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Sinn und die Sinne: Eine Geschichte der Medien

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Dies ist ein schweres, aber kein schwieriges Buch. Tatsächlich wiegt Der Sinn der Sinne einiges mehr als ein Buch vergleichbarer Größe, wodurch es einzigartig gut in der Hand liegt. Allein für das Design also verdient dieses Prachtstück aus der Anderen Bibliothek einige Sonderpunkte. Auf den Innenseiten des Einbands finden wir zudem ein Bildschirmfoto des Papstes, entnommen aus einer Sendung des Bayerischen (!) Fernsehens. Was zunächst nur nach einem billigen Trick aussieht, erscheint nach der Lektüre von Jochen Hörischs Mediengeschichte nur konsequent, lässt sich diese Geschichte doch nach Ansicht des Autors auf den Dreischritt "Hostie -- Münze -- CD-Rom" verkürzen.

Damit sind nicht nur die zentralen Medien der westlichen Kultur vom Beginn des Christentums bis zum Internet genannt, sondern auch die Organisation des Sinnes und der Sinne, die diesen Medien eigen ist. Die Hostie dient der Kommunikation als Kommunion mit Gott, die Münze dem freien Tausch und Austausch von Waren und Bedeutungen als Zeichen, während die schillernden Scheiben der digitalen Kultur Information, Sinn und Bedeutung auf die Differenz des binären Kodes "0-1" reduzieren. Und während Hostie und Münze die Sinne im Glauben an einen Sinn zu bändigen versuchten -- sei es an Gott oder aber an den schnöden Mammon --, liegt der Sinn der elektronischen Medienkultur allein in ihren sinnlichen Effekten: Die Medien als Massage.

Seriöse Kommunikationswissenschaftler und gestandene Germanisten werden eher irritiert auf Hörischs Rundumschlag reagieren, denn der Autor hat sich bemüht ein flottes, unterhaltsames Buch zu schreiben, mit vielen, fett hervorgehobenen Schlagworten. Mit Gusto setzt Hörisch auf Provokation, eingängige Polemik und unterfüttert das Ganze mit einer Fülle zahlreicher Details aus Literatur- und Kulturgeschichte. Daher empfiehlt sich der Band auch mehr als äußerst reichhaltiges Kompendium für geisteswissenschaftliche Grenzgänger und Lustleser, die auch bereit sind, den (nicht immer überzeugenden) Wortwitz des Autoren zumindest noch sinnlich anregend zu finden. --Peter Schneck

437 pages, Hardcover

Published September 1, 2002

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Jochen Hörisch

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