Auch wer zwischen allen Stühlen sitzt, kann noch vom Barhocker fallen
Doris Kindermann, Anfang dreißig, arbeitet in einem Kölner Jugendzentrum (für Doris »das Brüssel für Diplomsozialarbeiter«). In dem gibt es nichts außer überangepassten Teenagern und Ärger über die Kollegen. Als Ausgleich kehrt Doris immer öfter in ihrer Stammkneipe »Dead Horst« ein, um sich den schwer erziehbaren Erwachsenen zu dem stets genervten Barkeeper Toddy, dem schwermütigen russischen Ex-Olympioniken Vladimir und nicht zuletzt ihrer besten Freundin Katja sowie ihrem Noch-Ex-Freund Gunnar. Doris will allen helfen – und scheitert gnadenlos. Endlich mal kein fröhlich-frecher Frauenroman, sondern eine mit brillantem Witz erzählte Achterbahnfahrt zwischen Schwerenötern, Schwermut und Schwermetall.
4,5 Sterne Sehr unterhaltsam zu lesender Roman mit einer zynisch-witzigen Erzählerin und jeder Menge interessanter Nebenfiguren. Wer schon mal eine Stammkneipe oder -club hatte, die defizitär aber hingebungsvoll betrieben werden, fühlt sich am Tresen des "Dead Horst", dem Dreh- und Angelpunkt des Buches, sofort heimisch. Und auch wenn es anfangs eher locker flockig zugeht, wird es gegen Ende hin doch noch tiefgründiger. Das wäre auch mein einziger Kritikpunkt, denn die "Enthüllungen" über Dokis Vergangenheit bzw. andere Dinge kommen sehr spät. Allerdings wäre das durchaus ein Anlass, das Buch ein zweites Mal mit diesem Wissen zu lesen.