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Wer wusste je das Leben August von Platen

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August von Platen will von Entdecken gelesen sein, die sich auf ein seltenes Sprachereignis einlassen wollten. Dennoch kann nur Unkenntnis diesen Dichter auf das rational Formale und Rhetorische festlegen wollen und in der Vorstellung verharren, ihm fehle Weichheit, Beschwingtheit, Liedzauber, Musik. Thomas Mann

228 pages, Paperback

First published January 1, 1996

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August von Platen-Hallermünde

263 books4 followers
Karl August Georg Maximilian Graf von Platen-Hallermünde (24 October 1796 – 5 December 1835) was a German poet and dramatist. In German he mostly is called Graf (Count) Platen.

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Profile Image for Klaus Mattes.
828 reviews16 followers
December 21, 2024
Er sei die „Tulpe der deutschen Dichtung“ gewesen, steht am Geburtshaus in Ansbach (Mittelfranken). Der aus Alt-Rügener Adel abstammende Graf von Platen-Hallermünde war jedenfalls derjenige, den - der ob seines Judentums geschmähte - Heinrich Heine (dem Platen hauptsächlich den Publikumserfolg als romantischer Lyriker nicht gönnen mochte) öffentlich als Tunte verspottete. Von da an sei er sein Image eines schwächlichen und kuriosen Formalisten nie mehr losgeworden, beklagte Hubert Fichte, der ihn mit „Deiner Arme süße Sehnsucht“ als ersten emanzipierten homosexuellen Autor deutscher Zunge zu rehabilitieren versuchte.

Nur 39 Jahre ist er alt geworden (exzessiver Alkoholgebrauch war nicht unbeteiligt), war in seiner Jugend zur Offizierslaufbahn bestimmt gewesen (Ansbach gehörte damals zu Preußen), wuchs in einer Kadettenanstalt auf, wechselte zur Juristerei, übte diesen Beruf aber nicht aus, sondern warf sich auf die lyrische Dichtung. Platen floh nach Italien und kehrte nie wieder zurück aus dem Zitronenland der Sehnsucht. Oft verliebt in Jünglinge am Meer und in dunklen Gassen war der kleine Mann mit dem Schnurrbart, wie sich das für solche Konstellationen gehört, im Allgemeinen unglücklich und hoffnungslos.

Er warf sich auf die schwierigen Baupläne altpersischer Dichtung und leistete darin Vortreffliches, nebenbei selbstverständlich Goethes Vorbild folgend. Gerne stellte er seinen Texten erst einmal die Schaubilder ihrer anspruchsvollen Vers- und Reimschemata voran, damit der Laie sehen konnte, wie mehr oder weniger perfekt er gebosselt und gedrechselt hatte. Dieser formale Fleiß ist ihm sowohl zum Ruhm wie auch zum Fluch geworden. Beim Lesen drängt sich der Eindruck auf, was gesagt wird, hätte oft nicht gesagt werden müssen, irgendwas musste aber noch her, um den Bauplan mit Wörtern aufzufüllen. Heutige Hochhäuser stehen ja auch nicht auf ihren Wänden, mag das auch so aussehen, sondern auf statisch genau berechneten, wenigen Pfeilern.

Fatalerweise kommt dann noch hinzu, dass man sich bisweilen fragen muss, ob Platens Komik vielleicht ein Vorglanz zum schlesischen Schwan (Friederike Kempner) war und das den Leuten damals nur nicht so auffiel wie uns heute. Mein Urteil: Der Mann ist nicht mehr zu retten. Nicht ganz ohne Grund so ziemlich vergessen, wie sie nun mal sind, diese, teils doch auch noch sehr schönen Gedichte.

Jede Tulpe muß zur Leier, muß zum Saitenspiele werden,
Soll dein ganzes Lob gesungen vom Beginn zum Ziele werden;
Soll ein Dichter von dir schreiben, wie du, Schönster, es verdienest,
Müssen Paradiesvögel Spender ihrer Kiele werden;
Soll ich dir nach Würde huld’gen, muß mein Herz zu deinen Füßen
Erdenscholle deines Weges, Stäubchen deiner Diele werden;
Meine Lieder, Tepp’che sind es, die ich deinen Tritten breite,
Doch sie könnten Baldachine, wenn es dir gefiele, werden;
Sollte deiner dieser Garten wert sich zeigen, traun, behangen
Mit Gestirnen, statt mit Blumen, müßten alle Stiele werden;
Könnt ich Zaubersprüche stammeln, deinem Wunsch genügen wollt ich,
Deine nord’schen Heiden sollten überschwemmt vom Nile werden;
Dann auch müßten tausend Locken wieder so dein Haupt umringeln,
Daß aus jedem Haar im Ringe, Ringe müßten viele werden;
Ja noch mehr, denn könnt ich schenken, was mir nicht gehört, wie Hafis,
Müßte selbst die Mondenkugel dir ein Ball zum Spiele werden.


Die Anmut des angehimmelten Knaben ergreift einen, aber „mein Herz muss ... Stäubchen deiner Diele werden“, „mit Gestirnen statt mit Blumen müssten alle Stiele behangen werden“, „Heiden sollten überschwemmt vom Nile werden“: Ho! Gacker, gacker! Gleich schließt sich hieran im schönen Insel-Taschenbuch:

Nicht immer heitre mich mit Scherzen auf,
Gehn Rosen selbst doch aus den Schmerzen auf:
Wenn du dich schlaflos auf dem Lager quälst,
So steckt der Pol dem Pole Kerzen auf;
Im Liebesscheiterhaufen zehre dich,
Um nicht den Himmel zu verscherzen, auf;
Es zuckt ein Blitz der lichten Liebe nur
Aus Trauerwolken, die sich schwärzen, auf;
Selbst Hafis wich dem unabwendbaren Los:
Es opfern Dichter ihre Herzen auf.


Sich als Trademark schon mal registrieren lassen: „1a lodernde Dichterherzen“. Aus Lebkuchenteig mit Bio-Honig, für die kommende Weihnachtszeit.
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