Erwin Strittmatter, der Autor großer Romane, ist, wie man weiß, auch ein Meister der Kleingeschichte. Seit Jahrzehnten zeichnet er regelmäßig Gedanken, Erinnerungen, Beobachtungen, Selbstermunterungen und Romane im Stenogramm auf. Nur zum Spaß, so sagt er. All diese Niederschriften versammeln sich in diesem Buch.
Ganz seichte, ruhige Kurzgeschichten, manchmal nur eine halbe Seite lang (also gerade mal ein paar Gedanken). Eindrücke über die Natur und deren Bewohner, über Wiesen, Felder und Wälder, Seen und Moore, Sträucher und Bäume, über Vögel, Pferde, Fliegen und Gänse. Beobachtungen chronologisch sortiert, beginnend im Winter, fortfahrend über Frühling und Sommer zum Herbst. Hier und da ein paar witzige/winzige Pointen und schon war das Buch zu Ende.
Lieblingsstellen: "[...] Stille am Himmel und Stille auf dem Wasser, und das Knacken eines Zweiges, auf den wir treten, wird zu einem großen Geräusch."
"Bald war's trocken, bald naß, bald windig, bald still, dann wurde es warm und plötzlich noch einmal kalt. Im Weltraum schien das Rezept für den Frühling verlorengegangen zu sein."
"Ich streifte durchs blättrige Unterholz. Weitgereiste Tautropfen setzten sich auf meine Lederhose. Lederöl hüllte die Tropfen ein, und sie wurden zu buntem Geflitter."
"Jeder Tag bringt Fragen und verlangt Antworten, und solange wir fragen und Antworten suchen, leben wir."