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Thomas Bernhard und seine Lebensmenschen. Der Nachlaß.

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this issue also contains papers on Janice Galloway, Robert Steiner, and Elizabeth Bowen, for sale is the entire issue, very good

208 pages, Paperback

First published July 1, 2002

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Martin Huber

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Profile Image for Klaus Mattes.
854 reviews16 followers
January 14, 2025
Für den allgemeinen Buchhandel dann ein kartoniertes Suhrkamp-Fotobuch, aber ursprünglich war es der Katalog zu einer Oberösterreichischen Literatur-Ausstellung. Naturgemäß sind an der Zusammenstellung von alten Fotos aus dem Familienalbum und zum Teil ziemlich radikal redigierten Manuskriptseiten aus Thomas Bernhards alter mechanischer Schreibmaschine auch mal wieder der österreichische Literaturprofessor, Werke-Mitherausgeber, Bernhard-Biograf Manfred Mittermayer sowie Peter Fabjan, Arzt und jüngerer Halbbruder des unverheirateten Schriftstellers, beteiligt gewesen.

Man schuf drei Blöcke um drei Hauptpersonen herum: Johannes Freumbichler, der weitgehend erfolglose Schriftsteller-Großvater, der den jungen Thomas unerbittlich auf „Genie“ geeicht hat, von diesem später als Zirkusartist Caribaldi in dem Drama „Die Macht der Gewohnheit“ karikiert.

Hedwig Stavianicek, immer sehr gut versorgte höhere Tochter in Wien. Die Halb-Jüdin hatte aus dem Vermögen einer Schokoladenfabrik geerbt. Sie lernte den 20-jährigen Bernhard anlässlich von dessen Lungenkur im winterlichen Pongau kennen, war da schon nahezu 40 Jahre älter als die junge Waise und alleinstehend, ohne Mann und Kinder, woran sich eine etwa 30-jährige enge Partnerschaft anschloss, von der niemand so recht weiß, was es eigentlich war: Liebe, Mäzenatentum, Freundschaft, Ersatz-Mutterschaft, Hexerei? Jedenfalls wohnte Bernhard, eigentlich arbeitslos bzw. jahrelang angehender Künstler ohne Einnahmen, einige Jahre in ihrer gar nicht so großen Wohnung und bekam sein Essen von „Tante Hede“ bezahlt. Auch für Kauf und Herrichtung seines ersten alten Bauernhofs im Traungau steuerte sie mehrere Summen bei, wobei meistens nur von jenem einen Wahnsinnsbetrag die Rede ist, den Bernhard als zinsloses Darlehen vom Verleger Siegfried Unseld „erpresste“, wie er schreibt.

Und der dritte, abschließende Held des Werks ist Thomas Bernhard selbst, vor allem als Junger. Und man staunt, wie hübsch er, blutjung, noch war und wie krachledern und kurz behost er später mit Wampe, Wimmerln im Gesicht und ausgehendem Haar sich doch ungewohnt vergnügt umtun konnte. Einige Buchkritiker, die man bei „Perlentaucher“ immer noch nachlesen kann, warfen dem Buch seine mangelnde Distanz, gar Leichenfledderei und pietätlosen Voyeurismus fürs Private vor. Genau das mochte ich jedoch sehr: einer, der sich allenthalben selbst stilisiert und seine Erben dazu vergattert hat, ihn als hehres Genie immerdar zu preisen, steht hier als normal Sterblicher in Wanderschuhen, mit der Motorsäge in der Hand, neben seinem Apfelmostglas.
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