Harley hat die letzten zwei Jahre in New York bei ihrer Mutter verbracht, bis diese sie plötzlich zurückließ, um ihre Karriere voranzutreiben. Zurück in Melbridge fällt es Harley schwer, sich wieder einzuleben. Als sie dabei beobachtet wird, wie sie Erinnerungen an ihre Mutter verbrennt, entsteht das Gerücht, sie sei eine Hexe. Anfangs noch belustigt, erkennt Harley bald die Möglichkeit, daraus Kapital zu schlagen, denn ihre Mutter hat ihr die Collegeersparnisse genommen. So beginnt sie, „Aufträge“ als Hexe anzunehmen. Für einige davon braucht sie jedoch die Hilfe von Duc, dem Außenseiter der Schule, der eigentlich nur Ärger macht.
Was als Zweckgemeinschaft beginnt, entwickelt sich schnell zu etwas Tieferem. Harley vertraut Duc ihre Geheimnisse aus New York an, und für ihn wird sie mehr und mehr zu einer Stütze. Obwohl Harley zunächst den Eindruck macht, das typische Großstadtmädchen zu sein, zeigt sich bald, dass sie bodenständig und loyal ist – auch wenn diese Loyalität zu Konflikten führt, etwa mit ihrem Freund Otis. Besonders spannend ist ihr innerer Konflikt: Einerseits ist da ihre Zuneigung zu Duc, andererseits der Versuch, sich in eine „normale“ Beziehung mit Carter zu flüchten – dem scheinbar perfekten Gegenentwurf zu Duc.
Duc selbst ist ein vielschichtiger Charakter. Als Adoptivkind hat er ein schwieriges Verhältnis zu seiner Familie, zeigt aber durch Harleys Einfluss, dass er mehr ist als der „Störenfried“. Besonders in seinen stilleren Momenten merkt man, wie tief seine Gefühle für Harley sind. Ihre Beziehung kulminiert in einer sehr intensiven Szene, in der beide ihr erstes Mal miteinander erleben. Doch anstatt dazu zu stehen, zieht sich Harley zurück – eine Entscheidung, die weh tut, aber unglaublich realistisch wirkt.
Auch die Nebenfiguren tragen viel zur Geschichte bei. Carter, Harleys Schwarm, ist der perfekte, beliebte Junge – aber gerade dieses „Perfekte“ machte ihn für mich eher nervig. Mit Jesper, Harleys Zwillingsbruder, gibt es kaum eine echte Verbindung, was nach zwei Jahren Trennung nachvollziehbar ist. Besonders berührt hat mich die langsame Annäherung zwischen Duc und seinem Bruder Tony, die zeigt, dass Familie auch Zeit und Arbeit bedeutet.
Das Kleinstadt-Setting mit der typischen Highschool-Atmosphäre hat mir sehr gefallen. Jeder kennt jeden, Gerüchte verbreiten sich wie ein Lauffeuer, und sowohl Harley als auch Duc kämpfen ständig gegen die Vorurteile der anderen an. Diese Enge verstärkt den Druck, unter dem die Figuren stehen, und macht Harleys Wunsch nach einem Neuanfang fast unmöglich.
Die Spannung im Buch liegt weniger in den „magischen“ Aufträgen, sondern vielmehr in der Frage, wie sich die Beziehung zwischen Harley und Duc entwickelt. Jedes zufällige Treffen, jedes Gespräch und jede Geste zwischen den beiden hat mich mitfiebern lassen. Besonders gelungen fand ich, wie Harley in Duc nicht den gefährlichen Außenseiter, sondern den Menschen sieht, dem sie vertrauen kann.
Fazit:
Maybe it’s just a Rumor hat mich positiv überrascht. Die Geschichte verbindet Highschool-Drama, Coming-of-Age und eine feinfühlige Liebesgeschichte zu einem stimmigen Gesamtbild. Harley ist eine Protagonistin voller Ecken und Kanten, Duc ein Charakter, der hinter seiner Fassade eine unglaubliche Tiefe verbirgt. Ihre Dynamik war für mich das Herzstück des Buches, und obwohl Harleys Entscheidung am Ende frustrierend war, wirkte sie gerade dadurch realistisch. Für mich war es eine bewegende Geschichte darüber, wie schwer es sein kann, zu den eigenen Gefühlen zu stehen – und ich bin sehr gespannt, wie es im zweiten Band weitergeht.