Kopenhagen 1925: Ein Mann taucht im Lichtkegel einer Laterne auf, verschwindet wieder im Dunkel und erscheint erneut im Licht der nächsten Laterne. Wo ist er in der Zwischenzeit gewesen? Den Beobachter dieser Szene, Werner Heisenberg, führt sie zur Entwicklung einer Theorie, die im weiteren Verlauf ein völlig neues Weltbild schaffen wird: die Quantenmechanik. Der Mann im Dunkel selbst hingegen weiß nichts von der Rolle, die er bei der Entdeckung neuer physikalischer Gesetze gespielt hat – er versucht, den Verlust seiner Frau zu verarbeiten und seinem Leben eine neue Ausrichtung zu geben. Christian Haller, der diese beiden durch den Zufall verknüpften Lebenslinien weiter erzählt, macht daraus ein hellsichtiges literarisches Vexierspiel über Trauer und Einsamkeit, die Grenzen unserer Erkenntnis und die Frage, wie das Neue in unsere Welt kommt.
Haller studierte Zoologie an der Universität Basel. Er war acht Jahre als Bereichsleiter der „Sozialen Studien“ am Gottlieb Duttweiler Institut tätig und vier Jahre als Dramaturg am Theater Claque in Baden. Von 1994 bis 2000 war er Mitglied der Theaterkommission der Stadt Zürich. Er schrieb seit den 1980er Jahren zahlreiche Erzählungen, Romane sowie einige Bühnenstücke. Einige seiner Werke wurden ins Russische und Rumänische übersetzt. Er ist Kolumnist der Aargauer Zeitung und lebt als freier Autor in Laufenburg.
Ich hab die Geschichte in 1,5h weggesnackt und fands echt eine schöne Lektüre. Haller kann auf jeden Fall schreiben und hat einen guten Sinn für Atmosphäre. Manche Passagen haben mich zum Nachdenken angeregt und mich die ganze Welt hinterfragen lassen, das mag ich. Und ich finds toll, dass auch im 21. Jhd noch erfolgreich Novellen geschrieben werden :) Sarah Elena Müller hätte trotzdem den Schweizer Buchpreis verdient;) Aber no hard feelings, ich gönne es Haller auch.
Schweizer Buchpreis, nominiert. Mich kann dieser Text, der den Titel Novelle trägt, nicht wirklich begeistern. Ich erlebe diese Parallelgeschichte zwischen Betrachter (ein ungenannter Student, es stellt sich allerdings bei der Lektüre heraus, dass es sich wohl um Heisenberg handeln wird) und Betrachtetem (ein Geschichtsprofessor) zu aufgesetzt. Der Student, der den Professor bei einem nächtlichen Spaziergang beobachtet, wie er mal auftaucht, dann wieder verschwindet, dann wieder im Lichtkegel der nächsten Lampe erscheint, wird bei weiteren Überlegungen zu dem Phänomen auf die Unschärferelation stoßen, der Geschichtsprofessor, der Geschichtsprofessor erlebt optische Phänomene, bei denen er etwas sieht, das man eigentlich nicht sehen kann. Tja, daraus kann man durchaus was konstruieren, in absoluter Parallelität der Erzählstränge, aber ob das dann auch preiswürdig wird? Mal sehen.
In schöner Sprache begleiten wir nach einer zufälligen Begegnung zwei Männer für ein paar Tage: der eine, Heisenberg, entdeckt in dieser Zeit die Quantenmechanik. Auch der zweite sieht die Welt wiederholt aus einer anderen Perspektive, was ihm hilft, den Tod seiner Frau zu verarbeiten. Eine hübsche und leise Novelle, die mich trotzdem nicht wirklich zu packen vermochte.
Dies ist der Gewinner des Schweizer Buchpreises 2023. Wie bei vielen Preisträgern war mein erster Eindruck davon eher lau (mit Kim de l'Horizon als Ausnahme), aber davon wollte ich mich dann doch nicht abhalten lassen, das Werk zu lesen.
Es ist meiner Ansicht nach kein schlechtes Werk, konnte mich aber auch nicht vollends überzeugen. Haller zeichnet einige sehr schöne Bilder, der titelgebende Nebel zieht sich quer durch die Handlung. Physisch, aber auch metaphysisch. Auch habe ich einige historische Einsichten gewonnen und durch das Lesen etwas zu lernen finde ich stets erstrebenswert.
Dennoch konnte mich das Buch nicht vollends überzeugen. Das Thema gäbe mehr her als eine Novelle bieten kann. Es ist eine schön erzählte Geschichte, die mit viel Atmosphäre aufwartet, aber ich blieb stets an der Oberfläche. Der Novelle vorzuwerfen, sie hätte zu wenig Tiefe, fühlt sich dennoch falsch an.
Wie so oft ist dieser Titel meiner Meinung nach zu mittelmässig, zu "nur ok", um einen so grossen Preis zu gewinnen, aber daran kranken viele dieser Buchpreise. Obwohl ich versucht habe, meine Vorurteile zurückzuhalten, haben sich einige davon bewahrheitet. Aber nicht alle zum Glück!
Kopenhagen, 1925. Am physikalischen Institut lehrt der berühmte Nils Bohr. 1922 hatte er den Nobelpreis für Physik erhalten. Die Auszeichnung war ihm für die Erforschung des Atoms und seinen „Elementen“, dem positiven Atomkern und den negativ geladenen Elektroden die auf Umlaufbahnen (Schalen mit unterschiedlichen Energieleveln) um ihn herum kreisen (…wie die Planeten um die Sonne…das Universum…das Abbild des Atoms…?...oder das Atom…ein Abbild der Universums…?), vergeben worden. In der Nähe des Instituts sitzt auf einer Bank ein junger Wissenschaftler, sein Mentor ist Nils Bohr, und geht seinen Gedanken nach. Er beobachtet, wie im Lichtschein einer Strassenlaterne plötzlich ein Mann auftaucht, sodann wieder verschwindet, um im Lichtkegel der nächsten Laterne wieder sichtbar zu werden. Der junge Wissenschaftler ist fasziniert. Er ist kein geringerer als Werner Heisenberg und wird als einer der bedeutendsten Physiker des 20.Jahrhunderts in die Geschichte eingehen, und 1933 ebenfalls mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet werden. Heisenberg gilt als Begründer der Quantenmechanik. Das plötzliche Unsichtbarwerden des Mannes geht Heisenberg nicht mehr aus dem Sinn. Seine Gedanken über das temporäre Verschwinden des Mannes lassen ihn nicht mehr los. Gibt es womöglich eine Materie die sich ähnlich verhält? Physikalische Phänomene, die existieren, jedoch bisher unsichtbar waren? Dynamiken und Prozesse, die sich erst in Augenblicken von Messungen zeigen? Die erst dann gefunden werden, wenn man nach ihnen sucht? Heisenberg leidet an schweren Symptomen eines Heuschnupfens und muss Kopenhagen verlassen. Seine Beschwerden sind derart symptomatisch, dass er sich von seinem Mentor nicht verabschieden kann und die Stadt abrupt verlässt. Er reist nach Helgoland, der deutschen Insel in der Nordsee, wo zu dem Zeitpunkt das Klima trocken ist und er auf Besserung seiner Beschwerden hofft. Bei dem Mann im Lichtkegel handelt es sich um den emeritierten Geschichtsprofessor „Helstedt“, der nach einem Besuch bei seinem Freund „Sörensen“, auf dem Weg nach Hause war. In abwechselnden Kapiteln beschreibt „Haller“ die Lebensgeschichten dieser beiden Männer, und verknüpft sie auf raffinierte, wissenschaftliche und literarische Weise miteinander: Auf der Nordseeinsel kann Heisenberg aufgrund des Meeresklimas nun besser atmen. Seine Überlegungen lassen seine Nächte zu Tagen werden. Während seiner Insomnie wendet er alle die ihm bekannten mathematischen Formeln an, um jene unsichtbaren Prozesse zu entdecken, um eine Erklärung für die Phänomene zu finden, die sich in subatomaren Bereichen abspielen. Seine Schlussfolgerungen stellen ihn vor vielen und neuen Rätseln. In einigen Teilen stehen sie im Widerspruch zu den Gesetzen „Newtons“. Heisenberg gelingt es, diese theoretischen Widersprüche zu lösen. Bei seinen ersten Ansätzen hatte er die Gesetze der Thermodynamik nicht beachtet. Doch lösen sich die Nebel langsam auf. Bereits mit seinem Mentor hatte er die Beobachtung gemacht, dass „das, was wir sehen, doch gar nicht die Bahn des Elektrons und auch nicht das Elektron selbst ist, sondern nur der Kondensstreifen, den das Elektron in der Kondenskammer erzeugt, sein muss.“ (Mittlerweile im CERN-Forschungsinstitut in Genf, knapp ein Jahrhundert später, im Jahre 2012 bewiesen. Unter anderem durch den Beweis des „Higgs-Mechanismus“ und dem „Higgs-Boson“, oder auch „Higgs-Teilchen genannt: Elementarteilchen wie z.B. das Elektron erhalten ihre Masse erst durch Wechselwirkung mit dem „Higgs-Feld“. Peter Higgs war ein englischer theoretischer Physiker, der mit dem Nobelpreis 2013 für die Entdeckung des „Higgs-Mechanismus ausgezeichnet wurde.). Damit hatte Heisenberg einen bis dahin unbekannten Prozess entdeckt und festgestellt, dass das Leben, wie die Natur, nicht deterministisch, sondern probabilistisch ist. Nach weiteren Überlegungen (das Gehirn des Menschen ist das Komplexeste, das im Universum existiert. Jeder noch so moderne Supercomputer kann nachgebaut werden. Jede KI kann kopiert werden. [Mit „Deepseek“ haben chinesische Wissenschaftler vor kurzem mit erheblich weniger NVIDIA-kongruenten Prozessoren, „ihre“ Chat-GPT konstruiert. „Deepseek“ stand bzgl. Antwort-Qualitäten und Leveln der westlichen KI in keiner Weise nach.] hatte Heisenberg die physikalischen Rätsel gelöst. Das Gehirn des Menschen wird seit über einhundert Jahren ebenfalls wissenschaftlich erforscht. Seine Prozesse verstehen wir bisher allenfalls im Ansatz. Wir haben weiterhin keine Erklärungen dafür, wie z.B. Erinnerung gespeichert und abgerufen wird, oder neurologische Erkrankungen wie die Alzheimer-Erkrankung oder Multiple Sklerose kausal zu therapieren wären. Zwar sind Teil-Prozesse der Pathologien bekannt, jedoch fehlen die Therapie-Schlüssel um die übermässigen Proteinablagerungen im Gehirn im Falle von Alzheimer zu vermeiden.). Nach Neuberechnung mit Einhaltung des Energiesatzes hatte „Heisenberg“ seine berühmte „Unschärferelation“entdeckt und augenblicklich war ihm bewusst geworden, dass er eine „neue“ Physik begründet hatte. Diese würde nicht im Widerspruch zu „Newtons“ Gesetzen der Mechanik stehen, jedoch der Welt das Verständnis für eine andere, tiefere Dimension der Physik ebnen. Auf diesen neuen Ebenen wird aktuell versucht, die „Stringtheorie“ zu erklären. Warum ist das wichtig? Möglicherweise aus dem Grund, als wir durch Verknüpfungen der Quantenmechanik mit der Quantenphysik ein Standard-, oder physikalisches Basismodell schaffen würden die eine übergeordnete Harmonie beinhaltet und Gesetzmässigkeiten und -Abfolgen nachvollziehbar erklärt (…zumindest für diejenigen, die an Beweisen interessiert sind und an Wahrheit und nicht an Hokuspokus glauben). Eine Harmonie in dem Sinne, als sich durch Verknüpfungen jene Logik ergäbe, die als Konsequenz, unser Dasein und unsere Funktionen erklärt: Es wäre die Formel des Lebens. Jede Religion würde sich damit auf der Stelle und sofort erübrigen und entweder überflüssig werden, oder nur zu einem einzigen Glauben führen. Zu einem einzigen Gott. […was den Menschen wohl danach einfiele, um die Armen zu unterdrücken, auszubeuten und zu töten?. Ich hatte es vergessen. Es blieben immer noch Vorurteile und unterschiedliche Hautfarben übrig.] Zurück aufs Festland, teilt Heisenberg seinem Mentor seine Erkenntnisse mit. Nach initialen Kontroversen und Diskursen werden „Heisenbergs“ Thesen bestätigt. Ihm verdanken wir die Kultur der modernen Physik-Wissenschaft. Die aktuellste Theorie zu dem Themenkomplex nennt sich „Superstringtheorie“. Sie ersetzt Elementarteilchen durch „Strings“ (englisch: „Fäden“) die Raum und Zeit ausmachen und erklären sollen. Zurück zu raffinierten Verknüpfung von der ich sprach: Der Autor erzählt vom Leben des einsamen Geschichtsprofessors, der nach dem Tod seiner Frau, regelmässig seinen Freund „Sörensen“ besucht um mit ihm, bei zu viel Wein und Leiden der Gicht, existentielle Fragen des Lebens zu diskutieren. Doch weder „Sörensen“, noch seine kleine Liebschaft, obwohl Wissenschaftlerin, die Dame ist eine berentete Augenärztin, können „Helstedts“ Beobachtungen nachvollziehen. „Haller“ lässt seinen zweiten Protagonisten, den Geschichtsprofessor, die Entdeckungen „Heisenbergs“, durch dessen Augen sichtbar werden. Dieser sitzt einmal in seinem Garten, ein anderes Mal in einem Park. Dabei macht er sonderbare Beobachtungen. Er sieht Blumen und Vögel, Bäume und Wolken, sich selbst und den Raum. Jedoch sieht er die Umgebung mit den Dingen nicht als in sich geschlossene oder feste Substanzen oder Lebewesen, sondern als durchsichtige Materie. Ihm zeigt sich die andere Dimension der Wirklichkeit. Materie als durchsichtige Substanz, mit bläulichen Funken durchzogen, aufgelöst und freischwebend in der Welt, in Wechselwirkung zueinander, eine energetische Bewegung, verschmolzen in Raum und Zeit, als Mischung und als Teil eines durchsichtigen Ganzen. Ein noch nie erlebtes Glücksgefühl durchströmt ihn: „Für den Bruchteil einer Sekunde verstand er, dass es sein Ich nicht gab, er als isoliertes Individuum nicht existierte.“ Es ist die Sicht auf Atomen und Quanten die sich ihm zu erkennen gibt (...oder sieht er die "Strings?"). Der Geschichtsprofessor sieht und begreift die neue Physik Heisenbergs mit eigenen Augen.
Christian Haller erhielt 2006 den Aargauer Literaturpreis, wurde 2015 mit dem Aargauer Kunstpreis ausgezeichnet, und erhielt für diese Novelle den Schweizer Buchpreis 2023. Eine grossartige Novelle mit wissenschaftlichem Tiefgang. Literarisch nicht minder stark. Ein Meisterwerk und super empfehlenswert.
(Hundert Jahre nach Heisenbergs Entdeckungen wählt Dummheit Dummheit. Dummheit, die Newton für eine Bananensorte hält, Wissenschaft und freies Denken verbietet, und Menschen auszubürgern und zu deportieren beabsichtigt. Dummheit mit Lese- und Schreiblevel einer 6.Klasse mit Minderwertigkeitskomplexen gegenüber den Ärmsten der Welt. Dummheit, die Kriege verteidigt und zulässt. Kriege, in denen Kindern, Arme oder Beine amputiert werden, weil es keine Krankenhäuser mehr gibt.) The death of human empathy is one of the earliest and most telling signs of a culture about to fall into barbarism. “Hannah Arendt” [Historikerin und Journalistin. In meinen Augen eine grosse Heldin. Wie „Arundhati Roy“.]
„Der junge Wissenschaftler spürte, dass diese konkrete und anschauliche Beobachtung in einer Verbindung zu den besprochenen theoretischen Problemen stand. Von welcher Art diese war, blieb ihm unklar, und er war auch zu müde, um weiter darüber nachzudenken.“ (Zitat Seite 8)
Inhalt Im Frühjahr 1925 beobachtet der junge deutsche Physiker Werner Heisenberg, Gastdozent am Kopenhagener Physik-Institut, zu später Stunde im Faelledparken interessiert eine schattenhafte Gestalt. Ein Mann, der im Lichtkreis der Straßenlaterne auftaucht, dann unsichtbar im Dunkel verschwindet und kurz darauf im nächsten Lichtkreis wieder auftaucht. Die Gedanken des Wissenschaftlers beginnen um die Wahrscheinlichkeit des Auftauchens im nächsten Lichtkreis zu kreisen. Noch ahnt er nur vage, dass diese Beobachtung kurz darauf, während eines Aufenthaltes auf Helgoland, eine wichtige Rolle bei der Entwicklung seiner Quantentheorie spielen wird. Der einsame Spaziergänger dagegen ahnt nichts von seinem Beobachter. Helstedt ist ein emeritierter Professor für Geschichte, und sein Leben ist von Trauer, Einsamkeit und Erinnerungen geprägt.
Thema und Genre In dieser Novelle geht es um die Fragen des Lebens, um Verlust, Trauer, Alter, Einsamkeit, um Quantenphysik, Philosophie. Ein Thema sind die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung, verbunden mit der Frage, ob wirklich nur existiert, was man auch mit Worten beschreiben kann.
Charaktere Die beiden Hauptfiguren, den jungen Wissenschaftler Heisenberg und den Geschichtsprofessor im Ruhestand, verbinden zwei Dinge, eine kurze, zufällige Begegnung, die allerdings nur von Heisenberg wahrgenommen wird, und die persönliche Einsamkeit. Doch während sich diese bei Helstedt durch die Trauer über den Tod seiner Ehefrau nach dreißig gemeinsamen Ehejahren ergibt, sucht Heisenberg die Einsamkeit der Natur auf der Insel Helgoland, um in Ruhe über seine physikalischen Fragen im Zusammenhang mit dem Atommodell nachzudenken.
Erzählform und Sprache Es sind zwei unterschiedliche Lebenswege und Schicksale, die in dieser Novelle abwechselnd erzählt werden und die Christian Haller durch eine kurze Momentaufnahme, eine zufällige und unbewusste Begegnung, verbindet. Doch dieser Moment hat Auswirkungen auf beide Männer, denn auch in Helstedts Leben bahnen sich Veränderungen an. Die klare, genau beobachtende Sprache vertieft die besondere Art dieser Geschichte.
Fazit Eine dichte, komplexe Geschichte auf verhältnismäßig wenigen Seiten, die gerade deshalb fasziniert und viel Platz für eigene Überlegungen lässt.
Beim Aufstieg hatte sich der Nebel immer dichter um unseren enger werdenden Pfad geschlossen.... 𝑾𝒆𝒓𝒏𝒆𝒓 𝑯𝒆𝒊𝒔𝒆𝒏𝒃𝒆𝒓𝒈 'Der Teil und das Ganze' ----- Im Frühjahr 1925 beeilte sich Helstedt, von einem Besuch bei seinem Freund Sörensen nach Hause zu kommen. Es war spät und kühl geworden. Der Nebel trieb vom Meer herein, die Straßenlaternen warfen trübe Lichtkreise auf den Weg, und der betagte Herr mit Hut und Mantel ahnte nicht, dass er am Eingang des Fælledparks von einem jungen Deutschen beobachtet wurde. Dieser junge Mann war Privatdozent und Gast am Kopenhagener Physikinstitut. Nach Stunden intensiver Diskussionen über das Atommodell seines Mentors hatte er sich auf eine Bank hinter dem Institut gesetzt. 💜
So beginnt die Novelle. Es handelt sich um ein gelungenes Werk, das den Schweizer Buchpreis 2023 gewonnen hat.🇨🇭
In der Geschichte geht es um zwei Personen: Helstedt, ein einsamer, verwitweter Mann, der wöchentlich seinen Freund Sörensen besucht, um trotz häufiger Meinungsverschiedenheiten und Streitigkeiten mit ihm zu diskutieren. Ihre Freundschaft bleibt dennoch bestehen. Helstedt kämpft mit seiner Einsamkeit und versucht, seinen Alltag zu meistern. Parallel dazu erleben wir die Welt der Physik durch die Augen eines jungen Wissenschaftlers, der an Werner Heisenberg erinnert.📚
Die Geschichten dieser beiden Personen werden in abwechselnden Kapiteln erzählt. Die Kapitel sind sehr kurz, sodass man schnell vorankommt, obwohl ich mir viel Zeit genommen habe, um das Buch zu lesen und die Worte zu geniessen.
Die Novelle ist poetisch geschrieben, mit einer wundervollen Wortwahl und einem angenehmen Schreibstil. Die Zusammenstellung der Worte ist genial, und ich mag diese Geschichte und den Schreibstil sehr. Ich könnte das Buch gleich noch einmal lesen. ----- Mein Gesamteindruck: 5⭐ Protagonisten:innen: 5⭐ Spannung: 3⭐ Geschichte: 4.5⭐ Cover: 4⭐ Schreibstil: 5⭐
This is not a real review, just some thoughts I like to write down. Das ist keine richtige Bewertung, nur ein paar Gedanken, die ich aufschreiben wollte.
Leider konnte ich dem Buch, vor allem aus Perönslichen Gründen, nicht viel abgewinnen. Von den zwei Perspektiven gefällt mir eine besser als die Andere, was das Lesen zu einem Auf-und-Ab macht. Für Helstedt, dessen Sicht sich eher zu verdichten scheint, der am Ende sein tote Frau wiedersieht, die eben nicht komplett von dieser Welt verschwunden ist. Eine unscharfe Transzendez, von welcher er in die scharfe Wirklichkeit blickt, die wiederum durch Heisenberg auch nicht scharf definiert ist. Dieses Hin und Her zwischen zwei Bereichen, die beide eine Unschärfe innehalten ist gelungen. Leider kann ich, vielleicht altersbedingt, dem Thema In den Tod treten, Alt werden, Leben danach etc. nicht viel abgewinnen, es interessiert mich schlicht zu wenig. Ich finde es prachlich auch zu gelassen, schon fast ans Langweilige grenzend. Das Ungesagte, Poetisch, bringt dieses Buch gut rüber, aber die Sprache passt für mich nicht dazu. Thematisch nicht meins, Plot zu wenig, sprachlich zu wenig...
Ich hatte mühe, in die Geschichte reinzukommen. Erst beim dritten Mal bin ich übers dritte Kapital hinausgekommen. Obwohl ich im Vorhinein nichts übers Buch wusste, wurde es im ersten Kapital klar, dass es hier um Quantenphysik ging, als die Gedanken vom “Beobachter/jungen Wissenschaftler” es deutlich gemacht haben, worum es hier ging (wenn jemand nicht sichtbar ist, bedeutet dies, dass er nicht da ist - sic). Ein etwas holpriger Anfang.
Mitten in der Geschichte habe ich jedoch die Analogien zwischen Helstedt und dem Beobachter gesehen und immer mehr geschätzt - ebenso wie einige Ausführungen wie z.B. wie schwierig es ist, Wissen loszulassen, das man sich hart erlernt hat und für richtig hält. Immer wieder haben Beschreibungen des Beobachtens und des Verlusts von einem Partner räsoniert - echte soziale Beziehungen gibt's in diesem Buch nicht - und die Isolation und Einsamkeit ist glaubwürdig und schön beschrieben.
Ich bin in Kopenhagen aufgewachsen und ausser ein paar Namen, haben mir Hinweise gefehlt, dass die Geschichte (teilweise) in Dänemark spielt.
Richtig gut. Handelt mitunter davon, Gewohntes gehen zu lassen, ohne dass das Gehengelassene an Bedeutung verliert – sei es in Trauer oder in (physikalischen) Theorien. Vom Mut, aus dem Alltag auszubrechen, die Gedanken ruhen zu lassen, ehe sich man mit neuen Kräften alten Problemen widmet – und diese damit dann erst richtig lösen kann. Vom Mut, wieder auszuprobieren. Und davon, dass man Umstände nur versteht, wenn man sie in Verbindung mit allem anderen anschaut, anstatt sie (und sich selbst) zu isolieren.
Eine wunderbare Geschichte, welche Sehr gut verständlich erklärt worum es bei der Quantenphysik geht, ohne unnötig Wissenschaftliches drum rum… schade, dass das Buch nicht viel dicker ist; es ist sehr schön zu lesen… feine, detailliert ausgearbeitete Charaktere & Ereignisse
Wunderschön geschriebene leise poetische kluge Novelle über die Unschärfen des Lebens, die Grenze zum Tod, die Macht der Erkenntnis und des Wortes. Ein existenzielles Buch. Sprachlich brillant.
Weder besonders gut noch besonders schlecht. Eine feine Novelle, ohne grosses Spektakel. Gut erzählt, teilweise etwas überkomplizierte Erzählweise. Wer sich (wie ich) wegen des Klappentextes eine wirkliche Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Trauer erhofft, kommt hier nicht auf seine Kosten.
Alles in allem war die Novelle in Ordnung, konnte mich aber leider nicht wirklich packen.
Diese Novelle fand ich nicht schlecht, aber auch nicht gut. Die Sprache und Beschreibungen waren schön, aber als ich das Buch fertig hatte, fühlte ich mich so, als hätte ich ganz viel Nichts gelesen. Es gibt sicherlich andere Bücher, die den Schweizer Buchpreis etwas mehr verdient hätten.