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Zonen der Zeit

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Jan Schneider ist Historiker und Archivar. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in einem Dorf am Stadtrand. Jan hat etwas vor sich, von dem niemand etwas weiß: Er muss die Akten des Auswärtigen Amtes des Jahres 1991 bearbeiten – das Jahr, das sein Leben als Zehnjähriger von Grund auf verändert hat. Er kann plötzlich nicht mehr auf Geschichte blicken, ohne seine eigene darin zu sehen. Dann trifft der zögerliche Jan auf Enni van der Bilt, Notrufdisponentin einer Feuerwehr-Leitstelle. Enni ist das Gegenteil von Jan: Sie packt an, will Dinge verändern. Sein Zögern ist ihr fremd. Doch vom ersten Moment an haben die beiden eine Verbindung, ohne dass sie zunächst sagen können, worin diese besteht … »Wenn eine Feuerwehrfrau auf einen Archivar trifft, kann es wie in diesem Roman passieren, dass die Eiszeit Feuer fängt und namenlose Inseln die Zeit anhalten.« Annett Gröschner »In Michaela Maria Müllers Text findet sich Gegenwart und Historie, Geschichte und Naturgeschichte, Privates und Gesellschaftliches kunstvoll zu einem Gobelin verknüpft, einem Zeitteppich, der zugleich das Handlungsfeld der Figuren ist.« Jan Kuhlbrodt

184 pages, Paperback

Published March 13, 2024

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Michaela Maria Müller

7 books1 follower

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Profile Image for Alexander Carmele.
528 reviews554 followers
May 21, 2024
Aufhebung der Kampfzonen. Ein leiser Berlin-Roman voller friedlicher Lebenswegumwälzungen.

Inhalt: 3/5 Sterne (freies Großstadtleben)
Form: 1/5 Sterne (Alltagssprache)
Komposition: 4/5 Sterne (konvergierende Authentizitätssteigerung)
Leseerlebnis: 3/5 Sterne (ruhiges Treibenlassen)

Ausführlicher, vielleicht begründeter auf kommunikativeslesen.com

Großstadtromane beschreiben Sonderlinge, die sich ihre Nische suchen und finden. In „Zonen der Zeit“ von Michaela Maria Müller suchen Enni van der Bilt und Jan Schneider ein neues Leben, ziehen aus dem Münchener Umland nach Berlin und starten mitten im Leben nochmal von vorn. Er als U-Bahnhof-Zeitungskiosk-Betreiber, sie als Calltakerin bei der Berliner Feuerwehr, derweil zerbricht Jans Ehe mit Katja:

»Auf der Straße«, sagte ich [zu ihr auf die Frage wo ich war], und dass Enni heute Nacht bei mir blieb. Daraufhin legte Katja auf. Eine halbe Stunde später rief sie mich jedoch an, dann wieder und wieder in immer kürzeren Abständen, die ganze Nacht lang. Wenn ich ihren Anruf annahm, horchten wir in den Hörer und schwiegen, bis einer von uns wieder auflegte. Wir waren verbunden, aber wir hatten uns nichts mehr zu sagen.

„Zonen der Zeit“ betreibt keinen spannungsgeladenen Voyeurismus. Die Figuren verhalten sich ehrlich zueinander, zeigen sich verletzlich, gehen ruhig im Leben aufeinander zu und wieder aneinander vorbei. Müllers Figuren wollen nichts erzwingen, nichts vorheucheln. Sie wollen aber auch nicht kämpfen, denn das, wofür es sich zu kämpfen lohnte, dafür lässt sich eben nicht kämpfen: Aufmerksamkeit, Wohlwollen, Verständnis und Zärtlichkeit.

»Flüsse wissen nichts voneinander, bis sie sich begegnen. Und dann gehören sie zusammen,« sagte [Jan].

Aus jeweils der Ich-Perspektive von Enni und Jan erzählt, werden Zeiten des Umbruches beschrieben. Hierbei überlagen sich interessanterweise die Sicht- und Erzählweisen der Figuren. Sie erzählen dem Publikum oft ein und dieselbe Szene, nur aus ihrer jeweiligen Sicht. Die Wiederholungen und Wiederaufnahmen bestätigen und erweitern sich gegenseitig, wie zwei Flüsse, die sich verbinden und zu einem größeren werden. Hier ereignet sich stilistisch ein interessanter Effekt, nämlich der der Authentizitätssteigerung. Je länger das Buch andauert, desto mehr wächst das Vertrauen in die Figuren und in die Betrachtungsweise, mit der diese in die Welt schauen, denn es wird bald klar, diese Figuren lügen nicht. Sie geben sich ihrer Gegenwart hin, mit Herz und Seele. Die sehr einfache Sprache stört dann nicht. Sie trägt zum Authentizitätsgrad bei.

„Zonen der Zeit“ wartet mit Freundlichkeit, Bescheidenheit auf. Es liest sich sehr unaufgeregt, sehr nahe am Alltag und erhält, je länger es andauert, eine hohe, literarische Plausibilität. Die Dialogizität, die Michaela Maria Müller in ihrem Roman verwendet, grenzt sich gegen Sensationalismus und Konfrontation ab, wie ihn andere, Briefroman ähnliche Texte, in der Gegenwart betreiben, bspw. Juli Zeh und Simon Urban in „Zwischen Welten“ oder Virginie Despentes in „Liebes Arschloch“.

„Zonen der Zeit“ ist ein leises Buch, das seinen Schmerz versteckt, seine Harmlosigkeit aber auf der Stirn trägt und zwar nicht formal, aber inhaltlich wegen der Walter Benjamin- und Mauerfall-Bezüge an Cees Nootebooms „Allerseelen“ erinnert. Zwei Menschen auf den Weg zueinander, ohne die Garantie, dass sie sich finden werden. Vielleicht aber ein wenig zu kurz und sprachlich allzu einfach gefasst.
Profile Image for Bionoema.
39 reviews15 followers
April 27, 2025
Jan ist Historiker und meistens in seiner ganz eigenen Welt. Er schwelgt in den Tagen seiner Kindheit, als alles noch unbeschwert schien, am Kiosk seiner Mutter in Berlin. Das, was die Zeit für ihn ausmachte, versucht er im Archiv des Auswärtigen Amtes zu fassen - die Sperrfrist der Akten endet nach 30 Jahren und so bekommt er Zugang zum Jahr 1991.
Währenddessen schlägt sich Emmi die Nacht auf der Feuerwehr-Station um die Ohren, und sucht zugleich etwas ganz anderes. Sie will das Leben spüren, entdecken, Neues erleben.

Ich hatte mir mehr Tiefgang erhofft. Die Begegnung von Jan und Emmi wirkten konstruiert und unnatürlich, während die Idee des Buches durchaus großes Potenzial für mich gehabt hatte. Doch statt tiefen Einblicken in die Gedankenwelt oder den Zeitgeist der Jahres des Umbruchs, kratzten die Charaktere - und auch die Handlung - leider nur an der Oberfläche. So wirkten die Figuren für mich nicht lebendig oder greifbar, sondern vielmehr wie Silhouetten, die durch die Welt stolpern.

Ich will etwas neues lernen, in die Gefühls- und Gedankenwelt der Fiktion eintauchen, andere Lebensrealitäten spüren. Gedankengänge nachempfinden, meinen moralischen Kompass immer ein Stück weiter justieren. Bleibt mir das verwehrt, bin ich schnell gelangweilt. Auch wenn der Schreibstil gut ist.

Ich hoffe auf ein neues Buch von Michaela Maria Müller und auf mehr Tiefgang. Ich glaube, sie kann das.

Rezensionsexemplar (eBook)
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