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Das Leben ist schmutzig

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Julia Wawerka zieht ihren Sohn alleine groß und hält das ganze Mietshaus in Schuss. Als oben die heitere Daniela einzieht, geht für Julia die Sonne auf. Doch dann wird die junge Frau überfallen, und es scheint, dass ein Stalker es auf sie abgesehen hatAuf Leben und Tod
Das alte Gründerzeithaus steht in einer namenlosen Vorstadt. Es bildet Kulisse und Rahmen für einen Spannungsroman, dessen souveräne, eigenwillige Erzählweise mit unwiderstehlichem Sog ins Leben der Hausbewohner hineinzieht.
Das Kaleidoskop dieses Lebens beginnt bei Markus, dem Sohn der Hausbesorgerin. Und das erste (wenn auch nicht letzte) Opfer ist ein Frauenhaarfarn, den Markus auf dem Gewissen hat: definitiv tot.
Markus Mutter Julia Wawerka hat sehr jung geheiratet. Ihren Mann, den Säufer und Schläger, wirft sie nach vielen Jahren des Erduldens hinaus. Sorgt allein für Markus, hält das ganze Haus in Schuss und geht Büros putzen. Doch als im ersten Stock die heitere Daniela einzieht, geht für Julia die Sonne auf
Nach und nach lernen wir die Mieter kennen, spüren ihre Vorbehalte und Ängste, ahnen verborgene Vorgeschichten.
Plötzlich wird Daniela auf offener Straße niedergeschlagen. Stand sie zufällig im Weg, als ein Bankräuber zu fliehen versuchte, oder steckt mehr dahinter? Stumme Anrufe lassen befürchten, dass ein Stalker die junge Frau im Visier hat. Und dann findet der zerbrechliche Hausfrieden jäh ein gewaltsames Ende: Mord!
In ausdrucksvollen Schnitten eröffnet sich hier das Panorama eines Hauses, seiner Bewohner und verschiedener Verbrechen, die raffiniert miteinander verwoben sind. Die Charaktere sind Typen und zugleich einzigartig, die leise Spannung geht nachhaltig unter die Haut: "Das Leben ist schmutzig" ist ein originelles und enorm sprachstarkes Debüt, das sofort packt und bis zur letzten Seite nicht mehr loslässt.

285 pages, Paperback

First published January 1, 2011

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About the author

Anne Goldmann

8 books1 follower
Anne Goldmann, geboren 1961, ist in einer Großfamilie auf dem Land aufgewachsen. Sie hat schon früh geschrieben, zwei Literaturwettbewerbe gewonnen, ein paar Texte veröffentlicht, später alles verworfen, weggeworfen - und das Schreiben erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt. Die Autorin hat als Kellnerin, Küchenhilfe und Zimmermädchen gejobbt, um ihre Ausbildung zur Sozialarbeiterin zu finanzieren. Sie hat einige Jahre in einer Justizanstalt gearbeitet. Derzeit betreut sie Straffällige in der Zeit nach der Haft.

Foto © Erich Leonhard

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Profile Image for David Ramirer.
Author 8 books42 followers
April 23, 2013
die meisten krimis bieten ein ähnliches strickmuster: (mindestens) ein mord passiert, ein/e kommissar/in taucht auf und arbeitet verbissen an der aufklärung, der täter wird gefasst (oder auch nicht).

nicht so hier: der leser zieht am beginn des buches als bewohner eines gründerzeithauses in die handlung ein. er erfährt mitlebend und in rückerinnerungen der bewohner des hauses, was in deren leben die zentralen erfahrungsachsen bildet, die sich naturgemäß mit den anderen bewohnerachsen auf manigfaltige weise verknüpfen. anne goldmann schildert mit liebender zuneigung und viel klarer genauigkeit jeden einzelnen von ihnen. egal, ob es sich um einen pubertierenden bub, seine ihr leben neu ausrichtende mutter (die es, in wien unfassbar genug: schafft, sich aus dem verpuppungsstadium der hausmeisterei herauszuarbeiten), die alte dame mit dem hund, den briefträger und seinen mit ihm verfeindeten nachbarn handelt: alle werden sie von goldmann ernst genommen und trotz all ihrer unrundheiten und schwächen umfassend abgebildet.
bestechend bei all dem ist ihre klare sprache. bisweilen wird die sprache der figuren selbst verwendet und angedeutet, um eine perspektivänderung nachvollziehbar zu machen, doch auch dann bleibt alles knapp genug, um nichts offenzulassen und offen genug, um die fantasie des lesers nicht einzuschränken. zwischen all diesen ereignissen aus den unterschiedlichsten blickwinkeln bildet sich zwischen den vignettenhaften absätzen eine musikalische spannung, die als spannungsbogen sehr subtil durch das buch führt. ein bisschen erinnert diese spannung an die oberflächenspannung des wassers, in dessen struktur sich alles mit allem vernetzt, wie in diesem haus, das den hintergrund der handlung bildet.

die bezeichnung "krimi" passt meineserachtens nicht optimal, da die gewohnten chiffren des kriminalromans kaum zu erkennen sind und von der nahezu ständig nahe am kriminal schrammenden oberfläche des lebens selbst überdeckt werden; wenn in dieser in sich stimmigen umgebung ein mord geschieht (und der kommt schon auch vor!), dann passt sich auch dieser wie von selbst in die umgebung ein, mit all seiner bedeutung, mit all seinen auswirkungen, mit all seinen kreisen, die er zieht... wie ein stein, den man ins wasser wirft, wellen macht.

verlage und der buchmarkt brauchen genres: dieses buch benötigt nichts mehr, weil es schon alles hat.
also daher eine vollkommene leseempfehlung - nicht nur für krimifreunde, sondern auch für menschen, die einfach gute literatur schätzen, die mit der schilderung der oberfläche nicht zufrieden bleibt.
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