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Warum Krieg?: Zur Aktualität des Briefwechsels von Einstein und Freud (Wiener Vorlesungen 209)

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Im Juli 1932 fragt Einstein in einem offenen Brief an Freud, wie man die Menschheit »den Psychosen des Hasses und des Vernichtens gegenüber widerstandsfähiger« machen könnte. In seiner Antwort zieht Freud die Bilanz seiner Kulturanalyse. Nur durch Hemmung des Aggressions- und Destruktionstriebs könne Friede gestiftet werden, kein »ewiger« allerdings, da die erreichte Triebumbildung so leicht außer Kraft gesetzt werden könne. In diesem Dialog zwischen Freud und Einstein werden Fragen gestellt, die heute aktueller denn je sind. Kann der Pazifismus in Krisenzeiten den Krieg verhüten? Freud geht davon aus, dass der Kulturprozess »gegen den Krieg arbeitet«. Galt aber die Kriegstüchtigkeit nicht immer wieder als hoher Kulturwert? Und warum gehen Einstein und Freud über die Frage des »gerechten« Verteidigungskriegs so rasch hinweg?

74 pages, Kindle Edition

Published October 24, 2023

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Jacques Le Rider

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Profile Image for Maria-Anna Gleirscher.
14 reviews
February 17, 2026
Inhaltlich brillant, aber eine echte intellektuelle Herausforderung.

Anspruch vs. Format: Obwohl das Buch auf einem Vortrag basiert, was eigentlich auf eine gute Fassbarkeit hoffen lässt, ist die Sprache extrem dicht. Der Lesefluss war für mich schwierig, da die Nachvollziehbarkeit in krassem Gegensatz zur Erwartung an eine „Vorlesung“ steht – man muss sich hier wirklich jeden Satz hart erarbeiten.

Einsteins Wandel - Vom Pazifisten zum Realisten: Inhaltlich bietet der Text faszinierende Einblicke in Einsteins moralische Dilemmata. Besonders spannend ist sein Wandel vom radikalen Pazifisten zum Befürworter einer internationalen militärischen Verteidigungskraft. Le Rider stellt klar, dass Einsteins Anstoß zur nuklearen Forschung eine reine Defensivstrategie war: Getrieben von der existenziellen Angst, Nazi-Deutschland könne diesen technologischen Vorsprung zuerst erlangen, wollte er einem atomaren Monopol Hitlers zuvorkommen. Dass er diesen Schritt später als seinen „größten Fehler“ bezeichnete, unterstreicht die Tragik seiner Entscheidung.

Der Dialog der Giganten - Physik trifft Psychologie: Besonders reizvoll ist die Begegnung zweier Koryphäen, die das Weltbild ihrer Zeit aus völlig unterschiedlichen Richtungen prägten: der eine aus der Physik, der andere aus der Psychologie. Während Einstein nach organisatorischen und technischen Lösungen für den Frieden suchte, begegnete Freud ihm mit tiefer Skepsis. Freud argumentierte, dass der Krieg im menschlichen „Todestrieb“ wurzle – eine pessimistische Sichtweise, die besagt, dass Aggression ein fester Bestandteil unserer Natur ist, der sich nie völlig eliminieren, sondern nur mühsam kulturell bändigen lässt.

Fazit: Ein tiefgründiges Werk, das Geduld erfordert. Es zeigt eindrucksvoll, wie zwei der größten Denker der Geschichte an der Realität des Krieges rangen. Wer sich für die moralischen Grauzonen zwischen Pazifismus und notwendiger Verteidigung interessiert, sollte die Mühe des Lesens auf sich nehmen.
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