Helmut Schmidt hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass er China für eine entscheidende Weltmacht des 21. Jahrhunderts hält. Warum gerade wir Deutschen vor dem Reich der Mitte nicht Angst, wohl aber Respekt haben sollten und was Europa von der viertausendjährigen chinesischen Kultur lernen kann – das sagt er in seinem neuen Buch mit der ihm eigenen Klarheit.
Das Gespräch, das Grundlage dieses Buchs ist, fand 2012 statt. Wie anders war die Welt zu diesem Zeitpunkt! Ich nehme aus diesem Buch viele Denkanstöße mit, insbesondere die Tatsache, dass die Welt größer ist als nur Amerika und Mitteleuropa, auch wenn das angesichts der aktuellen Weltlage gern mal vergessen wird.
Helmut Schmidt und Lee Kuan Yew haben beide in ihrer politischen Karriere harte Entscheidungen getroffen, die sie voreinander, vor sich selbst und vor der Welt verteidigen mussten, nicht immer mit Erfolg. Gerade in moralischen Fragen möchte ich an einigen Stellen entschieden widersprechen. Dieser Widerspruch bringt mich aber auch zu der Frage: Welche Werte vertrete ich eigentlich, und gibt es andere Wege als den von mir fokussierten, um diese Werte zu verteidigen?
Dass dieses Gespräch überhaupt stattgefunden hat, hat ebenfalls große Bedeutung. Beide, Helmut Schmidt und Lee Kuan Yew, die beide einst wichtige Ämter in ihrem jeweiligen Land innehatten, sind sich über die Jahrzehnte in Freundschaft verbunden geblieben. Das Gespräch, das sich über drei Tage erstreckt, offenbart, dass sie bei Weitem nicht in allen politischen Bereichen übereinstimmen. Trotzdem begegnen sie einander mit Respekt und dem Willen, die Position des anderen anzuhören, seine Beweggründe zu erfahren, und vor allem die Diskussion nicht abreißen zu lassen. Das erscheint mir eine der wichtigsten Künste zu sein, die dieser Tage in den Hintergrund geraten sind.
Ja, es gibt einige Menschen da draußen, die dem politischen Unsinn verfallen sind. Aber es gibt auch noch die, mit denen man reden kann, und die dürfen wir nicht vergessen. Solange man noch miteinander redet, kämpft man nicht. Wenn kein Gespräch mehr möglich ist, ist es zu spät.
von mir sehr geschätzter altkanzler helmut schmidt und der bis dato mir unbekannte altpremier von singapur lee kuan yew sprechen über europa, die usa und china. im zentrum geht es darum, warum es ist wie es ist und wohin sich die welt entwickeln wird. ich weiß nicht so recht was von diesem werk in meinem kopf geblieben ist. es ist wie es oft ist, wenn man alten geschätzten menschen zuhört. man tut es gern und ist faziniert von so viel erfahrung und meinungsmut. nicht selten sind es aber doch zwei welten, zu viele generationen dazwischen und zu unterschiedliche interessen und herangehensweisen.
Das gesamte Buch besteht aus einer sehr oberflächlichen Unterhaltung zwischen Helmut Schimdt und Lee Kuan Yew. Zu vielen Themen erhält man Meinungen und man hat das Gefühl, dass Schmidt und Kuan Yew selbst Meinungen zu Themen haben, welche Sie nicht völlig verstehen.
Es ist sicherlich eine interessante Unterhaltung die ich aufmerksam gelesen habe, jedoch sollte niemand hier wirkliches Hintergrundwissen über China erwarten.
Ich habe schon einige Bücher von Helmut Schmidt gelesen und schätze ihn sehr. Umso erstaunter war ich dass Lee Kuan Yew ihn an Weitsicht nochmal um einiges überragt. Besonders bewegt hat mich der Schluss ihres dreitägigen Gesprächs, als die beiden hochbetagten Freunde sich für immer Lebewohl gesagt haben
Interesting retelling of interactions over a long and varied time. Great piece of historical insight, though in many aspects not as relevant today as the political landscape has changed so much.
Zwei ehemalige Staatsoberhäupter treffen sich und unterhalten sich über Dinge, die sie teilweise nur sehr begrenzt verstehen. Das Ergebnis ist eine Abhandlung über Gott und die Welt, mit oft relativ einfachen Meinungen, insgesamt mehr Meinung als Information und vor allem vielen Halbwahrheiten, insbesondere Lee Kuan Yew. Als behauptet wurde, dass China bis kurz vor Deng Xiaopings Regierungszeit dem sowjetischen Modell nachging hat es mir endgültig gereicht. Von dem Modell wollten Chinas Politiker schon knapp zwanzig Jahre vorher nichts mehr wissen.
Der Titel ist übrigens irreführend: Weder war der Besuch in China, noch ist die Unterhaltung mit einem Politiker aus China. Lee Kuan Yew ist Singapurer. Wie wenig Helmut Schmidt eigentlich von China versteht fand ich auffallend. Er will dauernd den Konfuzianismus als Schlüssel zum Verständnis von China benutzen (was nur begrenzt hilfreich ist) und muss sich selbst grundlegende Fragen der chinesischen Geschichte erklären lassen, z.B. warum sich China gegen ausländische Dynastien, die China beherrschten, durchsetzen konnte (die Mongolen und Mandschuren).
Insgesamt schätze ich den Wert dieses Buches als sehr begrenzt ein, es sei denn jemand interessiert sich halt für die Meinungen zweier uralter Politiker.
Schmidt being Schmidt liegt hier in der Tat mit einigen Einschätzungen nicht ganz richtig. Einige der Prognosen seines Gesprächspartners Lee Kuan Yew sind inzwischen eingetreten. Werde definitiv noch mehr von Lee lesen. Trotz allem ein lesenswertes, kurzweiliges Büchlein für Asien Noobs.