Christoph Wilhelm Hufeland studiert gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Jena Medizin, zu einem Zeitpunkt, da die Stadt eher für die Ausschweifungen als für die Leistungen ihrer Studenten bekannt ist. Auch Hufeland schlägt sich mehr schlecht als recht durchs Studium, ist aber einigermaßen entsetzt, als ein Kommilitone bei einem Duell ums Leben kommt, was einige Ungereimtheiten und vor allem einige haarsträubende Entdeckungen nach sich zieht. Ein Grüppchen von Studenten scheint sich nämlich der Suche nach einem sagenumwobenen Lebenselixier verschrieben zu haben und schreckt dabei nicht vor seltsamen Experimenten zurück. Auf der Suche nach der Rezeptur ist wohl jedes Mittel recht.
Helene Steinhäuser ist die Schwester des Duellopfers. Sie ist auf der Flucht vor einer arrangierten Ehe, die hauptsächlich dem Zweck dient, die durch Spielschulden bedrohte Apotheke des Vaters in Königsberg zu retten, unterwegs nach Jena, wo sie sich von ihrem Bruder Beistand erhofft und stattdessen gezwungen ist, sich irgendwie ein paar Groschen zu verdienen, um Kost und Logis zu bezahlen und sich klarzuwerden, wie es weitergehen soll.
Und auch den Arzt Samuel Hahnemann verschlägt es irgendwann nach Jena. Er hat sich zwar seinem Beruf mit Leib und Seele verschrieben und vor allem den Quacksalbern den Kampf angesagt, sehr viel Geld bringt ihm das Ganze aber nicht ein, zum großen Verdruss seiner Frau, die die Zukunft der Hahnemannschen Kinderschar gefährdet sieht. Auch Hahnemann hat von der legendären Rezeptur des Lebenselixiers gehört und versucht, sich selbst ein Bild zu machen.
Heike Koschyk malt ein ungemein plastisches Bild ihrer Schauplätze, vor allem aber von Jena, der kleinen Universitätsstadt im ausgehenden 18. Jahrhundert. Gassen, Gebäude, Sinneseindrücke katapultieren den Leser mitten hinein in vergangene Zeiten und längst veränderte Orte. Ihre leicht altertümelnde Ausdrucksweise tut noch ihr Übrigens dazu, dass ganz viel Zeitreisefeeling aufkommt. Besonders spannend fand ich die zahlreichen medizinhistorischen Aspekte - was damals gängige Praxis war, lässt uns heute die Haare zu Berge stehen, und umgekehrt waren Methoden und Denkansätze, die heute zu den wissenschaftlichen Grundlagen des Heilens gehören, verpönt, unbekannt oder wurden zumindest mit großem Argwohn betrachtet.
Ehrlich gesagt wäre es mir lieber gewesen, die Autorin, die selbst lange als Heilpraktikerin gearbeitet hat, hätte sich auf diesen Themenkreis konzentriert und einfach eine Romanbiographie über Hahnemann und/oder Hufeland - zwei sehr unterschiedliche, aber gleichermaßen interessante Figuren - geschrieben, statt das Ganze noch mit einer Art Kriminalgeschichte zu spicken. Mir erschien das Drama um das Lebenselixier ein wenig zu ausufernd und auch ein bisschen wirr mit zu vielen Anleihen bei den üblichen Mysterythrillern.
Die einzige fiktive Hauptfigur, Helene Steinhäuser, war dann auch diejenige, deren Handlungsstrang mich etwas genervt hat, weil dort zu viele Historienromanklischees, eindimensionale Bösewichte eingeschlossen, zu finden waren (auch wenn sie ihre Verkleidung als Junge gottlob ziemlich schnell wieder aufgegeben hat). Hahnemann und Hufeland hingegen fand ich deutlich besser, glaubwürdiger und runder dargestellt.
Abgerundet wird das Buch durch ein sehr informatives Nachwort mit Details zu den historischen Persönlichkeiten und den medizinischen Hintergründen sowie ein Glossar mit den wichtigsten verwendeten Begriffen, die womöglich nicht jedem Leser vertraut sind. Hier wird auch schön klargestellt, was Fiktion und was Fakt ist.
Sollte sich Frau Koschyk irgendwann dafür entscheiden, einen historischen Roman über einen Arzt oder Apotheker zu verfassen, würde ich ihn sehr gerne lesen, weiteren History-meets-Mystery-Geschichten aus ihrer Feder stünde ich aber eher kritisch gegenüber.