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Spaziergänge

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"Das Gewöhnliche wird in seiner Ungewöhnlichkeit ersichtlich, wenn man es so virtuos erzählt bekommt wie hier." (Neue Zürcher Zeitung )

160 pages, Hardcover

First published April 1, 2012

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About the author

Franz Hohler

131 books35 followers
Hohler wuchs in Olten auf und besuchte die Kantonsschule Aarau bis zur Matura 1963. Dann begann er das Studium der Germanistik und Romanistik an der Universität Zürich. Während des Studiums führte er sein erstes Soloprogramm pizzicato auf (1965). Dessen Erfolg ermutigte ihn, das Studium abzubrechen und sich ganz der Kunst zu widmen. Sein Werk umfasst unter anderem Kabarettprogramme, Theaterstücke, Film- und Fernseh-Produktionen, Kinderbücher, Kurzgeschichten und Romane.
Er arbeitete immer wieder mit anderen Künstlern zusammen, beispielsweise auf der Bühne und am Fernsehen mit dem Pantomimen René Quellet, mit Hanns Dieter Hüsch oder als Autor und Produzent für Emil Steinberger.
Charakteristisch für Hohlers Werk ist der Wechsel zwischen politischem Engagement und reiner Fabulierlust. Oft geht er auch von feinen Alltagsbeobachtungen aus, die unversehens ins Absurde kippen. Hohler begleitet sich bei seinen Auftritten oft selbst auf dem Cello (Celloballaden). Am 8. Dezember 2011 trat er mit seinem Programm "Das Grosse Buch – Kindergeschichten für Erwachsene" an der 20. Jubiläumsausgabe des Arosa Humor-Festivals auf.
Er ist seit 1969 mit der Germanistin und Psychologin Ursula Nagel verheiratet und Vater von zwei Söhnen. Er wohnt in Zürich-Oerlikon.[1][2]
Hohler ist Präsident der Prix-Courage-Jury. Er ist Mitglied beim Verband Autorinnen und Autoren der Schweiz und bei International PEN.

Franz Hohler currently lives in Zurich.
He is the author of many one-man shows and satirical programs for television and radio.He wrote theater pieces, children's books, stories and novels, and is equally loved and feared for his sharp, witted and pointy humor.
In 2002 he received the Kassel Literary Prize for Grotesque Humor.
One of his most famous works is the "Totemügerli". A "Swiss-German" story based upon a fabulous creature using word- creations, which do not exist.

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Profile Image for Peter.
610 reviews26 followers
June 23, 2019
07.11.2014 Im Jahr 2005 ist Hohler gewandert. In seinem Buch 52 Wanderungen nimmt er sich zu seinem sechzigsten ein Jahr (um schon einmal fürs Alter zu üben) und unternimmt jede Woche eine Wanderung. Ein wunderbares Buch. 2012 beschließt Hohler wieder zu gehen. Jede Woche irgendwohin. Aus diese Spaziergängen ist dieses schmale Büchlein entstanden mit 52 Wortspaziergängen. Seine Schilderungen werfen immer ein freundliches, mildes Licht auf das zu Sehende. Ich stelle mir Hohler als einen milden Mann vor der vieles sieht und nur weniges verurteilt. Ich mag ihn einfach. Er schafft in seinen Erzählungen keine Wortungetüme sondern setzt mit wenigen,klug verwendeten Worten Stimmungen in Szene wie ein Bühnenbildner. Bescheidenheit ohne sich zu ducken fällt mir zu diesen Texten auch noch ein. Ich mag diese Erzählungen einfach.
Profile Image for Klaus Mattes.
800 reviews12 followers
February 2, 2026
„52 Wanderungen“ hat der Schweizer im Jahr 2003 aufgezeichnet und im Jahr 2010 dann fast dasselbe noch mal gemacht. Auch seine „Spaziergänge“ sind oft ganz schön lange, anstrengende, geradezu gefährliche Wanderungen. Und sind sie in der Stadt (Zürich zumeist), gehen sie nicht zu den Sehenswürdigkeiten, Grünanlagen, Museen, Kneipen, sondern verfolgen einigermaßen merkwürdige Individual-Gedanken.

Zum Beispiel Aberhunderte aufbewahrter Flaschenkorken in einem großen Rucksack entlang einer Höhenlinie durch die gepflegte Wohngegend Zürichberg zu tragen, dann einen „unerwarteten“ Tobel, also eine Schlucht mit einem unbefestigten Pfad queren, um schließlich, wieder auf der Höhe, bei einer Gaststätte in einem Betonblock an einer Vorstadt-Tramstation die Korkmemorabilien noch mal umzusortieren. Denn die Stopfen für Champagner- und Prosecco-Flaschen werden nicht genommen, weil sie nicht recyclet werden können, weil sie - wegen dem inneren Flaschendruck - aus Korkschrot zusammengeklebt wurden.

2003 war Franz Hohler 60 gewesen, sein Vater, den er zur Kirschblüte mitnahm, 86. Jetzt ist Hohler 67, sein Vater lebt noch, ist jetzt 94. Aber die Kirschblütentour im Kanton Solothurn macht er mit seinen zwei Söhnen. Sie sind allerdings zu früh dran und sehen nur Kirschknospen. Dafür gehen sie dieses Mal den Kalkfelseinschnitt bis ins Birstal hinunter. Die Mutter wird sterben in diesem Jahr und zuvor mit einem kleineren Spaziergang in der Klinik besucht werden. Und auch der Autor selbst muss sich wieder einer Operation unterziehen, dieses Mal aber erst am Ende der 52 Wochenausflüge.

Begonnen hat er wieder Anfang März, nach seinem Geburtstag. Drum ist auch dieses Mal ein etwas winterlicher Eindruck vorherrschend. Zumal er es auch im Hochsommer wiederum schafft, mit Bergstock, Nagelschuhen und Helmlampe über Schneefelder und Gletscher zu stapfen. Einmal ist das Verschneite so lange und beschwerlich, dass er am Ende meint, „nach über sechs Stunden“ habe man den Glauben, dass sich je noch was ändere, fast verloren. Wohl gemerkt: Es gibt noch eine Strecke vor und noch eine nach diesem Schnee! Und Hohler sagt (wieder) in keinem dieser kurzen Texte, wie viele Kilometer es waren.

Mit „über sechs Stunden“ zumal im Tempo dieses rüstigen Alten, der mehrfach zu Protokoll gibt, als es schließlich bergab ging, sei er „in einen leichten Laufschritt gefallen“, könnten Sie gut und gerne 36 Kilometer marschieren. So wie ich einmal, vor vielen Jahren, zwischen Hinterweidenthal und Bad Bergzabern, was aber eher gegen meinen Willen nötig wurde und mit einer äußerst hart liegenden und unangenehm kalten Übernachtung in einem an sich ja privaten Garten zu Ende ging. Worauf ich hier aber raus will: Dieses Buch steckt voller „Spaziergänge“, die Sie in dem Ihnen gewohnten Leben wohl kaum als Spaziergänge in Angriff genommen hätten.

Aus den drei bis vier Seiten je Wandertag sind inzwischen zwei bis drei geworden. Das Buch ist kürzer als der Vorgänger, inhaltlich und stilistisch fast gleich. Hohler gehört zu diesen nicht eben seltenen Schweizermännern, die ahnen, dass sie vielleicht ein bisschen verschroben wirken, aber immer schon wissen, dass sie von Innen heraus gut, anständig, intelligent sind, im Zweifel fast immer das Richtige tun. Man spürt ein Ethos hinter vielem hier, das versucht, wie Unterhaltung auszusehen. Er will möglichst alles sehen und es alles genau und wahrhaftig notieren, also unabhängig von seiner Person, seinen privaten Lebensumständen. Er geht schon auch mal mit der Ehefrau oder mit Freunden oder im Sommer zum Garten eines befreundeten Ehepaars, um deren Zwetschgen zu essen und ihnen eines seiner Bücher zu schenken. Er wünscht auch schon mal einer Ausländerin oder einem Asiaten, die im ansonsten ausgestorbenen Wohlstandsquartier mit schweren Lebensmittelsäcken auf ihn zukommen, einen schönen Morgen, vermerkt es, wenn sie dann bloß gucken und weitergehen. Meistens und offenkundig am liebsten ist er allerdings alleine und scheint sich unterdessen irgendwas beweisen zu wollen. Es sind so etwas wie Konzeptkunst-Wanderungen, die er uns abliefert.

Ich habe mich gefragt, wie das kommt, dass ich jetzt, da ich schon etwas eingeübt bin, das zweite, schneller zu schaffende Buch, wie soll ich sagen, „gespenstischer“?, „irrer“? finde als das erste.

Es hat damit zu tun, dass einer eine Sammlung von Spaziergängen vorlegt, die klar nicht dafür gemacht wurden, irgendwen anderen auf den eigenen Spuren auch mal gehen zu lassen, mit dem Versprechen, er werde Ungekanntes erstmals erleben, das ihm dann aber Vergnügen bereite. Das Vergnügen soll hier beim Lesen sein – und danach lässt man's lieber.

Man versteht unmittelbar, wenn Hohler bei einigen Bergwanderungen im Tessin, verwachsene Pfade, aufgegebene Almhäuser, überhaupt keine Ortsnamen und Gewannbezeichnungen nennt. Das Ehepaar Hohler hat vor Jahren schon eine Bergweide-Hütte gekauft und restauriert, die man nur zu Fuß und mit Bergschuhen und Vorräten im Rucksack erreicht (oder, wie er sarkastisch schreibt, im Helikopter, wie einige seiner Nachbarn ihre alpinen Rückzugsorte). Geht er von dort noch höher hinauf, kann er Dörfer und Gipfel erwähnen, die er sieht, dass man ihn selbst aber nicht besuchen kommen soll, das verstehe ich schon.

Und okay, lassen wir ihn, der unweit des Bahnhofs Zürich-Oerlikon, also im längst Zugebauten, sein Haus stehen hat, sich einen Kompass kaufen und dann versuchen, möglichst ohne Landkarte (die er natürlich auch hat) möglichst auf gerader Linie so weit nach Norden, Westen, Süden und Osten zu laufen, wie ihn seine Füße all dem Teer und Beton zum Trotz tragen. Er will in einer Welt, wo viele von uns in dieser Art Siedlungsbrei leben, begreiflich machen, dass es Sinn macht, Anfang Januar von einem Halt der Schmalspurbahn hinter Pontresina aus entlang einer frisch überschneiten Loipe so lange auf den Morteratsch-Gletscher zuzulaufen, bis man in dessen „Mund“ schauen und hören kann, dass er den Todesschrei ausstößt. Was halt schon ein wenig Kitsch ist, wie auch andere öko-bewegte Stellen des Buchs. Von einem, der ansonsten auch einmal nach Südkorea fliegt, im Namen des Schweizer Kulturaustausches, vor allem jedoch: Einer, der derlei Spleen-Ausflüge fühlbar auch darum mag, weil er es kann und weiß, dass viele andere noch nicht ein einziges Mal auch nur die Idee dazu hatten!

Wie wir aus „52 Wanderungen“ wissen, muss Hohler mindestens einmal pro Jahr den wie ein Fjord daliegenden Walensee abgehen, an dem es Dörfer gibt, die nach wie vor auf Fahrstraßen nicht erreicht werden. Ging's im ersten Buch, als er noch 60 war, oberhalb des Nordufers von West nach Ost unterhalb der Churfirstenkette, steigt er dieses Mal am unteren Seeende in Weesen aus einem Bus und steigt, fast ständig in Hörweite der Autobahn und der Schnellzugtrasse, die zum Glück öfters in Tunneln verschwinden, einem im Grunde kaum vorhandenen Seeufer nach, etwa 10 Kilometer bis Mühlehorn, wo er den Zug zurück nach Zürich nehmen wollte, dann allerdings – es ist Hitzetag im August – findet, ach, die drei Stunden bis zum oberen Ende in Walenstadt, die packt er noch.

„Nicht zur Nachahmung empfohlen“, schrieb ich über meine Anmerkungen zu „52 Wanderungen“. Genau das denke ich wieder, wenn er einen anderen seiner Schweizer Lieblingsorte besucht, das auf 2126 Meter gelegene höchste Straßendorf des Kontinents, Juf, am Hang über dem Seitental des Jufer Rheins, in Graubünden. Dort hatte er 2003 mit der Ehefrau im Zelt an einem Bergsee geschlafen, zu dem die ganze Zeit keiner sonst kam, wo kein menschengemachtes Geräusch zu hören war. Dieses Mal geht er den Ort von unten herauf an, aber eben nicht der Straße nach, wo man den Bus nehmen könnte, sondern parallel zu ihr, unterhalb, durch die Bachschlucht. Die hat keinen Weg, er war noch nie dort, er ist alleine, es ist zwar Juli, aber es gibt tauende Schneefelder. Er hat seinen Ausziehstock im Rucksack. Das Wasser brandet gegen Felsklippen, es hat rutschige Felswacken darin. Man muss immer wieder mal drüber und sich auf seine Standfestigkeit auf runden, rutschig bemoosten Steinen verlassen können. Franz Hohler geht schon ein Leben lang in den Alpen spazieren. Wird schon werden.

Nicht zu viel denken, sage ich mir, werfe sofort meinen Stock hinüber, um beide Hände frei zu haben, und setze dann mit einem Urschrei über den Sturzbach unter mir hinweg. Der Sprung gelingt, ich lese meinen Stock wieder auf und steige im stärker fallenden Regen über Kuhpfade und Grasnarben langsam den Hang hoch. Die Schucht hinter mir füllt sich mit einem Nebelschleier, zwei Falken stürzen sich hinein und verschwinden.

Richtig sauer wurde ich, als ich das mit der Lägern vom Januar 2011 las. Der Lägerngrat ist ein schnurgerade von Süd nach Nord verlaufender Bergzug aus Jurakalk, der sich vom nahe bei Zürich-Oerlikon gelegenen Regensberg bis nach Baden an der Limmat zieht. Die Hohlers sind ihn zusammen mit Freunden (in der Weihnachtszeit) schon im ersten Buch gegangen. Ich habe mir die Landschaft da schon aus der Vogelschau von Google angesehen. Aber nicht nah genug ran gezoomt. Nämlich ist die Lägern gebildet wie ein Dachfirst, als Gebirge gar nicht besonders hoch, durchgehend bewaldet. Das mit dem Grat ist sehr wörtlich zu verstehen. Das Ding läuft zuletzt so steil zu wie ein Satteldach, gleicht ihm auch, weil oben drauf keine Erde und keine Bäume mehr sind, auch kein Weg, wie man sich Wege denkt, sondern ein schnurgerader Winkel aus Stein. Kein Wunder, dass die Warnhinweise, die Hohler im Text erwähnt, übers ganze Jahr dort stehen. Ich hatte mir es so dramatisch nicht gedacht, es waren gleich zwei Ehepaare, sie gingen anschließend zu anderen Freunden zum Weihnachtspunsch

Dieses Mal ist Hohler später dran, Ende Januar, alleine unterwegs. Und er freut sich diebisch, dass er frühmorgens auf dem tief verschneiten First keine einzige Menschenspur sieht, nur eine Fährte, die er einem Fuchs zuschreibt. Er gibt sich mit einem Drittel des Kamms zufrieden, klettert bis zum sogenannten Lägernsattel, kehrt um nach Baden, wobei er den unterhalb im Wald laufenden Weg geht und da auch wieder Menschen sieht. Beim Aufstieg in Baden hatte eine Joggerin ihm zugerufen: „Seien Sie vorsichtig!“

Ich weiß das. Ich bin wintertauglich ausgerüstet, habe den Wanderstock dabei, den ich aus dem Rucksack ziehe und verlängere, während sich hinter dem Schloss ein Paar küsst, als habe es seine Liebe gerade erst entdeckt.
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