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Martin Gruneweg (1562 - Nach 1615) - Ein Europaischer Lebensweg Martin Gruneweg (1562- After 1615)- A European Way of Life (Quellen Und Studien Des ... Instituts War)

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English Martin Gruneweg, a merchant's son from Gdansk born of a German Lutheran environment, undertook much commercial travel during the second half of the 16th Century as a clerk to Armenian merchants in Lviv and left vivid records of Central, Eastern, South-Eastern, and Southern European regions. In 1588, he joined the Dominican order, which placed him in Polish Catholic surroundings. Gruneweg remained long periods in the major economic and cultural centers of his time. Thus, he not only knew the Court in Warsaw, but provided interesting reports on the trading mechanism in Gdansk and the coexistence of different ethnic groups in Lviv. His notes are an inexhaustible treasure trove of religious and church history. These provide examples of the spiritual world of an uneducated Friar from the end of the 16th Century. Together with the GHI Warsaw edition of Gruneweg's records (also available through Harrassowitz Verlag), extensive research opportunities have been provided. This volume brings together the contributions to be released at the international Edition 2008 conference, which highlights the abundance of opportunities available for evaluation. German and English text. German Der einem deutschen lutherischen Umfeld entstammende Kaufmannssohn Martin Gruneweg aus Danzig unternahm als Schreiber mit armenischen Kaufherren in Lemberg in der zweiten Halfte des 16. Jahrhunderts umfangreiche Handelsreisen, wobei er lebendige Aufzeichnungen uber die Regionen Mittel-, Ost-, Sudost- und Sudeuropas hinterliess. 1588 trat er in den Dominikanerorden ein und begab sich damit in ein polnisches katholisches Umfeld. Gruneweg hielt sich fur langere Zeit in den wichtigsten wirtschaftlichen und kulturellen Zentren seiner Zeit auf. So wusste er nicht nur vom Hof in Warschau, dem Handelsmechanismus in Danzig oder dem Zusammenleben verschiedener Ethnien in Lemberg Interessantes zu berichten. Seine Aufzeichnungen sind eine unerschopfl iche Fundgrube zur Religions- und Kirchengeschichte. Diese stehen beispielhaft fur die Geisteswelt eines nicht studierten Klosterbruders aus dem Ende des 16. Jahrhunderts. Mit der vom DHI Warschau inzwischen vorgelegten Edition der Aufzeichnungen Grunewegs* sind weitreichende Forschungsmoglichkeiten eroffnet worden. Der Band vereinigt die Beitrage einer zum Erscheinen der Edition 2008 organisierten internationalen Konferenz, welche die Fulle der Moglichkeiten einer Auswertung aufzeigen.

403 pages, Hardcover

First published December 1, 2009

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Almut Bues

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Profile Image for Frank.
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December 12, 2020
Na ja, fünf Sterne... - wofür? Wer kulturhistorisch und an osteuropäischer Geschichte der frühen Neuzeit interessiert ist, wird an diesem editorisch gut erschlossenen Quellentext nicht vorbei kommen. Nicht nur, dass Warschau und Lemberg und andere kleinere Städte in Ostpolen und darüber hinaus hier erstmals ausführlich beschrieben werden, ist bemerkenswert, sondern auch die Beschreibungen von Moskau und Stambul aus der Perspektive eines einfachen Handelsgesellen sind singulär. Dazu kommen mentalitätsgeschichtliche Einblicke in die Seelenlage eines Lutheraners, der als Einziger aus seiner Familie zum Katholizismus konvertiert. Wer an trans- und interkulturellen Erfahrungen und der Herausbildung eines ethnisch- national- religiös bedingten "Sonderbewusstseins" als Frühform des Nationalismus interessiert ist, wird ebenfalls fündig: Obwohl Gruneweg neugierig und ganz ohne Vorurteile auf die exotischen Welten blickt, scheinen in einigen Konfliktsituationen doch Momente auf, in denen "deutz" und nicht "ormenisch seyn" problematisch ist. So entledigt sich der Chronist seiner selbst (Autobiografie mag man den Text trotz der subjektiven und über weite Teile an eigenen Erlebnissen ausgerichteten Darstellungsart nicht nennen) gleich nach seiner Ankunft "in die Lemberg" seiner deutschen Tracht und kauft sich polnische Klamotten, um nicht mehr als nötig aufzufallen. Im weitesten Sinne gehören auch der Umgang mit der eigenen Homo- Sexualität, das Frauenbild und die Schilderungen des Klosterlebens zu den spannenden Fragen der Mentalitätsgeschichte. Religionsgeschichtlich sind die Einblicke in die Konflikte der Dominikaner- Gemeinschaft bedeutsam, denn hier wird quasi "von unten" beschrieben, wie die im Nachgang der Reformation die katholische Kirche erfassenden reformatorischen Bestrebungen von den einfachen Brüdern aufgenommen wurden. Das alles ist - wie gesagt - für den Spezialisten sehr interessant; der interessierte Laie wird aber seine Probleme haben mit der Sprache (Frühneuhochdeutsch), mit der Vielzahl ihm unbekannter Ortschaften und mit den z.T. langatmigen predigthaften Rechtfertigungspassagen, die Grunewegs Übertritt zum anderen Glauben motivieren sollen. Da ist viel humanistische "Gottesgelahrtheit" im Spiel und man darf vorhersehen, dass diese Passagen nicht jedermanns Sache sein werden.
Eigentlich könnte man daher dem etwas unbedarfteren Leser die "Einleitung" der Herausgeberin Almut Bues empfehlen, denn diese enthält einen gründlichen Aufriss der polnischen Geschichte der Zeit, Erläuterungen zu Städtegründungen, zu Eigenheiten von Danzig, zu Lemberg, zu Krakau usw. Dabei erzählt sie die wesentlichen Ereignisse von Grunewegs Bericht nach und kommentiert sie nicht nur, sondern liefert gleichsam interpretatorische Fingerzeige. Das ist für den Laien- Leser sicher spannend, für den Rezensenten der Edition eines Quellentextes ist es aber der Sündenfall schlechthin. Die absolut verdienstvolle Edition, also die Transkription des Textes (wer einmal mit handschriftlichen Quellen der Zeit gearbeitet hat, weiß, was ich meine) und die umfangreiche und beinahe jedes Detail erfassende Kommentierung, ist das, was ein Herausgeber leisten soll. Mit dem bereitgestellten Text sollen Fachwissenschaftler arbeiten, was einschließt, dass die Herausgeberin als Spezialistin natürlich ebenfalls mit dem Text arbeiten kann (was sie in vielen Einzelaufsätzen auch getan hat). Aber Linien der Interpretation vorgeben, das ist nicht Job eines Herausgebers! Kurz: Band vier der hier zu besprechenden Ausgabe hätte wesentlich weniger umfangreich sein können, ja müssen, wenn er sich auf die wesentlichen editorischen Anmerkungen beschränkt hätte. Letzteres ist allerdings gut geleistet. Sowohl die Beschreibung der Textgestalt, der Papiersorten, der Sprachform sowie die Anmerkungen zu den Zeichnungen und verwendeten Quellen sind aussagekräftig und entsprechen den Vorgaben für Handschriften- Editionen. Was aber sollen Vermutungen, die Homosexualität Grunewegs hätte als "Verdrängungssexualität" etwas mit der ausgefallenen Mutterbindung zu tun? Wozu der Hinweis, die Visionen des Autors wären ein Fall für psychoanalytisch geschulte Psychologen? Warum wird das negative Frauenbild eines schwulen katholischen Mönchs kritisiert, für den Frauen per definitionem seines Glaubens "sündig" sind und der sie aufgrund der eigenen sexuellen Orientierung auch sonst nicht ernst nehmen kann? Der Weg des Autors zum Mönchtum wird als ein Weg zum irgendwie "third gender" charakterisiert! Hier ist kein positives Urteil über die Kommentierung mehr möglich. Trotzdem ist die gewaltige Arbeit unbedingt hervorzugeben, die Almut Bues schon organisatorisch zu bewältigen hatte, denn für die Anmerkungen zu den einzelnen Abschnitten brauchte sie Ko- Autorinnen aus Russland, der Ukraine, aus Polen und aus Deutschland und ohnehin ist der enzyklopädische Anspruch der Fußnoten beeindruckend"
Sieht man also von der in Band vier nachgeschobenen "Einleitung" als missglückter Textsorte im Rahmen eines Editionsprojekts ab, hat Almut Bues eine Arbeit vollbracht, die nur zu bewundern ist. Und vergessen wir nicht den Autor! Gruneweg gewährt uns spannende Einblicke in eine längst vergangene Zeit in Landstrichen, die sonst kaum im Focus westeuropäischer Öffentlichkeit standen und stehen (Podolien, Rußländische Gebiete, Moldawien, Walachei, Türkei) oder die in dieser Zeit nur selten aus der Perspektive eines "einfachen Mannes" (Österreich, Italien) geschildert wurden. Martin Gruneweg ist kein Diplomat, kein Adliger oder humanistischer Gelehrter - er ist ein mehrsprachiger (mindestens Deutsch, Polnisch, Russisch, Armenisch, Türkisch und Latein) Handelsgeselle und dann Dominikaner- Mönch, der freilich von seiner humanistischen Schulbildung als stolzer Bürgersohn der freien Hanse- und Handelsstadt Danzig bis an sein Lebensende zehren konnte. Und er ist zu unserem Glück ein neugieriger und eben des Schreibens kundiger Zeitgenosse gewesen, der seine Tagebücher mit buchhalterischer Genauigkeit geführt und am Ende in eine Reinschrift aus (fast) einem Guss gebracht hat, die heute noch lesenswert ist. Womit das Buch denjenigen empfohlen sei, die sich als Studierende oder Rentner mit viel Zeit einen Mehrwert von der Lektüre versprechen können. ;-) Ich habe viel gelernt und hatte Spaß daran, die vielen mir gut bekannten Altstadtzentren von Gdansk, Torun, Bydgoszcz, Wloclawek, Plock, Warszawa, Kazimierz, Krakow, Lublin, Jaroslaw, Lwiw, Rohatyn, Kiew, Czernigow, Nowhorod Severskiy, Kamieniec Podolski, Chotyn, Iasy, Wien usw. wiederzuerkennen. Und wirklich: Man sieht die Marktplätze mit den Rathäusern, Kirchen und Klöstern förmlich vor sich; sie waren damals alle schon da! Auch das hat für den kundigen Osteuropa- Reisenden seinen eigenen Reiz- das Puzzle- Spiel des Wiedererkennens und Sich- Erinnerns... Abschließend sei noch angemerkt, dass auch in dieser Schrift der Umgang mit Seuchen (Pest) ziemlich zentral ist. Und man sieht: Nichts Neues unter der Sonne! Alle Verhaltensweisen, die wir heute in der Corona- Pandemie erleben, gab es damals auch. Gruneweg kritisierte scharf den Unverstand der Leute, die davor ihre Augen verschlossen und nicht versuchten, sich und andere zu schützen. Er wusste, wovon er sprach, denn er hatte selbst die Pest vor den Toren von Adrianopol nur knapp und nur durch die Solidarität seiner armenischen Arbeitgeber überlebt. So aktuell können 450 Jahre alte Texte sein!
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