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Damit sind nicht nur die zentralen Medien der westlichen Kultur vom Beginn des Christentums bis zum Internet genannt, sondern auch die Organisation des Sinnes und der Sinne, die diesen Medien eigen ist. Die Hostie dient der Kommunikation als Kommunion mit Gott, die Münze dem freien Tausch und Austausch von Waren und Bedeutungen als Zeichen, während die schillernden Scheiben der digitalen Kultur Information, Sinn und Bedeutung auf die Differenz des binären Kodes "0-1" reduzieren. Und während Hostie und Münze die Sinne im Glauben an einen Sinn zu bändigen versuchten -- sei es an Gott oder aber an den schnöden Mammon --, liegt der Sinn der elektronischen Medienkultur allein in ihren sinnlichen Effekten: Die Medien als Massage.
Seriöse Kommunikationswissenschaftler und gestandene Germanisten werden eher irritiert auf Hörischs Rundumschlag reagieren, denn der Autor hat sich bemüht ein flottes, unterhaltsames Buch zu schreiben, mit vielen, fett hervorgehobenen Schlagworten. Mit Gusto setzt Hörisch auf Provokation, eingängige Polemik und unterfüttert das Ganze mit einer Fülle zahlreicher Details aus Literatur- und Kulturgeschichte. Daher empfiehlt sich der Band auch mehr als äußerst reichhaltiges Kompendium für geisteswissenschaftliche Grenzgänger und Lustleser, die auch bereit sind, den (nicht immer überzeugenden) Wortwitz des Autoren zumindest noch sinnlich anregend zu finden. --Peter Schneck
437 pages, Hardcover
Published September 1, 2002