Ein wunderbarer Roman über die Suche nach dem richtigen Platz im Leben
Katia Werner ist rebellisch und unangepasst und hat eine bewegte Jugend hinter sich. Doch jetzt, Mitte zwanzig, spürt sie, dass sie ihrem Leben eine Richtung geben muss. Auf eine Zeitungsannonce hin bewirbt sie sich als Betreuerin in einem psychiatrischen Sanatorium in der hessischen Provinz und findet einen wahrhaft außergewöhnlichen In der „Goldbachmühle“ leben Menschen, die ihr Zusammensein jenseits aller Konventionen eingerichtet haben. Bald entwickeln sich Freundschaften, die über das Dienstliche hinausgehen, vor allem zu Konrad, einem der Bewohner, dessen schillerndes Wesen Katia ebenso fasziniert wie verstört. Als ihr bewusst wird, dass sie dabei ist, mit ihm eine Grenze zu überschreiten, ist es längst zu spät – und in den Rätseln, die Konrad ihr aufgibt, werden all ihre Gewissheiten zu offenen Fragen.
Katia ist mit sich und ihrem unsteten Leben nicht wirklich zufrieden, da bietet sich die Chance, ihr Anerkennungsjahr in der „Goldbachmühle“ abzuleisten, als Betreuerin in einer psychiatrischen Wohngemeinschaft. Schon das Vorstellungsgespräch läuft anders ab als gewohnt, doch sie kann überzeugen und bekommt die Stelle. Dass dies eine große Herausforderung ist, merkt Katia früh, doch sie ahnt nicht, welches Gefühlskarussell auf sie wartet. Ein toller Roman, der mich nicht nur beim Lesen begeistert hat, sondern auch noch danach in meinem Kopf nachhallt. Zwar fand ich die Geschichte zu Anfang etwas verwirrend, da sie auf verschiedeneren Zeitebenen spielt, jedoch löst sich das Rätsel um die geheimnisvollen Briefe und Karten im Verlauf, und die Fäden laufen alle geschickt zusammen. Wer also einen romantischen Liebesroman erwartet, der wird bei diesem Buch wahrscheinlich enttäuscht sein. Denn die angeschnittenen Themen sind tiefgründiger und regen zum Nachdenken an. Natürlich geht es auch um die Liebesbeziehung zwischen Katia und Konrad, deren Schwerpunkt aber mehr in interessanten Gesprächen und ungewöhnlichen Begegnungen liegt als in Körperlichkeiten. Und noch viel interessanter fand ich das Thema „Psychisch krank sein“ und wer eigentlich darüber entscheidet. Gerade bei den Bewohnern der „Goldbachmühle“ und ihren Betreuern sind die Grenzen manchmal verwaschen, jeder scheint irgendwie Ecken und Kanten zu haben, doch was bei dem einen eben als eigentümlich, aber normal bezeichnet wird, ist bei dem anderen krank. Das muss auch Katia erkennen, und an den Problemen, die sich daraus ergeben, droht sie fast zu scheitern. Die Charaktere sind alle wunderbar gezeichnet, jeder hat eine eigene Geschichte mit Tiefgang und wirkt dadurch authentisch und echt. Durch charakterliche Eigenheiten und Macken wirken die Figuren sehr menschlich und sind mir direkt ans Herz gewachsen. Gerade Konrad ist beeindruckend, intelligent und geheimnisvoll, und zieht nicht nur Katia, sondern auch mich mit seiner manipulativen Art in seinen Bann. Katia ist zwar jung und äußerlich ein bisschen „durchgeknallt“, dabei aber trotzdem bodenständig und sehr sympathisch. Sie steht ihre Frau und hat mich manches Mal mit ihrem Wortwitz zum Lachen gebracht. Das Buch lässt sich angenehm und leicht lesen, wird im Verlauf zunehmend spannender, im letzten Drittel lösen sich die Knoten und alles ergibt endlich einen Sinn. Es ist kein leichtes Buch, das man mal zwischendurch liest, sondern Eines, das zum Nachdenken anregt und noch lange nachhallt. Doch trotz der ernsten Themen hat der Roman einen feinen, manchmal auch sarkastischen Humor, der zwischen den Zeilen und den für mich manchmal zu lang geratenen Sätzen durchblitzt. Ich habe diese Mischung aus Tiefgründigkeit und subtilem Humor als sehr angenehm empfunden und bin nun sehr gespannt, wie es mit Katia weiter geht. Das Buch „Das Meer in Gold und Grau“ ist zwar vor diesem Roman erschienen, spielt aber zeitlich nach den Erfahrungen von Katia in der Goldbachmühle. Daher freue ich mich, die Protagonistin noch weiter begleiten zu können und bin neugierig, was ihr in diesem Roman passieren wird.
Liebe, die konventionelle Grenzen überschreitet, bis sie an ihre eigenen Grenzen stößt… Katja Werner entspricht vom Äußeren her ganz und gar nicht dem Bild, welches sich die Mehrheit unter einer Erzieherin vorstellt. Sie wirkt rebellisch und für diesen doch relativ seriösen Beruf etwas deplatziert mit ihren grünen Haaren. Noch hinzu kommt, dass ihre Ausbildung zur Erzieherin nicht ganz reibungslos verlief, denn als sie auf dem Schulhof beim Rauchen eines Joints erwischt wurde, flog sie Hochkant raus und musste zu einer anderen Berufsschule wechseln. Dieser Makel in ihrer Laufbahn und ihre unkonventionelle Art, machen es ihr fast unmöglich eine Stelle als Erzieherin für ihre Anerkennungsjahr zu finden.
Von daher kommt Zeitungsanzeige der „Goldbachmühle“ genau zum richtigen Zeitpunkt – Katja versucht ihr Glück und bewirbt sich auf die Stelle als Betreuerin, auch wenn sie vorher noch nie berufliche Erfahrung in einem psychiatrischen Sanatorium sammeln konnte. Was soll schon passieren, denkt sie sich, außer dass sie wieder eine Absage erhält? Doch wider Erwarten kommt alles anders als man denkt: Katja erlebt das skurrilste Bewerbungsgespräch ihres Lebens und darf bald ihren Dienst antreten. Die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist individuell und begeistert Katja sehr. Endlich fühlt auch sie sich akzeptiert und angekommen. Doch schnell wird klar, dass sich die Grenzen zwischen Betreuerin und einigen Bewohnern verwischen. Ob das gut ausgeht, steht in den Sternen…
Mein Fazit
Liebe in Grenzen ist eine berührende Geschichte über ganz viele außergewöhnliche Charaktere, deren Wege sich in der Goldbachmühle kreuzen. Der Autorin Veronika Peters ist es gelungen, vielschichtige Persönlichkeiten und deren Eigenheiten darzustellen, ohne diese zu kritisieren oder zu deformieren. Man merkt meiner Meinung nach einen gewissen authentischen Einfluss der Autorin, da sie selbst Erzieherin in einem psychiatrischen Jugendheim war. Manche Dinge kann man eben nur so einfühlsam beschreiben, wenn man sie mehr oder minder irgendwann einmal selbst erlebt hat.
Die Hörbuchfassung, gesprochen von Marit Beyer, hat mich sehr angesprochen. Ihre Stimme war ausgeglichen und dennoch unterhaltsam – richtig gut gewählt für diese Geschichte.
Im Grunde genommen wollte ich dem Hörbuch volle Punktzahl geben, da es mich gleichermaßen so gefesselt und bewegt hat. Ich verstehe auch, weshalb die Autorin das Ende so gewählt hat und dennoch habe ich mir einen anderen Ausgang gewünscht. Von daher der kleine, ganz subjektive Abzug eines Sterns.
Ich habe die Geschichte der Reihe nach begonnen, obwohl „Liebe in Grenzen“ bereits das zweite Buch ist, in der es sich um die Protagonistin Katja Werner dreht. Der erste Band „Ein Meer aus Gold und Grau“ beschäftigt sich mit einem späteren Lebensabschnitt von Katja und das möchte ich gerne als nächstes lesen.
"Die Liebe in Grenzen" hatte bei mir leider nicht den gewünschten Effekt. Keine Spur von der "betörend schönen Unterhaltung" die der Klappentext verspricht. Ich fand es eher unterkühlt und zugeknöpft. Wäre es eine psychologische Facharbeit oder so wäre ich begeistert gewesen; von einem Roman wünsche ich mir aber etwas mehr. Die Sprache ist zwar anspruchsvoll und hat einen angenehm leichten Anflug von Poesie, steht aber im kompletten Gegensatz zu einer Protagonistin von Mitte 20 mit grünen Haaren. Auch fehlte es mir an der für Liebesgeschichten typischen Wärme. Schon klar, es muss und sollte nicht immer nach "Schema f" ablaufen und es ist nicht immer alles "rosarot" aber ich finde es schade, wenn man als Leser so überhaupt kein Gespür für die Protagonisten einer Geschichte bekommt. Auch die Zeitsprünge fand ich etwas störend, denn die Handlung wird in unterschiedlichen Zeitabschnitten erzählt, die Zusammenhänge muss sich der Leser selbst zusammenbauen. Ich konnte der Handlung zwar folgen aber richtig "ins Lesen" gekommen bin ich nicht. Vielleicht tue ich dem Buch ja unrecht und habe die "Message" dahinter einfach blos nicht verstanden, muss es als "Gesamtkunstwerk" betrachten und habe Dinge übersehen, die sich zwischen den Zeilen abspielen, wer weiß.. Es soll wohl noch so eine Art Fortsetzung geben, wo ein anderer Lebensabschnitt der Protagonistin behandelt wird. Ich glaube aber nicht, dass das den Weg in mein Bücherregal finden wird.