Sie haben den Bombenkrieg miterlebt oder die Vertreibung, ihre Väter waren im Feld, in Gefangenschaft oder sind gefallen. Doch diese Erinnerungen haben die Kriegskinder bislang in sich verschlossen gehalten. Stattdessen haben sie nach vorn geblickt, Deutschland wieder aufgebaut, eine Familie gegründet. Heute sind sie in Rente, die eigenen Kinder längst aus dem Haus, und zum ersten Mal im Leben schauen sie zurück. Sie fangen an zu begreifen, dass vieles in ihrem Leben auf ihre Kriegserlebnisse zurückzuführen ist. Auch die Kinder und Enkel der Kriegskinder beginnen, sich mit der vergessenen Generation zu beschäftigen. Sie wollen verstehen, warum ihre Eltern so sind, wie sie sind. Warum konnte man bestimmte Dinge einfach nicht mit ihnen besprechen? Ein wichtiges und notwendiges Buch.
Die vergessene Generation, damit meint Sabine Bode grob gefasst die Jahrgänge 1930 bis 1945, die den Krieg und die unmittelbare Nachkriegszeit als Kinder durchlebt haben. Lange war es angesichts des entsetzlichen Schicksals der Holocaust-Opfer ein Tabu, über das Trauma zu sprechen, das diese Generation erlitten haben muss.
In fünfzehn Kapiteln beschreibt Sabine Bode, wie nicht nur der Krieg an sich, sondern auch die damals herrschende Kultur unter den Nazis unsere Eltern und/oder Großeltern geprägt haben. Das fing schon beim Umgang mit Säuglingen und den Erziehungsmethoden an, die aus heutiger Sicht schlicht haarsträubend und unvorstellbar sind. Dann kamen der Bombenkrieg, die ständige Konfrontation mit dem Tod, Flucht und Vertreibung, Hunger und Kälte etc. Nicht wenige litten nachfolgend an einer posttraumatischen Belastungsstörung, die aber zur damaligen Zeit nicht ernst genommen wurde.
Doch die Auswirkungen sind heute, da diese Kinder alte Menschen sind, immer noch spürbar, Kriegserinnerungen kommen im Alter wieder an die Oberfläche – und sogar die Kinder der Kriegskinder sind davon beeinflusst. Meine eigenen Eltern gehören zu dieser Generation und ich habe mich an vielen Stellen des Kapitels über die sogenannten “Kriegsenkel” wiedergefunden.
Mit ihrem Buch leistet Sabine Bode einen wertvollen Beitrag dazu, dass wir unsere Eltern- bzw. Großelterngeneration (ich bin für einen “Kriegsenkel” recht jung) besser verstehen können und uns vielleicht auch einige Dinge über uns selbst klar werden. Ich empfehle dieses Buch daher nicht nur den älteren Jahrgängen, sondern auch den jüngeren. Die Kriegskindergeneration wird nicht mehr lange da sein, um uns von ihren Erlebnissen zu erzählen. Ich nehme mir jetzt selbst einmal vor, meinen Vater danach zu fragen. Wenn euch jetzt auffällt, dass auch eure Eltern oder Großeltern nicht viel über den Krieg erzählt haben, nehmt dies doch mal zum Anlass, das auch zu tun!
(Auszüge aus meiner Buchbesprechung im Blog): Sabine Bode ... öffnet die Augen bzw. bringt mit diesem Buch stärker ins Bewusstsein, was eigentlich offensichtlich ist, aber in Bezug auf _deutsche_ Kriegskinder des 2. Weltkrieges - ob nun hier geboren, von hier oder hierher vertrieben, hier geblieben oder ausgewandert - häufig negiert, verdrängt oder - wie auch von mir - nicht wirklich bewusst verknüpft wird: Dass im Krieg geborene und/oder aufwachsende Kinder leiden, unabhängig, um welchen Krieg es sich handelt oder auf welcher Seite sie sich befinden. Dass dies Traumata verursacht und Leben beeinflusst, oft nicht nur das eigene, sondern auch das gesellschaftliche Umfeld und auch dasjenige der nachfolgenden Generation(en)...
Die Autorin geht auf verschiedene Aspekte dieses Themas ein. Sie lässt Betroffene zu Wort kommen, wirft einen Blick in die Forschung, beschäftigt sich mit Aussagen und Ansichten z.B. Psychologen, auch im Lichte der Entwicklung...
Es hat mich erstaunt, wie - stilistisch gesehen - leicht lesbar das Buch ist, was ich bei diesem Thema so nicht erwartet hatte. Zudem anderen bringt die Autorin auf rund 300 Seiten eine erstaunliche Fülle an Informationen und Denkanstößen unter. Dadurch gibt sie der Generation von Kriegskindern selbst eine Stimme, versorgt diese aber auch gleich mit dem Wissen und der Bestätigung, dass es völlig in Ordnung und gesund ist, die kindlichen Erlebnisse zu formulieren, zu erforschen, Trauerarbeit zu beginnen, Traumata aufzuarbeiten. Daneben ist das Buch für die nachfolgende(n) Generation(en) ebenso interessant wie wichtig, selbst wenn es in der Familie keine Kriegskinder gibt.
WHERE GERMANS MAKE PEACE WITH THEIR DEAD Through a practice that is part therapy and part séance, children of war come to terms with their history. by Burkhard Bilger in: http://www.newyorker.com/magazine/201...
Nur bedingt zu empfehlen, da die Autorin zwar viele wichtige Aspekte aufdeckt, benennt und erklärt, die unsere Elterngeneration so hat werden lassen, wie sie ist (und damit uns derart beeinflußt hat, wie wir beeinflußt wurden) - oft sehr anrührend und erhellend.
Aber leider auch oft - zu oft - vulgärpsychologisierend und über lange Passagen Dritte zitierend, ohne die jeweilige Aussage jedoch in den heutigen soziokulturellen Kontext zu stellen und aus ihm heraus zu erläutern oder differenzieren. Und dann ist da die offensichtliche Angst Sabine Bodes, sich womöglich hie und da rechtes Gedankengut vorwerfen lassen zu müssen, woraus eine höchst bemühte und umständliche Beteuerung des geraden Gegenteils schon proaktiv erfolgt, die an den jeweiligen Stellen m.E. gar nicht nötig wäre.
Wenn wir unsere Eltern besser verstehen lernen wollen, dann ist dieses Buch ein wichtiges Plädoyer für mehr Verständnis (inkl. guter Gründe dafür) und dafür, den direkt Betroffenen Raum zum Trauern anzubieten. Daß es leider kein flammendes Plädoyer geworden ist, tut dieser Grundbewertung keinen deutlichen Abbruch - nur dem Leseinteresse bestimmter Kapitel.
Woher wir kommen... der Horror des Kriegalltags in Deutschland wird hier greifbar. Unfassbar, dass unsere Großeltern Generation diese Leiden einfach weggeschwiegen hat, dass das erwartet wurde. Diese Schrecken! Diese Traumata!
Aufarbeitung und echte innere Veränderung der Täter ist nur möglich, wenn ihnen die Opfer ein gewisses Maß an Empathie aufbringen, also auch ihnen ihre Leiden zugestehen. Geschieht das nicht, gibt es keine echte Reue und kein echtes Schuldbewusstsein der Täter.
So ähnlich war es in dem Buch zitiert. Das hat mich beeindruckt. Und es wird eine Herausforderung sein, sollte man selbst einmal in die Opferrolle geraten.
Das Buch „Die vergessene Generation - Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen“ von Sabine Bode wurde 2004 herausgebracht vom Klett-Cotta Verlag in Stuttgart. Thematisiert werden die Kinder, heute Erwachsene, die den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit in Deutschland erlebt haben und die heutigen Folgen, die für sie damit verbunden sind. Sabine Bode ist eine 1947 in Eilsleben geborene deutsche Journalistin und Buchautorin. Zu Beginn ihrer Karriere war sie Redakteurin beim Kölner Stadt-Anzeiger. Sie arbeitete vor allem freiberuflich bei der Kulturredaktion des WDR-Hörfunks und NDR. Nach diesem Buch schrieb sie weitere, thematisch passende Bücher. Der Anlass für dieses Buch lag speziell in den Neunzigerjahren, im Bosnienkrieg, der nah an Deutschland ran rückte und relevanter wurde. Viele Fernsehberichte über die bosnischen Kriegskinder, regten sie an, über die deutschen Kriegskinder des zweiten Weltkrieges zu recherchieren: „Wie geht es ihnen heute? Inwiefern wurden die Kriegserfahrungen verarbeitet und leiden sie an Spätfolgen?“ In fünfzehn Kapitel entfaltet sie, die Geschichten der interwieten Kriegskinder, der Jahrgänge 1930 bis 1945. Sie thematisiert Fragen nach der Herkunft der Kriegskinder, was sie gebraucht hätten und was sie stattdessen während des Krieges erlebt haben. Bode geht detailliert auf die psychischen Folgen und Traumata für die Betroffenen ein. Der Fokus liegt auf Familien und ihrem Umgang mit dem Krieg, aber auch auf den Auswirkungen auf die zweite und dritte Generation. Zudem werden Vertreibung und Flucht innerhalb Deutschlands, die Nazi-Erziehung und die wenig bis kaum vorhandene Forschung thematisiert. Der begrenzte Umfang der Rezension macht es nicht möglich alle erwähnenswerten Themen aus dem Buch zu benennen. Aufgrund von kaum ausschlaggebender Forschung und geringem Interesse der Kriegskinder, als auch professioneller Fachgebiete, wie die Medizin, Psychologie, Seelsorge und Journalismus, begriff Bode, dass sie eine der Wenigen war, die sich mit dem Thema beschäftigte. Sie bemerkte ein kollektives Schweigen. Man wollte nicht über die eigenen Opfer reden. „Befürchtet wurde eine Relativierung der deutschen Schuld“. Viele der Kriegskinder lernten in ihren Familien nicht, über den Krieg und das eigene Leiden zu reden. Die Devise war, nach vorne zu schauen und froh zu sein, dass man lebte. Viele der heute erwachsenen Kriegskinder sind sich ihrer dramatischen Erlebnisse wenig bewusst. Einige dieser Erwachsenen leiden an psychischen Erkrankungen, wie Depressionen, Süchten und Ängsten. Mittlerweile existierende Studien besagen, dass acht bis zehn Prozent eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt haben. Vor allem leiden viele dieser Menschen unter dem großen Unverständnis und Desinteresse durch die eigene Generation und die Gesamtbevölkerung. Es fehlt die Anerkennung des erlebten Leids und die damit fehlende Erlaubnis, trauern zu dürfen. Nach Bode ist es wichtig, durch Reflexion des Vergangenen die Erinnerungen zu durchdringen und auf ihre Richtigkeit zu überprüfen. 2005 brachte der Kriegskinderkongress in Frankfurt am Main diese Aufarbeitung ins Rollen. Seitdem hat sich einiges getan und der Satz „Wir stehen erst am Anfang“, den sie in ihrer ersten Auflage geschrieben hat, gilt nun nicht mehr. „Wir stehen nicht mehr am Anfang“, sagt sie nun. Das Thema und die damit verbundenen Zusammenhänge werden sehr gut deutlich. Die Stärke des Buches liegt mit Sicherheit in der Beschreibung der Geschichten der Zeitzeugen, welche die einzelnen Themen sehr gut veranschaulichen. Zwischendurch ist es schwer, eine Gliederung wahrzunehmen, was dem Buch mit Sicherheit geholfen hätte, um die Zusammenhänge und die Botschaft des Buches noch deutlicher werden zu lassen. Für mich hat mit dem Buch eine persönliche Auseinandersetzung begonnen. Wurde bei uns geschwiegen oder gab es Offenheit, über die eigenen Erlebnisse zu reden? Habe ich Fragen gestellt oder bin ich davon ausgegangen, dass meine Großeltern nichts zu erzählen haben? Ich habe beschlossen, mich nicht nur alleine mit den Fragen auseinanderzusetzen und bin auf meine Familie zugegangen. Das Buch betont die Aktualität des Themas. Es geht darum, den Kriegskindern das Altern in Frieden zu ermöglichen und anzuerkennen, was sie erlebt haben und was das für Deutschland und die Demokratie bedeutet. Es wäre fatal, all die Erfahrungen und das Wissen um Geschichte unter den Tisch fallen zu lassen. Zudem gibt es der zweiten und dritten Generation die Möglichkeit, ein besseres Verständnis für ihre Eltern und Großeltern zu entwickeln. Sabine Bode hat in ihrem Buch einen großartigen Umgang mit diesem Thema gefunden. Sie geht sehr respektvoll mit dem Thema und den Menschen um, wobei das Buch dabei nicht an Aussagekraft verliert. Sicherlich hat sie ein heikles Thema angesprochen, sich trotzdem nicht gescheut es zu vertiefen.
Das Buch gibt Einblick in eine für mich oft rätselhafte Generation. Worum es geht:
Es ist wichtig das Leid der Kriegskinder anzuerkennen, mit Vorsicht und ohne rechte Deutungshoheit. Es geht nicht nicht darum, eine neue Opferkultur ins Leben zu rufen oder die deutsche Schuld zu verharmlosen oder Leid gegeneinander aufzuwiegen. Nein, es braucht „nur“ das Mitgefühl für den Schmerz, das Trauma und dessen Folgen für die Generation der Kriegskinder, um aus der moralischen Verpflichtung (wichtig, keine Frage) zu echtem Mitgefühl zu kommen. Wenn der eigene Schmerz so weit ignoriert wird, wie soll dann Raum für Emotionen und Empathie da sein. Zum Beispiel für die heute Geflüchteten. Und das betrifft nicht nur die Kriegskinder, sondern in Teilen auch deren Kinder und Enkelkinder.
Zitat aus dem Buch:
Gleichzeitig war seine [Micha Brumlink] Aussage unmissverständlich. Sie hieß: Das Grauen, das durch die Vernichtungslager auch später noch in den Seelen der der überlebenden Opfer verbreiteten, war weit schwerer zu ertragen als das Nachwirken von Kriegsgewalt, Bomben, Flucht und Hunger. „Gleichwohl ist es wichtig, dass die Deutschen auch ihre eigenen Verletzungen wahrnehmen“, sagte Brumlink, „denn solange dies unterbleibt, können sie nicht wirklich Empathie, sprich einfühlendes Verständnis für andere Opfer entwickeln.“ Dabei hatte er vor allem jene Jahrgänge im Blick, die nun dem Ruhestand [Jahr 2002] zustreben oder sich bereits darin eingerichtet haben.
This book helps the reader to gain an understanding of the "children of war", who for generations have often mutely dragged around the immense burdens from their past with them. Many problems in this generation's life are said to be traced back to experiences during and after the war. What the book does not take into account, however, is that drug addiction, ruined relationships, sadness, and the like are not unique to this generation. One explanation of the problems of this generation may well be the war and the post-war period, but this book offers no help to the people themselves, or their children and grandchildren, other than to offer understanding and commiseration, but not hope, reconciliation, forgiveness or orientation. Dieses Buch hilft dem Leser ein Verständnis für die "Kriegskinder" zu gewinnen, die seit Generationen oft stillschweigend immense Altlasten mit sich herumgeschleppt haben. Viele Probleme in dem Leben dieser Generation sollen auf die Erfahrungen während des Krieges und seit dem Krieg zurückgeführt werden. Was das Buch aber nicht berücksichtigt, ist dass Rauschmittelsucht, zerstörte Verhältnisse, Traurigkeit und dergleichen nicht allein dieser Generation Eigen sind. Eine Erklärung dieser Problem mögen durchaus der Krieg und die Nachkriegszeit sein, den Menschen selbst aber und ihren Kindern und Enkelkindern bietet dieses Buch keine Hilfe an als nur Verständnis und Teilnahme, nicht aber Hoffnung, Versöhnung, Vergebung oder Orientierung.
Illuminating read - there s is such clear logic on the generation of WWII children born between 1930 to 1945 on frantic need to keep things under the carpet: untouched, unresolved and as a result sadly festering. It is very challenging to look at the suffering of that German generation in light of what some of their parents did.... clearly they lived a double whammy.
Need to read the sequel about 'Die Enkelkinder' next.
Das Buch hat mich, geboren 1959 - sehr bewegt. Es hat mir Lebensmuster aufgezeigt, welche meine Eltern, 1932 und 1936 geboren, gewiss auch erlebt haben. Lebensumstände, die sie verdrängt haben, ihre Auswirkungen jedoch heute spürbar sind. Es macht mich versöhnlicher mit Eigenschaften, die manchmal anstrengend sind im Umgang mit dieser Altersgruppe. Dieses Buch hat mein Verständnis geweckt im Umgang und mit Fragen, die man möglicherweise noch heute vorsichtig stellen kann.
Eine Textcollage, die die leiseren Stimmen des Diskurses um den 2. Weltkrieg gehört machen will - erstmal interessant. Die Reflexion der porträtierten Personen und ihren Geschichten war teils etwas flach für mich, an anderen Stellen gab es dann aber wissenschaftliche Verweise, die ich spannend fand. Ich weiß nicht um meine eigene Meinung des Appells am Ende des Buches, aber ich werde bestimmt noch darüber nachdenken. Insbesondere im Kontext deutscher Staatsräson im Fall Nahost.
Habe dieses Buch gekauft, da mein Vater ein Kriegskind ist, und ich ihn besser verstehen wollte. Stattdessen habe ich etwas über eine ganze Generation erfahren, was mich unglaublich bewegt hat. Bode hat hier wirklich einen ausgezeichneten und immens wichtigen Beitrag zur deutschen Aufarbeitung des Krieges geleistet. Jeder Deutsche sollte dieses Buch (und den Rest der Reihe) lesen.
Eindrückliche Erzählungen, leider bleibt die Analyse und Einordung etwas dünn und stereotyp. Seit dem ersten Erscheinen des Buches 2004 ist vieles mehr zum Thema erschienen, damit hat das Buch (nun in der 10.Auflage) offensichtlich ein wichtiges Themenfeld eröffnet.
Für mich eine wichtige Erfahrung dieses, als auch das zweite Buch und damit über die Generationen meiner Großeltern und Eltern zu lesen. In vielen Berichten erkannte ich meine Familienangehörigen wieder und war sehr berührt.
Gute Einsicht in die Psyche der Kriegskinder. Laesst einen viel verstehen ueber die Maengel der Eltern und warum sie so handelten, wie sie es taten. Vielleicht ( hoffentlich) hilft es Beziehungen.
Sabine Bodes Die vergessene Generation beleuchtet ein oft übersehenes Kapitel der deutschen Nachkriegsgeschichte: das Leben der Kriegskinder, die zwischen 1930 und 1945 geboren wurden. Damit auch meiner Großelterngeneration. Während die Aufmerksamkeit lange auf den Kriegsteilnehmern oder den nachfolgenden Generationen lag, zeigt Bode, wie sehr auch jene Kinder von Flucht, Bombenkrieg, Hunger und Entwurzelung geprägt wurden – und wie sich diese Erlebnisse bis ins hohe Alter auswirken.
Bode verbindet sachliche Analyse mit persönlichen Berichten. Viele Kapitel sind durchzogen von eindrücklichen Interviews mit Zeitzeugen, die ihre Erfahrungen oft erst spät im Leben reflektieren konnten. Ihr Stil ist klar und journalistisch, ohne dabei trocken zu wirken. Gelegentlich wiederholen sich einige Erkenntnisse, was das Buch stellenweise etwas langatmig macht, doch insgesamt bleibt es gut lesbar und eindrucksvoll.
Besonders stark ist das Buch in seiner Schilderung der psychischen Langzeitfolgen: die emotionale Distanz vieler Kriegskinder, ihre Schwierigkeiten mit Nähe, ihre Prägung durch Angst und Verdrängung. Bode zeigt auf, dass viele erst im Rentenalter beginnen, ihre Erlebnisse aufzuarbeiten, da das wirtschaftliche Überleben und der Wiederaufbau lange Zeit Vorrang hatten. Diese Perspektive ist hochinteressant und macht das Buch zu einem wichtigen Beitrag in der Aufarbeitung deutscher Nachkriegsschicksale.
Was das Buch besonders relevant macht, ist die Erkenntnis, dass Kriegstraumata nicht mit der betroffenen Generation enden. Viele der Kriegskinder haben unbewusst ihre Ängste und Bewältigungsmechanismen an ihre Kinder und Enkel weitergegeben – sei es durch ein übersteigertes Sicherheitsbedürfnis, emotionale Zurückhaltung oder das Gefühl, sich immer zusammenreißen zu müssen. Damit betrifft das Buch nicht nur die Zeitzeugen selbst, sondern auch ihre Nachkommen, die oft erst viel später merken, wie sehr sie von den Erlebnissen ihrer Eltern und Großeltern geprägt wurden.
Die vergessene Generation ist ein aufschlussreiches und bewegendes Sachbuch, das eine Generation würdigt, die lange im Schatten der Geschichte stand. Wer sich für deutsche Zeitgeschichte und psychologische Langzeitfolgen des Krieges interessiert, findet hier eine wertvolle Lektüre.
Sabine Bode hat ein ganz wunderbares Buch geschrieben, in welchem sie sachlich, aber zugleich einfühlsam die Lebensgeschichten und Hintergründe der zwischen 1930 und 1945 Geborenen ergründet. Besonders gut ist ihr meines Erachtens gelungen, die Balance zwischen "Täter-" und "Opferperspektive" zu halten - natürlich wiegen die Erfahrungen dieser Generation nicht die unfassbaren Leiden der von den Nationalsozialisten verfolgten und getöteten Menschen auf, und eine Aufrechnung überhaupt anzufangen ist unsinnig und destruktiv. Aber das bedeutet nicht, dass die Deutschen, insbesondere die damaligen Kinder, nicht auch gelitten haben.
Meine beiden Großmütter wurden 1930 respektive 1941 geboren. Der Vater der einen starb im Krieg, der andere an den Folgen - nach Jahren russischer Gefangenschaft und für mich heute unvorstellbaren Hungers fraß er sich später regelrecht zu Tode. Einer meiner Großväter wiederum wurde noch kurz vor Kriegsende mit 15 als Kanonenfutter an die Front geschickt und entkam gerade so mit einem Bauchschuss. Er terrorisierte später die gesamte Familie und starb lange vor meiner Geburt an seiner Alkoholsucht.
Ich hatte vorher schon ein vages Gefühl, dass viele der Dynamiken in meiner Familie (und den Familien meiner Freundinnen) immer noch mit dem Krieg verbunden sind. Das Buch hat einen großen Beitrag dazu geleistet, diese Dynamiken besser verstehen und insbesondere mehr Empathie mit meinen Großeltern entwickeln zu können. Auf beide passt in gewisser Weise der Untertitel der "vergessenen Generation". Sie waren stets bescheiden, still, dankbar, diszipliniert. Mit der einen kann ich darüber leider nicht mehr sprechen, da sie seit Jahren an fortschreitender Demenz leidet. Ich habe durch das Buch jedoch den Mut bekommen, meiner anderen Großmutter eine Kopie des Buches zu geben und (hoffentlich) eine Unterhaltung über ihre persönliche Geschichte anzufangen.
I read Bode’s The Forgotten Generation in 2010; it was initially released in 2004. The generation she writes of is no longer forgotten, one reason being that she helped initiate a movement of older Germans, born during WWII, who opened up and shared and cried about their childhoods in a kind of group therapy. They had experienced overwhelmingly confusing years of bombing and deprivation and absent fathers, and then more emotional confusion and denial as adolescents when German society did its best to bury the Nazi past. For me it was important to open up a deeper understanding of my parents-in-law and that generation, as well as to start thinking about deep, unaddressed levels of trauma in German society. It’s an “easy read,” not theoretical but rather full of individual stories. Probably too specific to one generation in Germany to be worth translating into English.
Ich hatte das Buch jetzt schon länger auf meiner Liste. Ich habe es im Urlaub gelesen, da ich dann etwas mehr Raum im Kopf habe. Es ist ein Buch, was jede/r Deutsche/r gelesen haben sollte. Es hat mir geholfen auf die Gesellschaft nochmal von einer anderen Perspektive zu schauen, vor allem aber auf meine Eltern und Großeltern. Ich habe allerdings auch gemerkt, dass ich ein bedrücktes Gefühl bekommen habe mit etwas Hoffnungslosigkeit gemischt, da mir klar wurde, dass eigentlich alle Leute in Deutschland in gewisser Form traumatisiert sind, auch wenn nicht selbst direkt. Dabei frage ich mich, wie es überhaupt wirklich mental gesunde Menschen in diesem Land geben soll. Es hat mich auf jeden Fall sehr beschäftigt und ich bin dankbar, dass dieses Plädoyer für mehr Verständnis geschrieben wurde. Als nächstes werde ich mich den Büchern der anderen Generationen witmen.
Extremely interesting analysis about the traumas of the children of the war. Unbelievable tough stories that make you think how it may have affected your own family. Maybe I miss to put it in the time contest and benchmark with other countries to assess to what degree this is due to the time it happened and to what other degree to feel the guilt. In any case it open your eyes to the enormous difficulties so many people have been facing and the long lasting effects of traumas. Highly recommended
Ein Buch (bzw. Hörbuch), das ein wichtiges Thema zur Sprache bringt: die Traumatisierung der Kinder, die den zweiten Weltkrieg er- und überlebt haben. Welche Folgen das für die heutige Rentner- und Pensionärsgeneration und ihre Nachfahren hat, schildert dieses Buch ziemlich eindrücklich. Meine Einschätzung: lesenswert
Ein unglaublich wichtiges Buch. Ich habe dafür ewig gebraucht, es immer wieder zur Seite gelegt und aus den Augen verloren, aber nun endlich doch beendet. An manchen Stellen hat es mir die Augen geöffnet. Und an vielen Stellen neue Impulse zum Nachdenken über bestimmte Lebensläufe, Lebenseinstellungen und Beziehungen in meiner Familie gegeben.
Sehr gutes Buch. Ich habe viel über meine Eltern und meine Erziehung gelernt und mir ist deutlich klarer, wie ich ihr Leben und Handeln einschätzen muss.
Leider kann ich sie nicht mehr zu ihrer Kindheit befragen.