Jahrzehntelang wurden sie als "Terroristen" verunglimpft und ihre Organisationen als "Hauptfeind der inneren Sicherheit" Kurdinnen und Kurden in Deutschland. Obwohl diese Menschen einst aus ihrer Heimat geflohen sind, um Schutz vor Krieg und Verfolgung zu finden, kriminalisiert der Westen und insbesondere Deutschland fast alle Organisationen der kurdischen Diaspora. Diese Politik wird bis heute mit dem PKK-Verbot von 1993 gerechtfertigt. Jede Bundesregierung, gleich welcher Farbkonstellation, hat diese antikurdische Politik bisher fortgeführt. Erstmals zeigen Alexander Glasner-Hummel, Monika Morres und Kerem Schamberger, mit welch autoritären Methoden Kurdinnen und Kurden hierzulande mundtot gemacht werden. Sie stellen Die Repression gegen die kurdische Bewegung ist ein deutsches Demokratiedefizit.
Anfang des Jahres bekam ich dieses Buch von einer besonderen Person geschenkt. Bis zum 9. Januar hatte ich ungefähr die Hälfte des Buches schon gelesen. Mein Eindruck war: Es ist krass, wie der deutsche Staat mit der kurdischen Community in den Achtzigern und Neunzigern umgegangen ist.
Als jemand, der 2015 nach Deutschland gekommen ist, hat man nur ein Deutschland erlebt, das von den mutigen Kurdinnen schwärmte, die mit ihren schönen Zöpfen und mutigem Lächeln die Barbarei des IS bekämpft und besiegt haben. Für mich war das Buch nichts anderes als eine parteiische Geschichtsstunde, die große Ungerechtigkeiten gegenüber Kurden thematisierte, die aber nicht mehr so stattfinden – zumindest nicht in dieser Form.
Doch am 9. Januar begann die Vollversion der syrischen Terrorregierung gegen genau diese Kurden, und in Deutschland hörte man, wie seit langer Zeit nicht mehr, ein ohrenbetäubendes Schweigen – ein Schweigen, das nur geopolitisch und aus Kalkül heraus geritten ist. Die 10 Jahre des öffentlichen Kuschelns zwischen dem Westen und den Kurden sind vorbei. Früher waren die Kurden egal, weil die Türkei wichtiger war als der Beschützer der Ostflanke der NATO, und seit spätestens Februar 2022 hat die Türkei diese Rolle wieder eingenommen. Gleichzeitig ist Syrien zu einem wichtigen Partner geworden, den man braucht, um massenhaft Syrer abschieben zu können. Ob diese Rechnung voll aufgeht, ist natürlich eine andere Frage.
Deswegen fing ich vor zwei Tagen an, dieses Buch mit anderen Augen zu lesen, nämlich aus den Augen eines enttäuschten Migranten, der meinte, in Deutschland eine neue Heimat gefunden zu haben, zu der man bei allen äußerlichen und auch innerlichen Differenzen am Ende des Tages angehören kann. Denn das war nichts anderes als eine Illusion, die Deutschland und auch ich mir einreden wollten.
Der zweite Durchgang mit dem Buch zeigte mir die Anfänge der Unterdrückung der kurdischen Bewegung in Deutschland und unterstreicht, dass sie bis heute nicht aufgehört hat. Die Kriminalisierung der PKK war historisch und ist auch heute sogar in Zügen zumindest aus der Sicht des deutschen Regierung politisch nachvollziehbar, weil man nichtstaatliche Akteure niemals den Beziehung zu einem wichtigen Partner vorziehen kann. Aber die mediale und politische Blockade gegenüber den Entwicklungen der letzten Wochen kann nur verstanden werden als Ohrfeige an jeden, der an den wertegeleiteten Westen geglaubt hat.
Charles de Gaulle sagte einst "Staaten haben keine Freunde, sondern Interessen. Wer das nicht versteht, hat in der Politik nichts zu suchen". Und aller spätestens seit dem 19. Januar 2026 hat der letzte Kurde einen Platz in der Politik, weil man die Eintrittslektion am eigenen Leib spüren durfte.
Das Buch ist keines, bei dem die einzelnen Erzählungen eine Langlebigkeit in sich tragen, die mir erlaubt, einzelne Zahlen, Fakten und Erzählungen wiederzugeben, wenn ich in ein paar Monaten gefragt werden sollte, was ich mitgenommen habe. Dennoch reicht mir der Gesamteindruck, den ich empfunden habe und an den ich mich erinnern werde, wenn mich jemand fragt, was ich aus diesem Buch mitgenommen habe. Der Ekel, die Enttäuschung und das Gefühl der Machtlosigkeit sind nun mal langlebig.
Das folgende Zitat ist aus dem letzten Kapitel, wo man drei Einzelerzählung aus dem Buch kurz zusammenfasst, die ich hier verewigen will, um auf sie schnell zurückgreifen zu können:
"Am Ende dieses Buches wollen wir an drei Personen, über die wir bereits geschrieben haben, erinnern. Da ist die Geschichte von Muzaffer Ayata, der nach dem Militärputsch von 198o in der Türkei über 20 Jahre in Haft saß, schwer gefoltert und nach seiner Entlassung mit einem lebenslangen Politikverbot belegt wurde. Als Geflüchteter in Deutschland lehnte man seinen Asylantrag zunächst als »offensicht-lich unbegründet« ab. Schließlich betätigte er sich hierzulande als Politiker der prokurdischen HADEP. Doch dafür klagte ihn der deutsche Staat an und verurteilte ihn wegen »Terrorismus« zu dreieinhalb Jahren Haft. Dann ist da die Geschichte von Halim Dener, des unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlings, der 1994 Plakate der ein Jahr zuvor verbotenen ERNK in Hannover klebte. Als eine Streife von SEK-Beamten ihn dabei erwischte, versuchte er zu fliehen. Man schoss ihm in den Rücken und er starb. Der Todesschütze wurde freigesprochen. Niemand übernahm Verantwortung für seinen Tod. Schließlich ist da die Geschichte von Ali Kaya, der als Arbeiterkind aus der Türkei gekommen war und später in Deutschland den Mezo-potamien Verlag leitete. Sein Verlag, der die kurdische Kultur der Welt und die Welt den Kurd:innen näherbringen wollte, wurde verboten. Von der öffentlichen Diskussion waren die von ihm herausgegebenen kurdischen Autor:innen damit ausgeschlossen. Statt zur Völkerverständigung beizutragen, verstauben die Bücher des Verlags heute im Keller einer deutschen Behörde. An diesen drei Biografien verdichtet sich exemplarisch der Titel des vorliegenden Bandes: »Geflohen. Verboten. Ausgeschlossen.«"
Ein sehr gutes Buch, das auch für mich als Kurde an vielen Stellen informativ war. Das Thema war für mich so hochinteressant, dass ich mich zwingen musste, zwischen Autor und Werk zu trennen, weil einer der Autoren in letzter Zeit auf meiner Timeline nur negativ aufgefallen ist – mit Narrativen und Positionen, die ich mir nicht zu eigen machen will.
Viele Erzählungen waren sehr parteiisch, und zwar zugunsten der kurdischen Freiheitsbewegung. Das mag für mich kein Problem sein, weil ich unterscheiden kann, wo Meinung und wo Fakt ist, aber ich kann mir vorstellen, dass ein solches Buch vielleicht nicht geeignet ist für einen Laien ohne Berührungspunkte, der großen Wert auf objektive Darstellung legt. Wobei sich natürlich die Frage stellt, wann eine Erzählung je objektiv genug ist.
Grüße gehen raus an meine Sponsorin für den Kauf dieses Buches, und ich freue mich auf weitere Geschenke.
Die Autor*innen schreiben in ihrem Buch über die vergangene und gegenwärtige Repression der Kurd*innen in Deutschland anhand zahlreicher Beispiele. Sie ordnen das politisch motivierte Verbot der PKK in die geopolitischen Zusammenhänge ein und zeigen auf, wie sich Deutschland und die EU zum langen Arm der autoritären Türkei machen. Im Zuge anhaltender Bombardierungen kurdischer Gebiete durch die Türkei, NATO-Beitrittsverhandlungen von Schweden und von der Türkei geforderten Auslieferungen kurdisch Aktiver und dem 30-jährigen PKK-Verbots ein hochaktuelles Werk. Unterstreichen möchte ich den Appell, die Kurd*innen nicht alleine zu lassen, denn "Repression ist immer dann erfolgreich, wenn es ihr gelingt, die Betroffenen gesellschaftlich zu isolieren."
Wichtiges Buch über die Grenzen der Demokratie in Deutschland und die Unterdrückung der kurdischen Freiheitsbewegung. Hoffentlich gibt es irgendwann eine englische Übersetzung, denn ich glaube, dass sich gerade viele linke Aktivist*innen aus außerhalb Deutschlands sich auch dafür interessieren würden.
Das Buch ist für mich als Kurdin nicht nur eine Lektüre, sondern eine direkte Spiegelung meiner Lebensrealität in Deutschland. Es beschreibt präzise und detailliert, wie die kurdische Diaspora hierzulande systematisch unterdrückt, kriminalisiert und mundtot gemacht wird – Erfahrungen, die ich persönlich in verschiedenen Formen gemacht habe.
Die Fallbeispiele und Analysen im Buch haben mich tief berührt, da sie nicht nur die Mechanismen der Repression aufzeigen, sondern auch den Schmerz und die Herausforderungen, die damit verbunden sind, greifbar machen. Ich sehe dieses Buch als eine wichtige Grundlage, um die Realität von uns Kurd:innen zu verdeutlichen und Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren.
Es ist nicht leicht, eine so komplexe und oft tabuisierte Problematik verständlich und zugänglich darzustellen, doch die Autoren haben genau das geschafft. Sie geben Betroffenen wie mir eine Stimme, ohne dabei in Klischees oder Übertreibungen zu verfallen. Ich finde es besonders wichtig, dass das Buch nicht nur die Repression benennt, sondern auch als Appell dient, für mehr Gerechtigkeit und Meinungsfreiheit einzutreten.
Als Betroffene kann ich dieses Buch jedem ans Herz legen, der die Situation der kurdischen Diaspora in Deutschland verstehen möchte. Es ist ein kraftvolles und aufklärendes Werk, das Augen öffnet und hoffentlich den nötigen Raum für Veränderungen schafft.