In seinem neusten Buch zeichnet Autor Daniel Ryser das Leben von Andres Andrekson nach. Was Rapper Stress ihm erzählt, ist «krasser als vieles, was ich als Reporter bisher gehört habe». Schlag auf Schlag beschreibt der Reporter Andreksons Kindheit im von den Russen okkupierten Estland, Flucht und Ankommen in der Schweiz. Er verwebt schillernde Liebesbeziehungen mit Schlägen des Vaters und Goldstatus, schreibt so ganz nebenher ein Stück Schweizer Musikgeschichte. Dabei offenbart Ryser einen Menschen, der ganz oben ankommt und zugleich ständig gegen den Terror kämpft, der sein Leben durchtränkt hat.
Als Schweizer Person weiss man, wer Stress ist. Wie sehr er dieses Land seit den 90er Jahren mit französischem Rap prägte und warum die Wahl des Künstlernamens auf diesen Dysphemismus fiel, wird durch diese sprachlich sehr klare und kurze Biographie einsichtig erläutert. Dieser Mann legte sich praktisch im Alleingang mit der hiesigen faschistischen Partei der SVP an und verstand es seine laute Stimme politisch seditiös zu nutzen. Die Realisation, dass ein solch starker west-schweizer Wirbelwind, der dem Rechtspopulismus die Leviten liest, genau derzeit so dringend gebraucht wird, stimmt mich nostalgisch und zollt meinen vollsten Respekt für die Schöpfungen dieses Künstlers.
(Anmerkung: Der Journalist und Autor dieses Buches, Daniel Ryser, wurde in diesem Jahr von der Zeitung 'Republik' entlassen, aufgrund mehrerer Vorwürfe sexueller Übergriffe.)