Die unkonventionelle Psychologin Alicia Behrens und Sigi Kamm, der forsche Hauptkommissar der Potsdamer Mordkommission, müssen gegen ihren Willen in einem Fall mit erhöhter Gefährdungslage zusammenarbeiten. Beide überschreiten in ihrer Arbeit Grenzen. Sie provokant, aber moralisch gerechtfertigt. Er nicht immer juristisch sauber, aber erfolgreich. Dabei kommen sie sich heftig in die Quere. Als auf Noyan Akay, den Gründer einer Anti-Rassismus-Bewegung, ein Mordanschlag verübt wird, betreut Alicia Behrens den Vater des Komapatienten und kümmert sich zudem um den einzigen Zeugen: Rüdiger Brandt. Während Sigi Kamm versucht, eben diesen Zeugen zum Reden zu bringen. Doch Brandt wird bedroht und schweigt aus Angst vor dem Täter und aus Sorge um seine Familie. Am Bett seines Sohnes, der vielleicht nie mehr aus dem Koma erwachen wird, treibt der Wunsch nach Gerechtigkeit Mutasim Akay in tiefe Verzweiflung. Und bald stehen sich die beiden Väter in Wut und Ohnmacht gegenüber. Und ein gefährliches Psychospiel beginnt … Mittendrin: Brandts pubertierende Tochter, die von einem Fremden erpresst wird. Und ihre Mutter, die bereit ist, alles für ihr Kind zu tun. Während die Grenzen zwischen Opfer und Täter verschwimmen, realisieren Alicia Behrens und Sigi Kamm, dass es in diesem Fall keine Gewissheit gibt außer der, dass nichts ist, wie es scheint. Die preisgekrönte Drehbuchautorin Dinah Marte Golch stellt ein herrlich ungleiches Ermittlerpaar ins Zentrum ihres Debütromans. Ihr gelingt ein packender, psychologisch tiefgründiger und raffinierter Krimi. Spannend bis zur letzten Seite!
Zwei Wochen vor Weihnachten wird der Abiturient Noyan Akay verprügelt. Ein Zeuge kann zwar eingreifen, aber seine Verletzungen sind so schwer dass er ins Koma fällt. Noyan war Gründer einer Aktion, die sich an Potsdamer Schulen gegen Rassismus einsetzte. Während Mutasim Akay im Krankenhaus an Bett seines Sohns sitzt und auf ein Wunder hofft, wird er von der Psychologin Alicia Behrens betreut. Gleichzeitig kümmert sie sich auch um den einzigen Zeugen, der aus Angst um seine Familie schweigt. Gleichzeitig unterstützt sie auch Hauptkommissar Sigi Kamm bei seinen Ermittlungen.
Die Autorin bringt in ihrem Krimi viele Elemente ein. Da gibt es Noyan Akay, der vom jugendlichen Straftäter zum Gründer einer Initiative gegen Rassismus wird. Die Tochter von Rüdiger Brand, dem einzigen Zeugen, die in die gleiche Schule wie das Opfer ging, wurde in der Schule gemobbt und von einem geheimnisvollen Mann erpresst. Brandt selbst bringt sich mit seinem Verhalten immer wieder selbst ins Visier. Dazu kommt noch das problematische Verhältnis zwischen Alicia und Sigi, die komplett unterschiedliche Ansichten darüber haben, wie sie bei diesem Fall am besten vorgehen sollen, weswegen es mehr als einmal Streit zwischen den beiden gibt.
Das waren viele Handlungsstränge, die sich immer wieder verknotet , aber auch entwirrt haben und es ist mir nicht immer leicht gefallen, den richtigen Faden in der Hand zu behalten. Die Autorin hat geschickt immer wieder mögliche Szenarien aufgebaut und wieder verworfen. Leider wirkte die Geschichte deshalb ab einem gewissen Punkt konstruiert und konnte für mich die Spannung nicht mehr aufrecht halten. Das Ende hat mich dann doch überrascht und mich wieder mit dem undurchsichtigen Mittelteil versöhnt.
Ein durchaus solider, spannender Auftakt für eine Krimireihe. Alles deutet darauf hin, dass der Fall des ins Koma geprügelten türkischen Jugendlichen rassistische Hintergründe hat. Aber im Verlauf der Ermittlungen, bei denen er zwangsweise mit einer Psychologin zusammenarbeiten muss, die er nicht besonders mag, stellt der Kommissar fest, dass jeder, den er im Zusammenhang mit der Tat befragt, etwas zu verstecken hat. Die Charaktere sind gutbeschrieben, die Reaktionen der Angehörigen, Zeugen und Verdächtigen wirken glaubhaft und nachvollziehbar. Bei den beiden Protagonisten gilt das für mich nur mit Abstrichen. Der Kommissar bleibt für mich zumindest in der ersten Hälfte des Buches ein wenig blass, die Psychologin ist ein eher sperriger Charakter und ist mir nicht immer sympathisch. Aber das muss sie ja auch nicht. Mit dem zweiten Band habe ich bereits angefangen.
spannender Krimi, Handlung zieht sich über ungefähr eine Woche in der Vorweihnachtszeit; offensichtliches Thema ist Rassismus, aber es geht auch um Familien und ihre Probleme (freies Zitat: Der Teppich liegt knapp unter der Decke, so viel haben die darunter gekehrt); interessante Hauptprotagonisten, die sich im Laufe des Krimis entwickeln und Raum bieten für Fortsetzungen; die Auflösung bleibt bis fast zum Ende ungewiss und man ist auch als Leser nicht sicher, wer der Täter war; viele Kapitel, auch sehr kurze, die nicht unbedingt nötig sind, auf der anderen Seite jedoch ankündigen, dass die Figur wechselt; lässt sich gut und schnell lesen; der zweite Behrends-und-Kamm-Krimi ist bereits erschienen!
Der türkische Abiturient Noyan Akay wird Opfer eines Mordanschlags und liegt seit dem im Koma. Da er Gründer der Anti-Rassismus Gruppe "Schule gegen Rassismus" ist und es einen Zeugen gibt, dessen Beschreibung darauf hinweist, wird vermutet, dass ein Nazi hinter der Tat steckt. Zusammen mit dem Hauptkommissar Sigi Kamm soll die unkonventionelle Psychologin Alicia Behrens ermitteln, auch wenn sie sehr unterschiedliche Ansichten haben und sich in einem früheren Fall schon in die Quere gekommen sind.
Meine Meinung:
Ich liebe dieses Buch! Es hat mich so gefesselt, dass ich es gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Wahrscheinlich lag es an der wunderschönen, detaillierten Schreibweise der Autorin. Erst im Nachhinein habe ich gelesen, dass sie Drehbuchautorin ist. Und ich muss sagen, sie macht ihren Job sehr gut. Ich hatte so gut wie die ganze Zeit ein kleines Filmchen in meinem Kopf und habe die Geschichte umso mehr geliebt, weil sie so unglaublich echt wirkte.
Warum wirkte sie echt? Zum einen ist das Thema Rassismus ein sehr wichtiges, welchem leider zu wenig Beachtung geschenkt wird. Frau Golch bringt die unterschiedlichen Ansichten sehr gut in ihren Charakteren unter. Zusammen mit kleinen Gegenständen die sie in der Geschichte erwähnt oder einzelnen Sätze, die mich als Leser schon fast angesprungen haben, wirkte es alles sehr real und glaubhaft.
Die Dialoge zwischen Alicia und Sigi haben mir besonders gut gefallen. Hier und da konnte ich mir ein grinsen nicht verkneifen.
Mir ergeht es selten bei Krimis und Thrillern, dass ich absolut keine Ahnung habe, wer der Täter ist beziehungsweise worauf das hinauslaufen soll. Aber hier war es der Fall. Es gab so oft überraschende Wendungen, dass ich direkt darauf eingegangen bin und gar nicht mehr an den vorherigen Verdächtigen gedacht habe.
Auch das Ende hat mir sehr gut gefallen. Denn zum einen ist das Buch abgeschlossen, zum anderen aber werden geschickt Informationen eingebracht, die den Leser auf eine Fortsetzung freuen lässt.
Was mir leider nicht ganz so gefallen hat, war der lange Klappentext. Ich bin froh, dass ich immer nur den Text auf dem Buchrücken lese, denn auch hier hätte mir der Klappentext zu viele Informationen gegeben, sodass ich viele Dinge in der Geschichte vielleicht nicht mehr als spannend empfunden hätte.
Auch das Cover hat mich nicht angesprochen. Es ist sehr schlicht und bringt keine wirkliche Botschaft rüber. Im Buchhandel hätte ich mir wahrscheinlich nicht angesehen, worum es hier geht. Daher bin ich doch sehr glücklich, dieses Buch bei lovelybooks gewonnen zu haben. Nochmals Vielen Dank.
Fazit:
Für jeden Krimi-Fan ein absolutes muss, da die Geschichte so schön beschrieben wird, dass man sie direkt mit lebt. Außerdem spricht die Autorin wichtige Konflikte an, die jeden von uns etwas angehen. Da es nun mal keine halben Sterne gibt, runde ich auf und es gibt 5 volle Sterne und ich freue mich auf die Fortsetzung.
Mit diesem Buch behandelt die Autorin ein Thema, das wohl so bald nicht an Aktualität verlieren wird, denn Rassismus ist und bleibt ein Thema, dass unsere Gesellschaft wohl nicht so leicht besiegen wird. Zudem ist es natürlich in gewisser Weise auch ein brisantes Thema, wird in diesem Roman ja ein junger, nicht deutschstämmiger Mann so stark verletzt, eventuell bei einem Mordanschlag, dass er nun im Koma liegt und vermeintlich alles nur, weil er sich für eine Anti-Rassismus-Organisation stark gemacht hat. Die Autorin schafft es jedoch auf jeden Fall, dieses Thema so zu behandelt, dass man keinen Anstoß daran nehmen kann, die Sachlage, wie sie durchaus vorkommen kann, sehr gut aufgegriffen und in diesem Krimi verarbeitet ist.
Was ich jedoch sehr schade fand, ist die Tatsache, mit welcher Art von Protagonisten man in diesem Buch konfrontiert wird. Denn Alicia Behrens ist ehrlich eine der unsympathischsten Protagonistinnen, die mir bisher untergekommen ist. Ständig will sie alles mit irgendwelchen theoretischen Erkenntnissen aus der Psychologie angehen, sieht alles nur aus ihrem sehr extrem psychologisch geprägten Standpunkt und kann vor allen Dingen auch nicht einsehen, dass man in gewissen Situationen andere Wege gehen oder mit den Dingen anders umgehen muss. Dazu kommen ihre eigenen tiefgreifenden Probleme, die ihre Ansichten zur Welt nicht besser machen und sie noch mehr auf eine negative Art beeinflussen. Es war sogar wirklich so, dass mir der andere Protagonist, Sigi Kamm von der Polizei, regelrecht Leid tat, da sie extrem schroff und unangenehm wurde, wenn andere Charaktere nicht ihrer Meinung sind, die extrem festgefahren ist. Sigi Kamm hingegen ist ein sehr sympathischer und auf mich auch kompetent wirkender Polizist, der einzige Lichtblick bei den Charakteren beim Lesen.
Ansonsten ist das Buch vor allen Dingen auch so durch Charakterstudien getrieben, wie die Eltern der Beschuldigten, aber auch des Anschlagsopfers mit der Situation umgehen, auf neue Erkenntnisse reagieren etc. Ein Aspekt, den ich persönlich sehr spannend fand. Gepaart mit noch ein paar Wendungen, die ich meist so nicht erwartet hätte auf jeden Fall eine interessante Geschichte, die mich durchaus auch manchmal überrascht hat und richtig gut hätte werden können, müsse man nicht mit Alicia Behrens leben, die zwar teilweise dafür gesorgt hat, dass der Roman überhaupt diese Wege laufen kann, wie er es tat, aber ebenso auch deutlich auch vieles behindert hat.
Ein etwas anderer Krimi, bei dem mich persönlich einfach ein wenig die Protagonistin gestört hat, der ansonsten aber durchaus gut ist.
Die Geschichte: Die Psychologin Alicia Behrens wird von der Polizei um Hilfe bei einem brisanten Fall gebeten. Ausgerechnet mit Hauptkommissar Sigi Kamm soll sie dabei zusammenarbeiten. Die beiden lieferten sich vor einigen Jahren heftige Gefechte vor Gericht, da sie unterschiedlicher Ansicht über die Form der Bestrafung waren. Jetzt geht es um einen türkischen Studenten, der nachts in einem Park beinahe totgeprügelt wurde. Die Spur der Ermittler führt bald zu einem vorbestraften Neonazi, der mit seinen Kameraden regelmäßig Schrecken verbreitet. Alicia soll den Vater des Studenten, aber auch einen Tatzeugen und dessen Familie betreuen und versuchen, hilfreiche Aussagen zu erhalten. Das bringt sie bald selbst in größte Gefahr …
Meine Meinung: Dieser Krimi könnte auch ganz gut als Thriller durchgehen, denn die Story ist wirklich fesselnd und spannend von Anfang bis Ende und Alicia gerät selbst auch in so manch brenzlige Situation. Die Psychologin ist neben dem Hauptkommissar Sigi ja die Hauptperson und ich muss sagen, dass mir beide recht sympathisch sind. Jeder hat so seine Macken und eine etwas dunkle Vergangenheit, das macht die Charaktere interessant und liebenswürdig. Auch die anderen Figuren zeichnet die Autorin sehr greifbar und lebendig, allerdings wirken diese nicht so freundlich, denn man weiß nie, wem man trauen kann.
Aus diesem ständigen Misstrauen erwächst auch ein großer Teil der Spannung. Die Autorin versteht es grandios, den Leser im Unklaren zu lassen über die wahren Hintergründe. Sie schickt ihre Figuren in ein absolutes Verwirrspiel, bei dem immer wieder neue Facetten ans Licht kommen. Wer ist schuldig und wer nicht? Urteilen wir manchmal zu vorschnell und lassen wir uns von Vorurteilen beeinflussen? Auch ich habe mich bereitwillig auf falsche Spuren eingelassen, habe gezweifelt und gehofft. Das Ende war dann trotzdem noch überraschend und auch sehr stimmig.
Der wunderbar flüssige und lockere Schreibstil macht das Lesen sowieso schon zu einem Vergnügen, aber durch die lebendigen Schilderungen der Umgebung und die glaubwürdigen Dialoge entsteht eine Atmosphäre, der man sich kaum entziehen kann. Sehr fesselnd und es wundert nicht, dass die Autorin eine berühmte Drehbuchschreiberin ist: alles wirkt wie einem spannenden Film.
Fazit: Ein sehr undurchsichtiger, wendungsreicher Krimi mit vielen Überraschungen und interessanten Hauptpersonen. Kann ich nur empfehlen!
Ein türkischer Jugendlicher, der eine erfolgreiche Antirassismusinitiative gegründet hat, wird kurz vor Weihnachten brutal zusammengeschlagen und dabei lebensgefährlich verletzt. Tatverdächtig ist ein Nazi, den ein Zeuge vor Ort gesehen hat und der noch Schlimmeres verhinderte. Dem Vater des Opfers gehen die Ermittlungen zu langsam voran und er beginnt, auf seine Art den Hinweisen nachzugehen. Als der Zeuge nach einem Überfall aus Angst um seine Familie seine Aussage zurückziehen will, wird die Situation äusserst brisant... Hauptkommissar Sigi Kamm und die Psychologin Alicia Behrens, die seit einer gemeinsamen Begegnung vor Gericht eine gegenseitige Abneigung miteinander verbindet, sind gezwungen, in diesem besonders brisanten Fall zusammenzuarbeiten. Die beiden Hauptfiguren könnten kaum gegensätzlicher sein. Während die Psychologin davon überzeugt ist, dass Worte und Geduld mehr ausrichten können als Gewalt und Zwang, ist der Hauptkommissar nach vielen Berufsjahren der Auffassung, dass bei seiner Aufgabe nichts mehr hilft als Härte und Druck. Die Zwei fetzen sich immer und immer wieder und doch müssen sie (widerwillig) anerkennen, dass jede/r auf auf seine/ihre Weise auch Erfolg hat. Es macht Vergnügen, den Wortduellen der Beiden zu folgen. Die Geschichte selbst besitzt für einen Krimi einen ungewohnt hohen psychologischen Anteil, was jedoch der Spannung nicht im Geringsten abträglich ist, ganz im Gegenteil. Man gewinnt einen kleinen Einblick in ein Nazimilieu, bei dem einem das Messer in der Tasche aufgeht ('Wie übe ich Druck aus, ohne dass ich strafrechtlich belangt werden kann?' Trifft natürlich auf alle anderen kriminellen Bereiche ebenso zu). Man lernt eine völlig normale Familie kennen, die jedoch alles andere als normal ist und doch in dieser und ähnlicher Konstellation vermutlich überall anzutreffen ist. Kurz: Ein Krimi, der wie aus dem echten Leben gegriffen scheint. Einziges Manko: Ausgerechnet beim Täter bleiben die psychologischen Erklärungen, weshalb er dies alles so steuern konnte, im Dunkeln. Schade, das hätte mich doch sehr interessiert.