Wenn dir das Leben die Hand reicht, greife zu - Erfolg, Ruhm, Sex, schöne Dinge. Als der Student Gumbo eines Nachts in einem Hamburger Szenelokal von der Werberin Barbara aufgelesen wird, um tags darauf in ihren Latexlaken aufzuwachen, glaubt er sich vor seinem endgültigen Durchbruch. Doch das Leben ist bitter, Erfolg und schöner Schein entpuppen sich nur zu oft als bloßer Tand, dem die Seele fehlt. Ob der Erfolg nun winkt oder nicht: Gumbo ist längst Opfer der alles verschlingenden WIR-MASCHINE. Bissig, sarkastisch zeichnet Joachim Bessing das Porträt einer verlorenen Welt. Seine WIR-MASCHINE ist die Metapher einer entmenschlichten Glücks- und Erfolgsideologie, verhängnisvoll geschmückt mit Glamour, Geld, sex & drugs, großen Worten und wirren Ideen.
»Einer hat mir einmal von seinem Vater erzählt«, sagt Bernd. »Sie hatten im Osten gelebt, zu Mauerzeiten, und der Vater war Soldat. Er hat das Härteste gemacht, was es gibt in der Armee: Er war Minentaucher. Minentaucher sind eine Eliteeinheit, nur die Kräftigsten, die Furchtlosesten kommen da hin. Das liegt nicht an den Minen, an der Gefahr, da eine davon hochgeht - es ist ihr Kampf gegen das Wasser, der so hart ist. Im Winter mußten sie nachts raus in die Ostsee. In Schutzanzügen, aber das brachte fast nichts. Lange Zeit mußten sie in der kalten See unten bleiben, erst wenn sie sich kaum noch rühren konnten, durften sie zurück an Deck. Der Vater erzählte von einem großen Kasten, in den wurden die Steifgefrorenen von ihnen gebracht. In die Innenwände des Kastens und in seinen Deckel waren dicht an dicht starke Glühbirnen eingeschraubt. Die wurden angeschaltet, sobald einer hineingehievt war, und der Deckel verschlossen. Das Licht erwärmte den Körper des Tauchers im Innern des Kastens. Langsam wurde er so wieder aufgetaut; seine Lebensgeister kehrten zurück.« »Aber war das denn nicht unheimlich hell da drin?«