boyle ist bekannt für seine dystopischen, satirischen geschichten, von denen man schneller ein teil von wird, als man das überhaupt merken kann. ein innerliches „hehe“ & „HAT ER NICHT GESAGT“ nach dem anderen - das, wofür ich mich jedes mal wieder kopfüber in ein neues seiner werke stürzen würde, um mich in seiner gesellschaftskritik zu suhlen. lieben wir. bei „als ich heute morgen aufwachte, war alles weg, was ich mal hatte“ handelt es sich um eine sammlung aus kurzgeschichten, alle aus ihren eigenen kleinen dystopischen kosmosen. man könnte meinen - best of all worlds, right? leider irgendwie nein.
die schreibstile und moods der einzelnen geschichten gehen teilweise so weit auseinander, dass man sich kurzzeitig fragt, ob man wirklich noch das selbe buch vom selben autor in der hand hat. der grund dafür ist simpel: es handelt sich hier um ein best-of, ein sammelsurium, das aus kreativer sicht des autors so vermutlich niemals gemeinsam in einem buch auftauchen sollte - man munkelt zumindest & genau so ließt es sich auch.
dafür sind die einzelnen stories - bis auf kleine ausnahmen - wie immer chef‘s kiss. in „torschlusspuder“ suchen einsame männer auf alaska nach einer frau. eine explizit dafür organisierte reisegruppe kommt an und - surprise - das delulu-chaos bricht aus. weil männer. wär hätte es gedacht.
„chicxulub“ vergleicht die sorge um den verlust eines kindes mit einem asteroideneinschlag & das fand ich richtig grandios geschrieben und stellt meinen favoriten des bandes dar. und in „moderne liebe“ - der auftakt des werkes - begegnen wir einer hygiene-paranoia, die hilarious in der nutzung eines ganzkörperkondomes endet.
all in all 8 hervorragende t.c. boyles auf einem haufen, aber irgendwie alle zusammen auf dem falschen haufen. ob ich es dennoch empfehlen kann? vermutlich schon - insbesondere für diejenigen, die einfach mal auschecken wollen, ob boyle was für sie sein könnte. denn gestichelt wird immer, wahrscheinlich auch in deiner wunde.