Jump to ratings and reviews
Rate this book

A Theory of Narrative

Rate this book
The purpose of this book is to provide a clear and systematic account of the complexities of fictional narration which result from the shifting relationship in all storytelling between the story itself and the way it is told.

Hardcover

First published January 1, 1979

2 people are currently reading
37 people want to read

About the author

Franz K. Stanzel

11 books6 followers

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
5 (21%)
4 stars
11 (47%)
3 stars
4 (17%)
2 stars
3 (13%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 - 4 of 4 reviews
Profile Image for Anna Carina.
689 reviews359 followers
March 28, 2025
4,5 Sterne

Ein Sachbuch das überhaupt nicht kompliziert mit Fachbegriffen um sich wirft, sondern sehr anschaulich, an vielen Beispielen die verschiedenen Erzählsituationen beleuchtet.

Ein paar Aspekte die für mich sehr produktiv und interessant waren:

Die Mittelbarkeit

"Die Überlagerung der Mittelbarkeit durch die Illusion der Unmittelbarkeit ist demnach das auszeichnende Merkmal der personalen ES" (S16)

"Mitteilbarkeit ist der wichtigste Ansatzpunkt für die Durchformung eines Stoffes durch den Autor einer erzählenden Dichtung"
(S17)


Sie erhöht die Literarizität, wie man an
Don Quijote , Tristam Shandy, Madame Bovary oder Ulysses nachvollziehen kann.

Ungewöhnlich gestaltete Mittelbarkeit erhöht die Komplexität des Sinngefüges einer Erzählung- Bedeutungsschichten und Facetten mehren sich.
Hierzu gehört die Deviation (Abweichung von der Norm, Verfremdungseffekte), die von
W. Burroughs, John Barth, Thomas Pynchon und Kurt Vonnegut jr. genutzt wird.

Ein spezieller Verfremdungseffekt ist im "Point of View" zu finden. Der "Noueveau Roman" spielt z.B. damit wie Robbe Grillet in "la Jalousie" -> "Camera Eye Technik":

"Dient bei Robbe-Grillet die „Camera Eye"-Technik in erster Linie der Verdinglichung und Entpersönlichung der Wahrnehmung und Darstellung der Wirklichkeit, so setzt S. Beckett sie hauptsächlich dazu ein, die Persönlichkeit des Bewußtseinsträgers, den wir an der Stelle, wo die Kamera aufnimmt, annehmen müssen, auf einige wenige Funktionen des Existierens zu reduzieren. Eine dieser Funktionen scheint die Fähigkeit zur Wahrnehmung der Kontinuität und der kausalen Zusammenhänge im Ablauf eines Vorganges zu sein. Das Bild des „Camera Eye" ist daher auch für die späten Prosastücke Becketts, publiziert unter dem Titel Residua,5° nicht mehr recht anwendbar. Die Kamera dieser Prosastücke filmt nämlich nicht mehr kontinuierlich, sondern scheint eher kaleidoskopartig Aufnahme an Aufnahme zu reihen. Die syntaktischen Beziehungen zwischen den Satzteilen sind daher größtenteils ausgespart. Die Radikalität der Reduktion, die bereits in der Trilogie Molloy. Malone Dies. The Unnamable von Roman zu Roman zugenommen hat, eskaliert in den späten Fragmenten von „Enough" über „Imagination Dead Imagine" zu „Ping" sprunghaft.
In der anscheinend sinnlosen Wortsequenz „Ping", die nur durch das ständig wiederkehrende Lautsignal ,Ping' interpungiert wird, sind alle drei Grundoppositionen unseres Systems unbestimmt gelassen: Ich-oder Er-Bezug? Innen- oder Außenperspektive? Erzählerfigur oder Reflektorfigur? Die totale Reduktion des Erzählvorganges entspricht der ebenso totalen Reduktion der Persönlichkeit des Bewußtseinsträgers, auf den diese Wortsequenz eventuell zurückzuführen ist."


Vom Point of View unterscheidet er zwischen Perspektivismus und Aperspektivismus.
Der viktorianische Roman, wie zb. Middlemarch, wird hauptsächlich aperspektivisch geschrieben: Schilderung Innenraum, Landschaft bekommen wenig Aufmerksamkeit, Werturteile , Abgrenzung der Haltung von Figuren zum Erzähler bleibt unscharf .
Wir haben also eine perspektivische Trennung der Ansichten des Erzählers und der Charaktere.

Flaubert war einer der Ersten der die Perspektivierung mittels einer personalen ES eingeführt hat.
Fragen der Lebenspraxis wurden dadurch radikalisiert oder neu aufgeworfen.

Stanzel wandert gegen Ende des Buches zu seinem Typenkreis über, der ein Formenkontinuum darstellt. Er veranschaulicht wie die graduellen Übergänge insbesondere der Erzählperspektive - Auktorial, Ich- ES und personales-ES über fließende Zwischenformen in den Werken umgesetzt werden und welche Effekte diese erzielen.

Besonders spannend und neu für mich die erlebte Rede in der Ich-Erzählsituation in "der Steppenwolf" von Hermann Hesse.

"Weiters stellt Cohn fest, daß sich „die erlebte Rede im Ich-Roman nur dort [findet], wo der Schwerpunkt ganz auf dem erlebenden Ich liegt, wo demnach das erzählende Ich unbetont, ja ungestaltet ist [...]. Diese Empathie mit dem vergangenen Ich-Stadium scheint uns eine der Vorbedingungen für die erlebte Rede im Ich-Roman zu sein" (308f.).
Damit ist auch bereits eine der Ursachen aufgedeckt, warum erlebte Rede als Form der Gedankendarstellung - die erlebte Rede als Redewiedergabe ist zunächst auszuklammern - im Ich-Roman verhältnismäßig selten erscheint. Wie bereits gezeigt wurde, schiebt sich gerade in den häufigsten Formen der Ich-Erzählung, nämlich in der Quasi-autobiographischen, das erzählende Ich oft so stark in den Vordergrund, daß die für das Erscheinen von erlebter Rede vorauszusetzende Empathie mit dem erlebenden Ich nicht mehr recht gelingt: Das erzählende Ich mit seinem Jetzt und Hier im Erzählakt bestimmt die Orientierung des Lesers.

Durch die Form der ER als Form der Gedankendarstellung in einer Ich-ES wird also der Subjektivität der Erfahrung des erlebenden Ich ein Ausdrucksspielraum geschaffen, in dem es sich, wenn auch oft nur vorübergehend, unbeeinträchtigt durch die andere „Instanz" seiner Person, das erzählende Ich, entfalten kann. In einer Ich-ES fördert daher ER viel häufiger die Empathie des Lesers mit dem erlebenden Ich als sie eine Distanzierung oder Ironisierung des erzählenden Ich und damit des Lesers vom erzählenden Ich auslöst. Dagegen bewirkt ER in auktorialer (nicht personaler!) ES sehr oft eine Distanzierung des Lesers von der dargestellten Romanfigur, weil diese Distanz in der Doppelperspektive von Erzähler und Romanfigur bereits angelegt ist.
ER ist daher auch als Mittel zur Sympathiesteuerung des Lesers anzusehen, doch ist ihre Wirkung in diesem Sinne, wie gezeigt wurde, nicht zuletzt auch davon abhängig, in welcher ES sie erscheint."


Ich fand seine Art des Erklärens und dynamischen Verwebens, für einen Einsteiger in die Literaturtheorie, absolut geeignet.
Insgesamt bin ich auf 3 Stellen gestoßen, die mich kurz verloren haben, in denen er viel auf andere theoretische Sachbuchautoren Verweist und von Differenzen in den Theorien spricht, die mit einigem Fachvokabular unterlegt sind, zu denen mir schlicht die Kenntnis fehlt. Er fängt das aber sehr schnell wieder ein, ohne dass ich am Ende der Lektüre das Gefühl hatte, etwas Wichtiges verpasst zu haben.
Profile Image for Alexander Carmele.
488 reviews466 followers
June 11, 2024
Handapparat der Übersichtlichkeit. Erste erfolgreiche Gehversuche der idealtypischen Narratologie.

Franz K. Stanzels System kennt, wer Literaturwissenschaften studiert hat. Seine oft übernommene Terminologie (auktorial/personal/Ich-Erzählweise) findet in der 1979 erschienen Erweiterung seines Aufsatzes aus dem Jahr 1955 Die Typischen Erzahlsituationen Im Roman. in kommunikativ-kritischer Konkordanz zu Käthe Hamburgers Die Logik der Dichtung (1957) und Gérard Genettes Die Erzählung (1972) eine Ausdifferenzierung und inhaltich-narratologische Vertiefung. Mit Genette teilt Stanzel das strukturalistische, deskriptive Vorgehen an der Textoberfläche entlang:

Sowohl Ich-Erzähler als auch auktorialer Erzähler sind Elemente der ‚Oberflächenstruktur‘ eines Erzählwerkes, sie entspringen gleichsam sekundär in der Genese des Werkes aus jener Ur-Motivation allen Erzählens, das Erfundene, das Nichtwirkliche, die Fiktion unter dem Aspekt des Wirklichen, Erfahrenen, Mitgeteilten zu lassen. W.C. Booth hat für diesen Vorgang des Spurenverwischens – die Herkunft der Fiktion aus der Vorstellung des Autors soll verborgen bleiben – den recht zutreffenden Ausdruck ‚rhetoric of dissimulation‘ geprägt.

Stanzel bleibt also am Text, wie auch Genette, beide gehen die Strategien, Praxen durch, die im Text sichtbar und wirksam werden, also in der Erzählung (in der Terminologie Genettes, allgemein die Darstellungsweise des Erzählens). Hiermit grenzen sie sich von tiefenhermeneutischen Verfahren wie dem von Hamburger ab, die die Intention der Erzählstimme hinterfragen, also den Akt selbst des Schreibens, Erzählens, das Performative als Kommunikation berücksichtigen, also eine psycholinguistische Fragestellung verfolgen – wie kommuniziert ein Individuum mit anderen durch Kunstwerke wie bspw. einem Roman? Stanzel bleibt bescheidener. Er will erst einmal den Text verstehen und unterscheidet in: Person, Perspektive und Modus.

Wie in den nachfolgenden Ausführungen noch einmal dargelegt werden wird, beruht die Unterscheidung der typischen Erzählsituationen auf drei Oppositionen, die jetzt Modus, Person und Perspektive genannt werden. Die vorliegende Theorie des Erzählens auf der Basis der typischen Erzählsituationen unterscheidet sich von allen hier referierten Theorien vornehmlich dadurch, dass sie versucht, ein triadisches System zu entwerfen, in dem alle drei Konstituenten in gleicher Weise berücksichtigt werden.

Modus bezieht sich darauf, ob eine Erzählstimme oder eine Erzählfigur (Reflektor) vorliegt; Perspektive, ob von innen oder außen; und Person, ob innerhalb oder außerhalb der Erzählwelt berichtet wird. Jeweilige Dominanz einer der Kategorien führt zu den idealtypischen Erzählsituationen (ES):

Auktoriale ES – Dominanz der Außenperspektive
Ich-ES – Dominanz der Identität der Seinsbereiche
Personale ES – Dominanz des Reflektor-Modus.


Am überzeugendsten werden Stanzels Kategorien dort, wo er die Dynamik der Texte untersucht, also das Abflachen, Vertiefen, Ausarbeiten, rhythmisieren der Erzählstimme in den Vordergrund der Analys tritt. Hier helfen die Beschreibungsweisen Texte voneinander zu differenzieren, also inwiefern der Rhythmus, die Perspektivierung, das Kondensieren, Raffen und Dehnen von Middlemarch mehr Erzähldramatik feilbietet als das direkte Los-Schwadronieren, ohne Punkt und Komma, und ohne Veränderung von Der Fänger im Roggen .

Ob das eine oder das andere ein Qualitätsmerkmal sei, spielt dann keine Rolle mehr. Die Leseerlebnisse werden mit Inhalt gefüllt, und hier bietet Stanzel viel Hilfe, interessante Kategorien wie zum Beispiel auch Mittelbarkeit, also inwiefern der Text selbst narrativ gestaltet oder einfach nur vom alltäglich szenischen Sprachakt abgekupfert worden ist. Insgesamt ein Buch, das sich wieder und wieder zu lesen lohnt, und Genettes Die Erzählung hervorragend, makroskopisch, idealtypologisch ergänzt.
Profile Image for Joyce.
822 reviews24 followers
April 24, 2023
once again theorists demonstrate their total unsuitability to the study of literature. stanzel's mind boggles at the sheer fact of fiction (that people have any interest in and ability to process that which is made up), and says his categorisation is made up of ideals never actually encountered in individual works, so what's the bloody point? he explicitly excludes the postmodernists from his system because of how badly they showed it up
Profile Image for Lukas L..
20 reviews
February 19, 2025
Klassiker der deutschsprachigen Erzähltheorie. Mit seinem Typenkreise liefert Stanzel ein Modell, das nicht nur historische, sondern auch nur logisch mögliche, rein denkbare Erzählsituationen unterbringen kann. Inwieweit die Unterscheidung zwischen Reflektor und Erzähler in Hinblick auf den Erzählmodus für die Analyse hilfreich ist, weiß ich nicht. Hier und da empfinde ich Genettes Terminologie als gelungener, aber die Eleganz von Stanzels Typenkreis ist von Genette unerreicht.
Displaying 1 - 4 of 4 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.