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Doch wo steht das alles geschrieben? Zwischen den Buchdeckeln jedenfalls findet man nur ein relativ zusammenhangloses Sammelsurium nicht mehr ganz taufrischer Beiträge für diverse Feuilletons. Einige Redemanuskripte noch, darunter auch der 1995 in der FAZ veröffentlichte Vortrag über die nationale Homogenisierung, Entdifferenzierung und Selbstzerstörung Europas, mit dem sich der Politikwissenschaftler und Historiker am Otto-Suhr-Institut habilitierte. Das Gros der 27 Texte stellt jedoch Artikel aus seiner Tätigkeit für die Berliner Zeitung -- überwiegend verfasst aus tagesaktuellem Anlass, was kaum zu verhehlen ist. Dabei gefiel sich der Ex-taz-Redakteur (und Rotbuch-Autor) offenbar in der Rolle des Oberlehrers, der, abgeklärt durch seine Vergangenheit im Milieu der "linkskonform in sich ruhenden Rechthaber" der Alt-BRD nun mit dem Habitus eines erleuchteten Renegaten den "treudeutschen Linkshabern" in der Stammleserschaft der früheren SED-Bezirkspostille Lektionen über die faktischen Ungewissheiten historischer "Wahrheiten" erteilte.
Dies alles soll nicht heißen, dass der Mann nichts Intelligentes zu sagen hätte. Doch obwohl im Buch zum Schluss die Sache mit der NS-Ideologie als typische egalitäre Sozialutopie des 20. Jahrhunderts auftaucht, bleibt ein Nachgeschmack von Etikettenschwindel. Handelt es sich hier doch uneingestandenermaßen um nichts anderes als eine aus gegebenem Anlass zusammengeschusterte Art "Best of Aly". Vielen Lesern mag das Gewinn bringen, doch sollte dies auch klar gemacht werden. --Roland Detsch
Hardcover
Published January 1, 2003