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Bild des Vaters

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Der alte Mann Tobias Hawk einigt sich mit sich selbst auf eine Lebensfrist von acht vollen Tagen. Er stirbt in der letzten Minute des zehnten Tages. In diesen zehn Tagen lebt er sein Leben noch einmal, in Fünfsätzegeschichten, Begegnungen, Gesten in »Ja« und »Nein« und auch im Nichterinnern.

215 pages, Hardcover

First published January 1, 1982

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Jurij Brezan

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March 28, 2020
Anrühend von den letzten Tagen zu lesen, von vergangenen Gelegenheiten und dem Leben von damals. Der Vater von ihm zuvor gemalt, mit der verstorbenen Mutter, wird von seinem Sohn Florian in den letzten Tagen des Lebens begleitet. Auf einem Weg der Abschiede, des Auslösens von Erinnerungen und des Weitergebens von Geschichten aus einem langen Leben als Knecht und als Steinbrucharbeiter. Sorbische Geschichten, die die Deutschsprechenden zwar auftreten lassen - aber eben nur als andere am Rande, als Nicht-Verstehende und stumme oder indirekt, wenn die Rede von der Fahrt bis nach Dresden, als Ende des konkreten Erlebnishorizonts mit Ausnahme des Kriegsdienstes im Ersten Weltkrieg.
Blick und Geist des Vaters werden intensiv, wenn die mit ihrer Umgebung verknüpften Erinnerungen aufgegriffen werden:
"Der Vater schwieg, er sah die Früchte, die Blüten, das Unterholz, den Häher, die hohen Kiefern und die schmalen, blassen Schatten, aber er war seinen Augen voraus, weit voraus im längst Gewesenen eines Septembertages, die Kiefern dufteten, das Heidekraut blühte rot" (81) In dieses Sinnen ordnet sich das Denken über den eigenen Tod ein, der selbstverständlich zu Hause sich ereignen muss, nicht als Zäsur und nicht einmal als etwas Fremdes. Umgeben von seinen Kindern, will er dort langsam hinüber wachsen, begleitet von den Erinnerungen aus seiner Vergangenheit. Die Distanz besteht eher zur Gegenwart, zur nicht-eigenen und so auch nicht mehr werdenden Welt der DDR. Und das obwohl, vielleicht auch gerade weil er klassenbewusst agiert hat. Aber die DDR ist für die Jungen, für die ganz anderen Bildungswege derselben - aber dennoch natürlich nicht perfekt: "Manchmal, wenn ich dasitze und die Gedanken gehen mir durch den Kopf, alte Sachen und neue Sachen, da denke ich, der Sozialismus ist nicht schlecht, ein bißchen zu laut vielleicht, ich meine so in der Zeitung und um Fernseher, und dann auch, weil er immer wie Kuchen aussehen will, wo doch Brot auch gut ist. Aber was mir am Sozialismus nicht gefällt, ist, dass so viel gestohlen wird." (171)
In jedem Fall eine intensive Lektüre, die zwar mitwarten lässt - aber das von Anfang an klare Ziel des Buches lässt den Weg umso besser beschreiten.
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