Millay Hyatt ist leidenschaftliche Es ist der Reiz der »ungepolsterten Begegnung mit der Welt«, der sie noch jedes Flugzeug durch die Reise auf der Schiene tauschen lässt. Sie weiß: In der Fremde und unterwegs sieht man anders, das gilt besonders im Zug, in halber Das Zugfenster wird zur Verlockung, an ihm laufen bewegte Bilder, ganze Landschaftsfilme vorüber. Im Wagen selbst werden wir zu Voyeuren, die sich für die intimsten Angewohnheiten unserer Mitreisenden interessieren. Wir lauschen dem Streit fremder Paare, zeichnen Psychogramme unserer Sitznachbarn. Auf Schienen kommt ein Denken in Gang, das unsere Gewissheiten stört. Als Reisende gehen wir in eine Schule der Wahrnehmung, in der die eigene Perspektive ins Verhältnis zu anderen gesetzt wird. Die Zugreise verspricht das Glück des Aufbrechens und des Ankommens – und dazwischen die bittersüße Freude der Selbstbefragung.
Anhand ungezählter eigener Reisen zeichnet Millay Hyatt eine literarische, anspielungsreiche Kartografie der Zugreise, in der die tausendfach beobachtete Dramaturgie des Abschiednehmens ebenso zu ihrem Recht kommt wie die Verwandlung der Heimkommenden – und zugleich die Einsicht, dass das Passieren von Grenzen nicht für alle eine lustvolle Erfahrung ist.
Noch ein Band, den ich dank der wunderbaren "Reise- Reihe gegen Fernweh" der Büchergilde Gutenberg gelesen habe.
Die Schilderungen und Reflexionen der Autorin bündelt jene thematisch. Sie funktionierten bei mir auch ohne diese Strukturierung als Medium mir eigene Erlebnisse in vielen Jahren leidenschaftlichen Bahnfahrens ins Gedächtnis zu rufen. Und es gibt eine sehr inspirierende Literaturliste.
Kurzum eine wirklich gute Lektüre, wenn man sich diese beiden Dinge wünscht.
PS: nein, Reisende aus Deutschland kommen nicht immer am Gare de l'est an. Fast absurd das zu denken. Natürlich ist der Gare du Nord für alle aus mindestens dem Ruhrgebiet und dem Kölner Raum der Ankunftsbahnhof.
Ein wunderbar langsames, dichtes und poetisches Buch über Züge, Reisen und das unkontrollierbare und gleichzeitig schöne Chaos, das das Leben ist. Vom Lesegefühl her wie eine lange Zugreise, die manchmal müde macht oder sich die Fenster wiederholen. Liest sich deshalb nicht schnell, aber geht umso mehr in die Tiefe. Wird noch lange nachhallen. Besonders, weil Grenzen in Europa nicht für alle so leicht passierbar sind und dieses Buch zeigt, wie schön die Welt sein kann, wenn Grenzen offen sind und Menschen zusammenspannen.
Interessante Reiserouten und Infos für Bahn-Nerds. Reisen mit Bahn, Bus, Fähre und Sammeltaxi quer durch Europa und darüber hinaus, an Kriegsgebieten entlang, scheinen für die Autorin die ideale Fortbewegung zu sein – raus aus dem Federbett der Zivilisation (1879 Robert Louis Stevenson). Jeder Reisebericht, von Berlin aus startend, mit der Reiseroute auf vorangestellter Karte pro Kapitel, kommentiert sowohl ihre jeweiligen Begegnungen, Eindrücke und Erlebnisse in und um die Zugreise herum, bereichert durch Literaturzitate. Aber auch Schwierigkeiten bei internationalen Anschlussverbindungen besonders auf Langstrecken finden Erwähnung. Allein der Buchungsstress und das häufige Umsteigen und unerwartete Umbuchen unterwegs könnten ähnlich interessierte Nachtzugfans abschrecken. Land und Leute mag solch ein Zug-Reisender näher kennenlernen, wenn man bereit und flexibel genug ist, fehlenden Schlafkomfort und Reiseprobleme unterwegs zu akzeptieren. Die Informationen zu veränderten Reisebedingungen und Buchungsmöglichkeiten im Laufe der Jahrzehnte sind sicher hilfreich. Diese teils abenteuerliche, teils romantische Art zu reisen wird in positivem Schreibstil beleuchtet, die jeweilig vorbeieilende Landschaft und zufällige Kontakte einbeziehend.
Ein angenehmes Buch. Es liest sich Wie eine Zugreise, es passiert nicht viel, verschiedene Landschaften und Erinnerung ziehen vorbei. Inspirationen von diversen Lektüren. Ich habe Fernweh bekommen und habe mich an Zugreisen und Begegnungen erinnert.