Angesichts der neuen Konjunktur von Ultranationalismen auch in Europa und einer wachsenden Zahl von Ländern weltweit arbeitet der Philosoph Jason Stanley aus einer historischen wie gegenwärtigen Doppelperspektive die allgemeinen Muster und Rhetoriken, die Stoffe und Mythen des Faschismus heraus. Stanley ist sich Nur wenn wir faschistische Politik erkennen, können wir ihren schädlichsten Auswirkungen widerstehen und zu demokratischen Idealen zurückkehren.
“Mit der Normalisierung wird das moralisch Außergewöhnliche in das Gewöhnliche verwandelt. Sie versetzt uns in die Lage, das zu tolerieren, was einst unerträglich war, indem sie den Anschein erweckt, dass die Dinge schon immer so gewesen sind. Hingegen hat das Wort „faschistisch“ die Anmutung des Extremen angenommen und funktioniert wie eine Art Alarmruf. […] Schließlich bedeutet der Begriff, dass die Leute heraufziehende ideologisch extreme Zustände nicht mehr als solche erkennen, weil sie normal geworden sind.“
Das Kapitel „Arbeit macht frei“ über den faschistischen Leistungsbegriff fand ich sehr eindrücklich.
An manchen Stellen im Buch hat mich allerdings die theoretisch nicht fundierte antithetische Gegenüberstellung von Faschismus vs. Liberalismus gestört. Hier schien Stanley sich mehr mit einer Kritik der Form als der Inhalte zu befassen. Zur theoretischen Vertiefung empfehle ich Spätfaschismus: Rassismus, Kapitalismus und autoritäre Krisenpolitik von Alberto Toscano.