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Hardcover
First published January 1, 1890
Die Treue, meinte er, die der Mann seiner Frau am Altare geschworen, ist eine andere als die, deren Schwur er von ihr empfing. Eine scheinbare Vernachlässigung, eine flüchtige Zerstreuung des Gatten wird von dem Weibe, das sich selbst achtet, übersehen. Was ist ein kurzer Sinnenrausch, dem gewöhnlich klägliche Ernüchterung folgt, im Vergleiche zu der unerschütterlichen, dankbaren Anhänglichkeit an die verehrte Lebensgefährtin, die niemals Nachsicht braucht, aber immer Nachsicht übt …Alles klar. Das Patriarchat vögelt nach belieben in der Gegend rum, während die treue Seele von Ehefrau zu Hause die Stellung hält. Soweit zur Handlung, die zuweilen arg ins Melodramatische abkippt. Bahnbrechend modern wirkt der Erzählstil beileibe nicht, was sicherlich den literarischen Konventionen der damaligen Zeit geschuldet ist. Aber das muss auch gar nicht sein, die Geschichte lässt sich trotzdem ganz gut runterlesen. Interessant sind die Nebenfiguren, in deren unkonventionellen Lebensentwürfen deutlich wird, dass die gesellschaftlichen Normen im Wandel begriffen sind. So ist es dann mehr das eigene Gewissen, welches dem "armen" Hascherl Maria zusetzt, als eine vermeintliche Verurteilung durch die Gesellschaft.