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Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?

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Véro, 13, hat es nicht leicht: Ihre wechselnden Lover sind notorisch untreu,ihr Bruder ist ein Ekel, und jetzt soll sie auch noch ihr Zimmer räumen, weil ihre Oma dort einzieht. Und die leidet an Alzheimer. Innerhalb kürzester Zeit ist das Familienleben komplett auf den Kopf gestellt. Omama plündert nachts die Küche, hortet Unmengen Schokoriegel und Silberlöffel unter ihrem Bett, weil sie glaubt, dass der Krieg noch immer
andauert, telefoniert stundenlang ins Ausland oder löscht versehentlich extrem wichtige Dateien auf Mamans Computer ...
Virtuos, liebevoll, mit hinreißendem Humor und ohne jede Sentimentalität schildert Hervé Jaouen das turbulente Leben einer ganz normalen Familie, die auch die absurdesten Situationen mit Bravour meistert. Ein herrlich positives Buch über ein ernstes Thema. "Eine mit Wärme und Respekt geschriebene Familienchronik, die ein ernstes und schmerzhaftes Thema mit Zartheit und Humor angeht." Je Bouquine

192 pages, Hardcover

First published January 1, 2002

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About the author

Hervé Jaouen

95 books
Hervé Jaouen commence à publier à la fin des années 70. Très vite reconnu comme l’un des maîtres du roman noir français, il s’aventure jusqu’aux limites du genre et, sans le renier, en saute les frontières pour donner à lire aujourd’hui une œuvre variée, riche d’une cinquantaine de titres, romans, polars, notes de voyage et de livres pour la jeunesse.

La Bretagne et l’Irlande sont ses principales sources d’inspiration.

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Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Alexandra.
128 reviews112 followers
April 11, 2013
Wenn ich mich recht erinnere, war es ein Brand, der die Ereignisse beschleunigt hat...

... Mit diesem ersten Satz beginnt die dreizehn-jährige Véro ihre Erzählung über das Leben mir Omama Bénédicte Lavielle.
Der Brand in Omama's Haus verändert das ganze Leben von Véro's Familie, denn Sie müssen sich eingestehen, dass Oma dringend in Behandlung sollte. Sie wird vergesslich, was der Brand eindeutig bewies, bei dem Sie das auf den Herd aufgestellte Essen völlig aus dem Gedächtnis verbannte und statt dessen Rosen schneiden ging.
Omama zieht in das Haus ihrer Tochter ein und Véro, ihre Enkelin, muss ihr Zimmer räumen. Zuerst enttäuscht darüber, gewöhnt sie sich doch schnell an die neuen Umstände. Doch Omamas Zustand verschlechtert sich immer mehr. Der Arzt redet von der Alzheimerkrankheit.
Sie räumt nachts die Schränke aus, Besteck und Toilettenpapier hortet sie unter dem Bett, sie telefoniert stundenlang ins Ausland und möchte unbedingt auf dem Schwarzmarkt einkaufen, denn für sie ist immer noch Krieg.
Doch die Familie lässt sich nicht erschüttern und stehen Omama trotz aller skurriler Aktivitäten zur Seite und beschäftigen sich mit ihr - und lernen sie dadurch auf eine ganz neue Weise kennen, bekommen plötzlich einen Einblick in das vergangene aufregende Leben der Bénédicte Lavielle

Meine Gedanken zu dem Buch:
"Pardon, Monsieur, ist dieser Hund blind?", im französischen Original "Mamie mémoire" wurde 2000 mit dem Prix Chronos, 2001 mit dem Prix des Incorruptibles ausgezeichnet und 2006 als Theaterstück adaptiert. Das erfolgreiche Buch gehört inzwischen sogar zur Pflichtlektüre in den französischen Collèges.
Als ich auf diesen Buch aufmerksam wurde, ist mir dieser letzte Satz in der Autoren-Vita gleich ins Auge gefallen und ich wurde neugierig auf die Geschichte. Und nachdem ich dieses Buch zugeschlagen habe, verstehe ich dies sehr gut und finde, dass es sich auch hierzulande sehr gut als Schullektüre eigenen würde.
Hervé Jaouen befasst sich in seinem Jugendroman auf äußerst einfühlsame und liebevolle Weise mit der an sich so schweren Thematik der Alzheimerkrankheit [1]. Er schafft es, das Thema leicht zu verpacken, was unter anderem auch an dem begeisternden und herzlich-ironischen Humor der Erzählerin Véro liegt, die man sofort liebgewinnt. Sie widmet diese Erzählung voll und ganz ihrer Omama, zollt ihr Respekt und stellt ihre eigenen, jugendlich-typischen Sorgen in den Hintergrund. Mal kurz angesprochen, beendet sie dies auch schnell wieder ( "aber lassen wir das!") und widmet sie sich fast umgehend wieder der Geschichte ihrer Oma. Schnörkellos, ohne zu viel Sentimentalität berichtet sie aus dem plötzlich sehr turbulenten Familienleben - und das auf eine solch erfrischende und auch sehr humorvolle Art und Weise, dass man trotz der Ernsthaftigkeit immer wieder schmunzeln muss.
Und genau dies macht das Buch zu etwas Besonderem! Denn trotz allem macht man sich als Leser seine Gedanken zur Krankheit selbst, zu den Folgen und man wird sehr sensibel für die Thematik.
Anhand dieser Geschichte kann man sehr gut sehen, dass man auch auf eine sehr leichte Weise zum Nach- und Mitdenken angeregt werden kann, dass man sich mit dem Thema beschäftigen kann, ohne zu sehr belastet zu werden. Diese liebevolle Geschichte, die der Omama Bénédicte gewidmet wurde, geht dem Leser ans Herz und berührt - das ist sicher. Aber sie legt sich nicht so schwer auf das Herz, wie es manch andere Geschichten dieser Art tun. Und so können sich auch schon junge Leser etwas befreiter und leichter mit dem Thema Alzheimer beschäftigen. Ich denke, sie macht sensibler für das eigene Umfeld. Der ein oder andere kennt bestimmt jemanden, der dieser leider mittlerweile sehr verbreiteten Krankheit verfallen ist und sieht vielleicht manche Dinge aus einem anderen Blickwinkel.
Die Familie lernt ihre Omama nochmals auf eine ganz neue Weise kennen, und erhält neue Einblicke in deren Vergangenheit, sie finden alte Schätze, alte Liebesbriefe, die der Schlüssel zu Omas Gedächtnis sind und so entsteht Zug um Zug eine Art Biografie über das vergangene Leben. Die Krankheit nimmt Oma mit, aber die Familie lernt trotz allem mehr über sie kennen als in all den Jahren zuvor.

"Omama hat kein Gefühl mehr für die Jahreszeiten. Das muss furchtbar sein."
"Nein. Weil die Jahreszeiten in ihrem Kopf in Lichtgeschwindigkeit vorüberziehen. Sie weiß seitdem nicht mehr, dass sie sterblich ist. Omama lebt im Paradies der vier Jahreszeiten, die sich unaufhörlich abwechseln."
Seite 173

Kurz & gut - mein persönliches Fazit
Mich konnte dieser Roman voll und ganz begeistern. Die Art und Weise, wie der Autor dies schwere Thema an- und verpackt hat, fasziniert mich, denn ich musste beim Lesen viel lachen und habe trotzdem zu keiner Sekunde die Ernsthaftigkeit dieses Buches in Frage gestellt. Der Autor hat es wunderbar geschafft, die Botschaft des Buches ganz subtil an den Leser zu bringen. In Frankreich ist dieses Werk schon zur Schul-Pflichtlektüre geworden - und ich wünsche mir auch hierzulande sehr viel mehr Aufmerksamkeit für dieses tolle Buch! Meine klare Leseempfehlung!
Bisher gibt es leider keine weiteren übersetzen Werke dieses Autors, was ich sehr schade finde, denn ich bin auf Weiteres aus seiner Feder neugierig geworden.

© Rezension: Alexandra
buecherkaffee.blogspot.de
7 reviews
December 29, 2013
Ein herzerfrischender Beleg dafür, daß geglaubte Sichtweisen nicht immer Bestand haben müssen.
Und daß sich ein Blick über den Tellerrand immer wieder lohnt ...
Profile Image for Buchdoktor.
2,477 reviews198 followers
January 13, 2014
Véros Omama kann wegen fortschreitender Alzheimererkrankung nicht mehr allein in ihrem Haus leben und so beginnen für die dreizehnjährige Icherzählerin die Sommerferien damit, dass Omama in Véros ehemaliges Kinderzimmer zieht. Mit einem Philosophielehrer als Vater und einem "Blödmann" von großem Bruder geschlagen, übernimmt Véro mit bemerkenswerter Ironie, dabei stets liebevoll, die Berichterstattung über ihr reichlich unruhiges Familienleben. Betroffene Familienangehörige werden ahnen, dass auf diesen Sommer viel zu schnell Herbst und Winter folgen werden und es Véros Familie dann sehr schwer fallen wird, die Auswirkungen der Alzheimererkrankung noch mit Humor zu nehmen. Véro erkennt schon gleich zu Beginn, dass ihre Mutter alles andere als amüsiert auf Omas nächtliche Eskapaden reagiert, sich jedoch mit aller Kraft darum bemüht, nicht aus der Rolle der Betreuenden zu fallen. Doch noch wahrt Omama die Contenance, obwohl sie nur selten die Familienmitglieder richtig benennen kann. Wenn ihr Schwiegersohn sie in dem Glauben bestätigt, dass er als Wilderer für Fleisch auf der Tafel sorgt, hat das anschließende Lachen tatsächlich etwas Befreiendes. Bisher ist Véro die Einzige, die Einblick in die Fotoalben und die Liebesbriefe ihrer Großmutter hat, die von einem bemerkenswerten Leben erzählen, in dem Hemingway persönlich und ein Torero entscheidende Rollen spielen.

Véros Ironie hat mir anfangs Schwierigkeiten bereitet, weil Witzeleien eher von Familienangehörigen oder guten Freundinnen verstanden werden und mir nicht der passende Gesprächston gegenüber einem fremden Leser schienen. Doch wie Omama bereits völlig das Gedächtnis eingebüßt hat, aber immer noch standesgemäß bei den Mahlzeiten der Familientafel vorsitzt, obwohl alles so knapp ist im - ihrer Ansicht nach - von den Deutschen besetzten Frankreich - finde ich so aufmerksam beobachtet und liebevoll beschrieben, dass ich mich im Laufe der Geschichte mit Véros Ton versöhnt habe. Einen ironischen Text in eine andere Sprache zu übersetzen, muss ein hartes Brot für jeden Übersetzer sein. Der Roman, der Pflichtlektüre französischer Schüler ist, richtet sich an Leser ab 12. Ich empfehle ihn auch jedem Erwachsenen, der sich einer humorvollen Betrachtung der Altersdemenz gewachsen fühlt.
Profile Image for Ayxan.
545 reviews25 followers
January 25, 2023
Anfangs fand ich es tatsächlich eher nicht so mein Ding, aber ich bin froh, weitergelesen zu haben. Ich kenne mich selbst kaum mit Alzheimer/Demenz aus, da ich keinen persönlich kenne, der das hat. Aber ich finde, das Buch hat die unheilbare Krankheit schon recht gut dargestellt, und Omama kam recht authentisch rüber. Vielleicht hat der Autor ja aus eigenen Erfahrungen geschrieben; das könnte hinkommen.

Ich finde es auf jeden Fall eine nette kleine Geschichte, die über Familien Probleme redet und auch wenn Demenz mehr oder weniger das Hauptthema ist – da die Protagonistin auch immer wieder anmerkt, dass das Buch ihrer Oma gewidmet ist –, hat es dennoch andere Themen wie: Liebesdrama im Teenager Alter (die Protagonistin ist 13), Streitereien zwischen den einzelnen Familien (Eltern vs. Onkel/Tanten), usw.
Familie ist also definitiv eher das Hauptthema.

Ich find auch das Ende recht interessant, da dies ziemlich abrupt endet, zumindest nicht wirklich abgerundet.

Außerdem liebe ich die Metaphern, die für Omama’s Krankheit genommen wurden, damit es junge Leser auch verstehen. Ich weiß zwar was Demenz ist und was es mit einem macht, aber durch die süßen Metaphern konnte ich es mir sogar noch besser vorstellen und ich finde auch, dass diese wirklich interessant erklärt wurden!
Auf jeden Fall für’s Vorlesen geeignet und es hat nachdenkliche Zitate.

(~ 2020 gelesen und Review geschrieben, nur vergessen hier zu posten.)
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