durchaus Spannung. Als literarisches Meisterwerk kann man es kaum bezeichnen, und an dokumentarischen Darstellungen über die Schleyer-Entführung gibt es sicher bessere als diese. Seinen Wert und seine Eindringlichkeit findet das Buch in der Tatsache, dass es von einem der unmittelbar Beteiligten stammt -- und somit eine ungewöhnliche Art zeithistorischen Dokuments darstellt. --Christoph Peerenboom
Interessante saggio preso dall'interno sulla nuova ricostruzione e successivo sfaldamento della RAF, tutto incentrato sul rapimento di Hanns-Martin Schleyer. Il libro scorre benissimo, l'unica nota negativa è che l'autore, evidentemente pentito, calca un po' troppo spesso la mano nel descrivere lui e i suoi compagni come un gruppo di improvvisati che non sanno realmente cosa stanno facendo.
cronaca del sequestro schleyer, presidente della confindustria tedesca, da parte di una cellula della raf- raccontato in prima persona da boock, che fu uno dei carcerieri. molto interessanti i discorsi tra rapitori e vittima- e il dipanarsi delle trattative con il governo (per la liberazione del nucleo fondatore del gruppo terroristico) che culmineranno con il dirottamento di un aereo lufthansa e il misterioso suicidio dei compagni in cella. [boock ha ottenuto una sospensione condizionale della pena e ora è giornalista]