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Gottes grausamer Spaß? Heinrich Heines Leben mit der Katastrophe.

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"Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" -- Dies sind einige der Jesus zugeschriebenen letzten Worte am Kreuz, aber in erster Linie ist es der Beginn von Psalm 22, dem Sterbegebet der Juden. Und für Gläubige wie Renegaten gleichermaßen sind sie Ausdruck tiefster Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit angesichts der Katastrophen ihres Lebens. Katastrophen wie Heinrich Heine sie in seiner letzten Lebensphase (1848-1856) durchleiden musste und dabei doch schon vor langer Zeit dem Gott seiner Eltern und dem selbst gewählten Gott abgeschworen hatte. "Wie Heine unter den Bedingungen von Krankheit, Sterben und Todeserfahrung sowie unter dem Eindruck politischer Hoffnungen seine Beziehung zu Gott neu gestaltete", dem ist Karl-Josef Kuschel in Gottes grausamer Spaß? anhand des Gesamtwerkes Heines kritisch, akribisch und mit viel Menschlichkeit nachgegangen. Heinrich Heine (1797-1856) trat 1825, im Jahr seiner Promotion in Jura, vom jüdischen Glauben zum Christentum über, nachdem er bereits als Kind und Jugendlicher versucht hatte, sein Judentum zu verbergen. Umso erstaunlicher mag daher seine Rückkehr zum Gott der hebräischen Bibel anmuten, seit er 1848, nachdem er bereits in jungen Jahren eine angegriffene Gesundheit gehabt hatte, an einem unheilbaren Rückenmarksleiden erkrankte und 1856 nach qualvollen Jahren starb. Zeit seines Lebens hatte Heine mit Gott gehadert, ihn der Menschenquälerei angeklagt, gegen ihn rebelliert, mit ätzendem Spott und spitzer Feder aufgeschrien, getrauert, war mit seinen Fragen allein geblieben, und hatte doch immer Bezug genommen auf Gott und die Bibel, hatte sich nie wirklich gelöst aus dieser Beziehung, gleich welcher Art die Tiefschläge, Enttäuschungen und der Zorn auch gewesen waren. Dieses Hadern mit Gott zieht sich wie ein roter Faden durch sein gesamtes Werk, sein Spätwerk ab 1848 ist maßgeblich davon geprägt. Genau an dieser Stelle setzt Kuschel mit seiner Untersuchung an, die gleichermaßen für Theologen und Germanisten nicht nur interessante neue Einblicke in Leben und Werk von Heinrich Heine bietet, sondern auch auf höchstem Reflexionsniveau die ehrliche und genauso gegen sich selbst schonungslose Auseinandersetzung Heines mit seinem Gott und Glauben konzise und klarsichtig nachzeichnet. Seine Werke aus dieser schwersten Phase zeugen von dem inneren Kampf, von dem Herzblut, das er in diesem inneren Kampf gelassen hat, sowie von seiner Erkenntnis, ohne diesen Gott nicht und mit diesem nur schwer leben zu können. Ob er wirklich Frieden geschlossen hat mit seinem Gott, bleibt die Frage, "Kein Rabbi, kein Pastor, kein Priester durfte ihn begleiten." Zahlreiche Zitate aus Heines Texten, Anmerkungen und ein thematisch ausgewähltes Literaturverzeichnis machen Gottes grausamer Spaß? zu einem theologischen wie literarischen Leseerlebnis. Leider wurde dem Band weder ein Register noch ein Textstellenverzeichnis beigegeben, was für eine nähere Beschäftigung lästig ist. --Osseline Kind

Hardcover

Published February 1, 2002

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Karl-Josef Kuschel

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