Ein junger Mann wird tot auf einem Friedhof aufgefunden. Der Streifenpolizist Dorian Kammer, der an den Tatort gerufen wird, erkennt in dem Toten seinen eigenen, jüngeren Bruder. Den ermittelnden Kollegen eröffnet sich ein seltsames Die Leiche ist zwar durch eine Unzahl von Messerstichen verunstaltet, wurde andererseits jedoch fast liebevoll aufgebahrt. Kommissarin Ina Henkel beginnt ihre Spurensuche bei der Familie des Streifenpolizisten, der mit seinem Bruder bei Pflegeeltern aufgewachsen ist. Die eigentlichen Eltern sind vor Jahren spurlos verschwunden. Besonders die leibliche Mutter scheint in diesen Familienverhältnissen immer noch eine äußerst zwielichte Rolle zu spielen. Verschiedene Spuren führen die Kommissarin zuerst ins Strichermilieu und dann in das Umfeld eines Snuff-Video-Rings. Im Laufe ihrer Ermittlungen setzt sie nach und nach ein Puzzle zusammen, das ihr am Ende eine abgrundtiefe Familientragödie offenbart.
Man braucht ein, zwei Kapitel, um sich an den Schreibstil zu gewöhnen, da er so ungewöhnlich ist. Ich hätte das Buch fast nicht gelesen, weil der Anfang so holprig ist. Ich bin froh, dass ich nicht aufgehört habe.
Das Buch ist ziemlich poetisch geschrieben, man liest die Gedanken und Empfindungen der Protagonisten. Und sie sind so alltäglich wie tiefsinnig. Ich bin beeindruckt von der Fähigkeit der Authorin, sich auszudrücken. Man muss sich allerdings darauf einlassen, dass sich der Stil wie Gedanken liest - oft sprunghaft, nicht immer logisch - so wie es in einem Kopf nunmal aussieht.
Zwischen diesen Ansichtsweisen der Charaktere spielt sich die Geschichte ab. Sie ist dunkel, tiefgründig und kommt ohne Klischees aus. Das hat mir gefallen. Ich konnte nicht schon nach 2/3 des Buches absehen, was genau Sache war. Es sind glaubwürdige, realistische Menschen und Reaktionen, die ich fühlen konnte. Ein bisschen wie der Sterntaucher, der unter die Oberfläche taucht. Man wird irgendwie nicht nur Beobachter, wie bei vielen Büchern, sondern ist mittendrin - wenn man es denn zulässt.
Ich kann nachvollziehen, dass die Kost für einige zu schwer sein mag, ich bin jedoch sehr beeindruckt von der Ausdrucksweise und Feinsinnigkeit. Ich werde das Buch sicherlich nicht so schnell vergessen, wie diverse 0815 Krimis.
Ein Stern Abzug weil ich einige Charaktere wie zB Tom, nicht verstehen konnte/wollte. Was aber nicht heißt, dass sie vielleicht nicht realistisch sind und genau so im Alltag auch vorkommen.