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Gerade die jüngeren Generationen kennen die Vertriebenenproblematik meist nur durch im Fernsehen übertragene landsmannschaftliche Treffen, ein Buch über die Hintergründe kann also echte Aufklärungsarbeit leisten. Insbesondere dann, wenn es die Vorgänge so ausgewogen und fundiert abhandelt wie dieser Band. Aus den "auf Zeitzeugenberichte(n) und auf inzwischen erschlossene(n) Quellen gestützten Eindrücken" können auch jene etwas lernen, die die Vertreibung noch hautnah erfahren mussten.
Dabei schildert das Buch nicht nur den mühsamen Weg der Vertriebenen in die neue Heimat. Es erläutert -- ohne in ein verhängnisvolles gegenseitiges Aufrechnen der Taten zu verfallen -- ebenso die Vorgeschichte, und das ist in diesem emotional aufgeladenen Zusammenhang wichtig. Nur durch die Kenntnis der vorausgegangenen Taten von Nazis und auch Sowjets lässt sich der Vorgang der Vertreibung deutschstämmiger Bürger verstehen. Auch wenn dies kein Trost für diejenigen Betroffenen sein mag, die zuvor keine Verbrechen begangen hatten -- das Wissen um derlei Voraussetzungen gehört zu einem vollständigen Gesamtbild.
Um Vollständigkeit bemüht sich Die Vertriebenen redlich -- und das mit Erfolg. Die Ereignisse im Vorfeld, erste Fluchtbewegungen und nachfolgende Vertreibungen, aber auch der schwierige Prozess der Eingliederung im Nachkriegs-Deutschland finden Platz in diesem aufschlussreichen Begleitband zur gleichnamigen TV-Dokumentation, die vom 21. bis 23. März 2001 in der ARD ausgestrahlt wurde.
Am Ende bleibt der Blick an einem Foto haften: Ein kleiner Junge sitzt vor den Trümmern seines Elternhauses -- und man fragt sich, wohin das Schicksal dieses Kind wohl getrieben hat. --Joachim Hohwieler
334 pages, Paperback
First published January 1, 2001