Physiognomik gilt als obsolete esoterische Disziplin, die fur die Kunstgeschichte nur im Rahmen der Portratforschung ein Gegenstand ist. Sie war jedoch ein massgebliches Vorbild fur die kunsthistorische Forschung gerade auch im 20. Jahrhundert. Namhafte Kunsthistoriker bezogen sich auf die Methode der Physiognomik, um aus der ausseren Form Ruckschlusse auf das verborgene Innere des Kunstwerks zu ziehen. So wurde der Charakter des Werks, des Kunstlers oder auch von Volk, Nation und Rasse bestimmt. Diese physiognomische Fahigkeit der Kunstgeschichte, das Sichtbare als Ausdruck von etwas Unsichtbaren zu deuten, machte sie im fruhen 20. Jahrhundert zu einer Leitwissenschaft fur viele andere Disziplinen wie die Psychologie und Rassenforschung. Physiognomik erweist sich als eine Bildwissenschaft, die nicht nur fur die Entwicklung der kunsthistorischen Methodik von grosster Bedeutung war, sondern auch fur manche aktuelle Aufwertung des Bildes Pate ste