Nichts erscheint so sicher wie der Unterschied zwischen den Geschlechtern. Die Verunsicherung ist daher groß, wenn der langjährige Kollege Müller ab sofort als »Frau Müller« angesprochen werden möchte. Und was tun, wenn der eigene Sohn auf einmal sagt, er sei eine Frau? Wie erklärt man seinen Kindern, dass Mama jetzt plötzlich Papa ist? Der Psychotherapeut Udo Rauchfleisch hilft Angehörigen, Freund:innen, Kolleg:innen und Vorgesetzten von Transgendern, das Phänomen Transidentität zu verstehen und trans Menschen ohne Berührungsängsten zu begegnen.
Ich lasse hier mal von einer Sterne-Bewertung ab, da ich die fachlichen Hintergründe nicht bewerten kann. Geschrieben ist das Buch ordentlich, präzise, aber verständlich. Jedenfalls zum größten Teil. Einzelne Absätze waren so mit Fachwörtern gespickt, dass ich Probleme hatte und mehrfach lesen musste. Aber der Großteil ist gut verständlich und einige Punkte sind echt wertvoll. Der Autor geht aber gefühlt davon aus, dass man nicht gar nichts weiß und dass man Probleme mit dem Coming-out einer Person im Umfeld hat. Außerdem sind viele der Ratschläge für den Moment des Coming-outs. Das ist keine Kritik, nur ein Hinweis für zukünftige Lesende.
Entgegen allem, was der absolut dämliche Titel vermuten lässt, ist dies kein Buch für Grundschüler, sondern für (erwachsene) Menschen aus dem Umfeld von Transpersonen. Ich hab es für meine Familie gekauft, inwiefern es hilfreich ist, wird sich zeigen. Der Autor geht auf unterschiedliche Beziehungen ein (d.h. jeweils die Eltern, Kinder, Partner, Arbeitskollegen von Transpersonen) und gibt Ratschläge, wie die jeweilige Nicht-Transperson mit der Situation umgehen kann. Für mein Verständnis geht der Autor sehr respektvoll mit der Materie um, erklärt die Sachverhalte gut und addressiert insbesondere die Sorgen und Gedanken der Angehörigen/des Umfeldes.
Der einzige Kritikpunkt ist, dass die Beispiele unterschiedlicher sein könnten - z. B. beziehen sich alle Beispiele, in denen es um verheiratete Paare mit Kindern geht (immerhin 4 oder 5) auf Transfrauen, dabei fände ich es gerade wichtig, auch besonders auf die Beziehung von leiblicher Mutter/Transmann zu seinem Kind einzugehen.
Udo Rauchfleisch war einer der Ersten, die sich für die Entpathologisierung von Trans Menschen einsetzte und kann aus gutem Grunde als Referenz im Bereich beschrieben werden, blickt er doch auf über 50 Jahre Erfahrung im Coachen von Trans Menschen und deren Familien/Freunden zurück.
Dieses Buch braucht es definitiv; gab es sogar schon mal, wurde jetzt aber völlig neu überarbeitet und erhielt sogar eine neue ISBN. Somit sind wir Lesenden auf dem aktuellsten Stand der Dinge, was man dem Buch auch anmerkt.
Rauchfleisch wendet sich hier klar an die Menschen, die erfahren haben, dass jemand in ihrem Umfeld sich als trans geoutet hat. Er erklärt die Umstände, gibt Hilfestellungen und erzählt anhand von Geschichten (stark abgeändert, jedoch aus seiner Erfahrung schöpfend), wie Menschen mit der neuen Situation umgehen.
Mit viel Geduld und Verständnis erklärt der Autor die Situation und schafft dadurch eine Atmosphäre, in denen sich Freunde und Familie der eigenen Lage und jener der trans Person bewusst werden. Auf diese Weise hilft dieses Buch, Ängste und Unsicherheiten zu beseitigen, sodass gar kein Boden für Hass und Abweisung entstehen kann.
Deshalb hoffe ich sehr, dass viele Bibliotheken dieses Werk in ihren Bestand aufnehmen, ist es doch in dieser Art auf dem deutschen Markt praktisch einzigartig. Auch ist das Buch sehr einfach geschrieben, sodass auch Weniglesende nicht überfordert werden. Sie könnten sich sogar auch nur die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels ansehen, um sich weiterzubilden.
Für mich persönlich hätte ich mir noch mehr aktive Hilfestellungen im Alltag gewünscht. Was tun, wenn meine geliebte Person angefeindet wird? Wie kann ich diesem Menschen aktiv beistehen? Jedoch sind diese Frage wohl schon ein Schritt über die Zielgruppe des Buches hinaus und ich hoffe, dass es vielleicht irgendwann auch einen Ratgeber gibt, welcher das Thema noch vertieft.
Guter erster Ratgeber für Partner*innen, Verwandte, Kolleg*innen, ... von Transmenschen Dieses Einführingsbuch erklärt das Phänomen des Transseins bzw. der „Transidentität“ und wie der nächste nicht Trans-, d.h. Cis-, Mensch damit umgeht. Die Gefühle und Emotionen, die das Coming-out einer Transperson hervorrufen, werden vorgelegt: Als Ehepartner*in, Elternteil, Freund*in usw. des Transmenschen durchläuft man ein ähnliches Coming-out wie die Transperson selbst. Darüber hinaus werden die Gründe für Transfeindlichkeit erklärt: Die Existenz von Transmenschen stellt „die in unserer Gesellschaft als selbstverständlich geltende Zweigeschlechtlichkeit und die traditionellen Rollen von Frau und Mann in Frage, was besonders bei Männern mit patriarchalen Rollenvorstellungen Ablehnung hervorruft“.
Nur ein Manko: Der Ratgeber vermittelt eine sehr binäre Vorstellung der Geschlechter, man ist entweder 100% Frau oder 100% Mann, was erheblich zur Festigung von Geschlechterstereotypen beiträgt.