Gerechtigkeit ist das Ziel, doch mit wem ist dieses zu erreichen? Es handelt sich dabei keineswegs um eine Randfrage, die neben den angeblich zentralen politischen Diskussionen gestellt wird, sondern um ein explizit politisches Thema, das im Zentrum einer jeden sozialen Bewegung steht.
Es lohnt sich hier über einen anderen Begriff der politischen Praxis Freund*innenschaft, meist ins Private verdonnert und aus dem politischen Terrain verdammt. Dabei sind Freund*innenschaften genuin politische Beziehungen, deren grundlegende Charakteristika unseren Blick auf die Welt transformieren.
In Zeiten multipler Krisen und wachsender globaler Ungleichheiten, verfolgt dieser Essay bereits bestehende Theorien zur Freund*innenschaft, um diese anschließend für einen Begriff der Freund*innenschaft als politische Praxis produktiv zu machen.
Naja. Das einzige, was diesen Essay rettet, ist der Teil im dritten Kapitel, der sich auf Foucaults Aussagen zu Freund*innenschaft bezieht. Dort scheint der Text einigermassen kohärent zu sein. Ansonsten wirkt es, als wären die 85 Seiten zu einem grossen Teil an einem Stück geschrieben und nicht noch einmal überarbeitet worden. Im Text finden sich viele Grammatikfehler, Sätze ergeben teilweise keinen Sinn. Viele Aussagen wirken, als wären sie den Autorinnen während des Schreibens in den Sinn gekommen, und dann wurden sie einfach irgendwo in den Text gesetzt. Und m.E. wird der Genderstern durch Konstruktionen wie „Frauen*“ völlig bedeutungslos und zu reinem virtue signalling - vor allem, weil die Autorinnen es nicht schaffen, über Judith Butler mit Butlers präferierten Pronomen zu schreiben. Wäre meines Erachtens wichtiger, als hinter jedes Frauen, Männer, und Mädchen einen Stern zu hängen (obwohl meist halt dann trotzdem nur Frauen, Männer oder Mädchen gemeint sind). Fazit: eher qualvoll zu Ende gelesen. Nicht viel Neues dabei. Aber viele grosse Autor*innen zitiert - das ist ja grossartig :-)
u hermannplatz bis altstadt spandau eher ein überblick über verschiedene ansätze als eine vertiefte auseinandersetzung, hat mir wegen des themas und der bedeutung von freund*innen für mich natürlich trotzdem gefallen. und bisschen kitsch über die kraft der freundschaft auch immer schön.
Dem Buch ist leider schwer zu folgen. Das liegt mitunter an unterstellten Prämissen (es geht um Gerechtigkeit), der Seminarsprache (Verwendung von Konzepten und Verweisen auf andere Autoren ohne weitere Erklärung, was den Gedanken jedoch auch bei Nachlesen nicht erhellt...), einem nicht ausreichendem Verständnis von Demokratie und Kapitalismus (nur im Nachwort war ein Querverweis auf mark fisher zu finden, ansonsten war immer die Rede von "Klassenunterdrückung", aber trotzdem hinge wohl alles mystischerweise mit dem Kapitalismus zusammen...), und leider auch den vielen Grammatik und Verweisfehlern.
Die letzte Ausführung zum "Dreiklang", wobei ich gerne gewusst hätte, wie man darauf kommt, war dann wieder besser zu lesen und ich konnte sogar ein paar Gedanken mitnehmen.
„Freund*innenschaften sind ein Abenteuer: Sie beginnen zumeist unverhofft und können auch unverhofft enden. Doch sie tragen in sich die Hoffnung, der jede auch noch so kleine politische Revolte bedarf: die Hoffnung auf ein anderes, besseres Leben.“
eines der schönsten und wärmsten sachbücher, die ich seit langem gelesen habe, über das glück, freund*innen zu haben und die transformative kraft, die in diesen freund*innenschaften steckt. wie eine kleine, hoffnungsvolle, aber nicht zu sozial-kitschige umarmung. hat mir sehr gut gefallen!
Guter Essay mit guten Ansätzen, der keinen Anspruch auf Vollständigkeit hat, aber gleichzeitig viele Fragen aufwirft oder nicht behandelt - was schade ist. meines Erachten wurden Limits der Freund*innenschaft fast vollständig außer Acht gelassen, wodurch es sich in einer "Idealvorstllung" bewegt, die im der Praxis so nur schwer umsetzbar zu sein scheint