This book focuses on Jacques-Louis David's Marat, one of the key works of art created during the period of the French Revolution and one of the most important works of Western painting. Providing an introduction that outlines the general history of the painting, it provides six new essays, each specially written for this volume, which examine the work from a variety of methodologies, including feminist, psychoanalytic and material analysis approaches. Each of these essays provides for a broader and deeper understanding of the painting, the circumstances in which it was created and commissioned, and its critical and art historical reception over two centuries.
William Vaughn has been entertaining readers for decades, writing over a dozen books leveraging his trademarked dry wit and tongue-in-cheek style. Over the years he’s earned a reputation as a great storyteller, and after considerable encouragement, he’s written and published three exciting new fantasy fiction novels included in The Seldith Chronicles: The Owl Wrangler, Guardians of the Sacred Seven and Quest for The Truth. More recently he's published three volumes of The Timkers a New Adult time-travel adventure series. Based on personal experience raising two daughters and being “Grandpa” to two granddaughters, The Seldith Chronicles is full of the challenges faced by most kids' growing up—lessons. When asked where he’s from, Bill tells folks that he’s been all over the world, and he has. Second son of a dad in the military, Bill went to kindergarten in Wiesbaden, Germany, where he learned German, elementary school in Alexandria, Virginia where he learned his first southern accent, grade school in El Paso, Texas where he learned Spanish, and high school in Bangkok, Thailand where he returned speaking Thai—just before being sent to Vietnam where he learned to keep his head down while flying helicopters for the US Army. In semi-retirement, Bill likes to take pictures and cruise the Alaska inside passage looking for Seldith.
Das Altarbild der Vernunft Jacques-Louis Davids Der Tod des Marat Jacques-Louis Davids Darstellung des ermordeten Jean-Paul Marat ist mehr als ein historisches Dokument. Sie markiert die Geburt eines weltlichen Heiligen. David gelingt das paradox anmutende Kunststück, das Blutbad in der Badewanne in eine Ikone der Stille, Reinheit und transzendenten Opferbereitschaft zu verwandeln. In einer Epoche, in der die alten Götter gestürzt waren, schuf er für den neuen Souverän – den Demos – ein Bild, das die religiöse Intensität der Vergangenheit in den Dienst revolutionärer Tugend stellte.
1. Die Pietà der Aufklärung David bedient sich dessen, was man mit Pierre Hadot als philosophische Bricolage bezeichnen könnte: Er greift auf vertraute sakrale Bildformeln zurück, um ihnen eine neue Bedeutung einzuschreiben. Die herabhängende Hand Marats evoziert unübersehbar Darstellungen des toten Christus. Doch hier wird kein Erlöser der Transzendenz gefeiert, sondern ein Märtyrer der Vernunft. Marat erscheint nicht als Opfer eines politischen Attentats, sondern als der weise Mann der Revolution – einer, der selbst im Tod jene „Tranquillität und Gelassenheit der Seele“ ausstrahlt, die Hadot als Ideal antiker Philosophie beschreibt. Der Terror verschwindet, zurück bleibt Kontemplation.
2. Der Philosoph als Märtyrer Marat verkörpert den radikalsten exercice de la mort – die bewusste Einübung des Todes. Er stirbt nicht im Rückzug, sondern im Moment maximaler Wirksamkeit. Die Feder in seiner Hand ist mächtiger als das Messer in seiner Brust. David zeigt ihn als atopos: als Unvergleichlichen, der durch sein Opfer aus der gewöhnlichen Zeitlichkeit heraustritt. Marats Existenz erscheint bis zum letzten Atemzug dem Gemeinwesen verpflichtet – eine unerschütterliche Ethik, die sich im Tod vollendet.
3. Die Ästhetik des Verzichts Die Leere des oberen Bildraums und die asketische Ausstattung – der rohe Holzkasten als Schreibtisch – verleihen der Szene einen stoischen Ernst. Marat wird zum Gott einer neuen, säkularen Religion. Wie ein antiker Weiser, der sich von Besitz und Beiwerk löst, ist er auf das Wesentliche reduziert: Geist, Pflicht, Gerechtigkeit. David malt keinen politischen Funktionär, sondern ein moralisches Prinzip.
Eunomia im Angesicht des Todes Der Tod des Marat ist das monumentale Zeugnis einer Epoche, die den Mut hatte, das Heilige im Menschlichen zu suchen. Das Bild erinnert daran, dass Größe erst dort entsteht, wo ein Leben sich rückhaltlos einer Idee verschreibt. David hat keinen Toten gemalt, sondern das Prinzip der Eunomia – der guten Ordnung – in Fleisch und Blut übersetzt, bis in sein tragisches Ende.
Das Testament der Tugend Die verborgenen Botschaften im Bad In Davids Inszenierung ist kein Detail zufällig. Die Dokumente im Bild fungieren als moralische Beweismittel: Der Brief der Mörderin: „13. Juli 1793. Marieanne Charlotte Corday an den Bürger Marat. Dass ich sehr unglücklich bin, reicht aus, um ein Recht auf Ihr Wohlwollen zu haben.“ David zeigt Marat im Moment, in dem er ein Gnadengesuch prüft – als Akt reiner Menschenliebe. Ein Bild, das der historischen Realität von Marats politischer Praxis bewusst widerspricht. Der Akt des Altruismus: Auf dem Holzkasten liegt ein weiterer Zettel: „Würden Sie diesen Assignaten der Mutter von fünf Kindern geben, deren Mann für das Vaterland gestorben ist.“ Selbst im Tod erscheint Marat als Wohltäter, dessen Blick ausschließlich dem Volk gilt.
Von David zu Munch Vom revolutionären Märtyrer zum psychologischen Drama Davids Bild wurde zur Blaupause für spätere Auseinandersetzungen mit Gewalt und Tod. Besonders Edvard Munch griff das Motiv um 1907 auf – und entleerte es seiner politischen Gewissheit. Vom politischen zum privaten Trauma: Während David Marat als unantastbare Ikone isoliert, verlegt Munch das Geschehen in den Raum biografischer Verletzung. Der Tod wird zur Chiffre einer zerstörerischen Beziehung. Die Rückkehr der Mörderin: Bei Munch dominiert Charlotte Corday die Szene. Die Stille ist verschwunden, der Tod kein Opfer mehr, sondern Ausdruck existenzieller Einsamkeit. Auch spätere Künstler – von Picasso über Ai Weiwei bis Gavin Turk – haben Davids Bildsprache immer wieder aufgegriffen, um das Spannungsfeld zwischen politischer Wahrheit und Propaganda neu auszuloten.
David schuf eine Ikone der Unsterblichkeit. Munch entlarvte ihre Zerbrechlichkeit. Beide zeigen, dass Kunst die Macht besitzt, ein blutiges Ereignis aus der Zeit zu heben – und ihm eine Bedeutung zu verleihen, die über das Faktische hinausweist.