Von den USA bis Europa breitet sich eine Bewegung der Erwachten aus, die den Westen anklagt, Menschen nach Hautfarbe und Geschlecht in Identitätsgruppen einteilt und Bürgerrechte unter den Vorbehalt einer höheren Gerechtigkeit stellt. Diese neue Macht, die unter Namen wie woke, Identitätspolitik oder »Kritische Rassentheorie« auftritt, behauptet von sich selbst, progressiv zu sein. Sie benutzen Begriffe der alten Linken. Und sie verspricht eine bessere, friedlichere, gleichere Gesellschaft. Ihre Vertreter sehen sich als Träger einer überlegenen Moral.
»Verachtung nach unten« seziert dieses Phänomen, legt seine Wurzeln bloß, und nimmt sein toxisches Ideengebäude auseinander. Alexander Wendt legt ein tiefenscharfes Bild einer parareligiösen Ideologie vor, die schon jetzt die meisten Länder des Westens prägt. Diese Bewegung ist nicht progressiv. Sie zerstört, ohne neue stabile Strukturen zu schaffen. Sie ist amoralisch.
Ihre Ideen transformieren nichts und niemand in eine friedliche Zukunft.
Den Kern dieser Bewegung bildet eine kulturelle Verachtung nach unten, gegen alle, die sich der autoritären Moral verweigern. Die Verachtung der erwachten Eiferer richtet sich gegen die zentralen Prinzipien des Westens: Individualität, Rationalität, Gewaltenteilung, eine vernünftige Balance zwischen Tradition und Entwicklung. Diejenigen, die sich für Erwachte halten, drängen die Gesellschaft in eine vormoderne, tribalistische, neofeudale Ordnung – unter der Fahne des Fortschritts.
Die größte Bedrohung des westlichen Modells kommt nicht von außen, sondern aus seinem Inneren.
Wie konnten sich die Erwachten mit ihren Ideen so schnell ausbreiten, Begriffe prägen, Institutionen erobern? Wer verstehen will, warum ihr so viele nachlaufen, Einzelne, Parteien, Unternehmen, der muss die Grundlagen dieser Ideologie kennen. Wer sich gegen sie wehren will, sollte wissen, wo ihre Schwachpunkte liegen.
Ihr Triumphzug ist keine ausgemachte Sache. In der Konfrontation mit den Erwachten wird jeder zum Konservativen, der die Bürgergesellschaft erhalten will. Und zum Liberalen, wer sich gegen die autoritäre Anmaßung wehrt. Auch traditionelle Linke finden in »Verachtung nach unten« Argumente, warum sie sich gegen die Pseudoprogressiven stellen sollten. Alexander Wendt beschreibt nicht nur, was auf dem Spiel steht. Sein Buch zeigt auch Wege, den Kulturkrieg wieder einzudämmen.
Alexander Wendt is Mershon Professor of International Security and Professor of Political Science at The Ohio State University. He received his PhD from the University of Minnesota in 1989. Wendt taught previously at Yale University, Dartmouth College, and the University of Chicago, before coming to OSU in 2004.
Wendt is interested in philosophical aspects of social science, with special reference to international relations. He is most well-known for his work on constructivism in world politics, including Social Theory of International Politics (Cambridge, 1999), which received the International Studies Association’s “Best Book of the Decade” award in 2006.
In 2017 Wendt was named the most influential scholar in International Relations over the past 20 years in a TRIP survey of 1400 IR faculty.
And in 2023, for their contributions to constructivism Wendt and Martha Finnemore were awarded the prestigious Skytte Prize in Political Science.
In his more recent work, Quantum Mind and Social Science (Cambridge, 2015) and beyond, Wendt explores some implications for social science of the finding that the Kahneman-Tversky anomalies in rational decision-making can all be resolved if quantum theory is used as a baseline rather than an expected-utility model based on classical probability theory. If the human mind is actually a quantum phenomenon, that could revolutionize today’s classical social sciences in the same way that quantum theory did physics in the 1920s.