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Für das andere, neue Deutschland stehen Dichterfürsten, Bildungsbürger oder die junge Berliner Künstlerszene. Wo der Autor eine falsche Sicht auf das eigene Land unterstellt, nennt er bissig Ross und Reiter. Oft scheint ihn das politisch Unkorrekte geradezu anzuziehen. Matusseks bunte Collage an Traktaten, Gesprächen und Geschichten sticht zudem aus der Fülle an Büchern heraus, die in letzter Zeit die deutsche Identität umkreisen -- und zwar deshalb, weil der Autor weit weniger glatt argumentiert und so kontroverse Debatten geradewegs provoziert.
Ohne Stolz ist eine Nation nicht fähig, die eigene Zukunft zu meistern. Deutlich beantwortet Spiegel-Kulturchef Matussek die zentrale Frage, ob es einen gesunden Nationalstolz gäbe. Die Linken hatten dies immer entschieden verneint. Doch selbst wenn es richtig wäre, künftig einmal Nationalstaatlichkeit zu überwinden, dann schaffen wir das nicht, indem wir vor Deutschland fliehen. Diesen Leitgedanken vertritt übrigens auch der Engländer Steve Crawshaw in seiner schlauen Außenansicht über Deutschland, Ein leichteres Vaterland.
Hasten wir hin zu einer europäischen Identität, folgen uns Franzosen und Engländer ohnehin nicht. Und was entgegnen wir der Deutschtürkin Mely Kiyak, die sich nicht mit Deutschland identifizieren kann, wenn selbst die Deutschen es nicht tun? So wirbt Matthias Matussek in seinem glänzenden, parteiischen, teils provokanten Werk letztendlich für ein selbstbewussteres Deutschland, dass sowohl uns als auch andere bereichert. Und das hat politisch nichts mit Schlussstrichen zu tun, sondern mit einer neuen Welle deutscher Entspannung. -- Herwig Slezak
Paperback
First published May 31, 2006