Mai 1945, kurz vor Kriegsende: Zwei Marinesoldaten begehen im besetzten Dänemark Fahnenflucht, weil es sie nach Hause statt in den Endkampf um Berlin zieht. Wenige Stunden später werden sie der deutschen Wehrmacht übergeben und später vor ein Marinegericht gestellt. Das Urteil – Tod durch Erschießen – wird am Tag nach der bedingungslosen Kapitulation gefällt. Jochen Missfeldt erzählt von diesem historisch belegten Geschehen, das ebenso unsinnig wie tragisch ist, in seiner kraftvollen und zugleich poetischen, reichen Sprache.
Ein eindrucksvolles Buch voller Poesie und harter Wirklichkeit. 2 junge Marinesoldaten wollen, nachdem der Krieg bereits aus ist, die bedingungslose Kapitulation jedoch noch aussteht, zu ihren Müttern nach Hause. Sie werden jedoch gefasst und dem Marinerichter überstellt und kurzerhand, ohne das vorgeschriebene procedere zum Tode verurteilt. Jochen Missfeldt ist ein Meister der Worte. Vor den Augen des Lesers lässt er die Zeit im Kinderschiff in blumiger Ausführung entstehen. Man riecht das Meer, das Heu, spürt die Sonne. Aber auch die Traurigkeit und Ausweglosigkeit der Menschen, die, losgelöst von bisherigen, klar vorgegebenen Handlungsweisen versuchen das Richtige zu tun und es ist doch falsch.
Ein Buch das an die Nieren geht aber auch beschwingt und träumerisch macht.
[dbp ’05-longlist] Steilküste ist es nun das zweite Buch meiner dbp Longlist-2005-Challenge und leider auch das zweite, das mich enttäuscht zurücklässt. Jochen Missfeldt setzt stark auf Atmosphäre: Norddeutsche Küste, Melancholie, Vergangenheit. Das ist stimmungsvoll gemeint, wirkt aber schnell schwerfällig und unerquicklich. Die Sprache ist durchgehend ernst, dunkel und bedeutungsschwanger, ohne wirklich Tiefe zu entwickeln. Figuren bleiben auf Distanz, Konflikte werden eher umkreist als erzählt. Statt Spannung entsteht Stillstand – was zur Metapher der Steilküste passen mag, die Lektüre aber zäh macht. Am Ende frage ich mich erneut, wie dieses Buch auf die Longlist des Deutschen Buchpreises kommen konnte????