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Goethe und seine Opfer: Eine Schmähschrift

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German

Paperback

Published January 1, 1999

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Tilman Jens

13 books1 follower

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Profile Image for Frank.
608 reviews128 followers
December 30, 2025
Was für eine kleine boshafte Schrift! Es scheint, der Vater habe den Sohn Jens in jungen Jahren mit zu viel deutschem Bildungsgut gequält! ;-) Eigentlich für den Eingeweihten wenig Neues, aber in der Verdichtung hübsch zu lesen. Ein Schlag ins Gesicht all derjenigen, die von der Vergottung ihrer Idole nicht lassen können, sei es nun Goethe, sei es Cobain oder eine Dame Swift.

Gibt es einen Ertrag jenseits der bekannten Tatsache, dass Goethe kein bequemer Zeitgenosse und im Umgang abweisend war (man lese "Lotte in Weimar")? Was ich so nicht wusste, was aber ins Bild passt, ist der "Stasi- Goethe", also der Minister, der ein ausgebautes Spitzelnetzwerk an der Jenaer Uni unterhielt und es (u.a. gegen Fichte) zu nutzen wusste. Interessant in dem Zusammenhang, dass es der alte Hahn war, der als Leiter der Forschungs- und Gedenkstätten in Weimar zuerst darüber geschrieben hat. Zwar nicht in der DDR, aber erstaunlich ist es doch, dass er es als DDR- Bürger durfte und unbeschadet "überlebt" hat. Man müsste den Aufsatz lesen, um dazu mehr sagen zu können. Immerhin kam Goethe endlich zu einer mit der Stasi übereinstimmenden Auffassung von Diktatur und Meinungszensur (147), so dass die Frage bleibt, wie Hahn seine Aussagen formuliert hat. Aber um den geht es endlich gar nicht- ist nur persönlich- biografisches Interesse (hatte bei seinem Sohn Unterricht und die Tochter war meine Kommilitonin).

Worauf ich bisher ebenfalls nicht gestoßen war, ist die systematische Vernichtung von Dokumenten und Briefen, die allein das geschönte Selbstbild des Dichters als verbindliches Goethe-Bild absichern konnte. Was von "Dichtung und Wahrheit" zu halten sei, hat der Dichter immerhin im Titel selbst ausgedrückt, dass er aber auch sonst "redigierend" in seinen biografischen Nachlass eingegriffen hat, war mir in diesem Umfang entgangen. Ich dachte, das hätten erst Ottilie mit dem erotisch-pornografischen Nachlass und dann die Erben besorgt. Aber es passt ins Bild.

Das alles ist heilsam und lehrreich für die bildungsbeflissene Jugend und für manchen Studienrat auch. ;-) Trotzdem hat mir an dem Text von Jens etwas gefehlt: Das Bekenntnis, Goethe sei "trotz allem" ein Genie gewesen und es sei halt nicht heilsam, sich in der Nähe von Genies aufzuhalten, ist mir zu allgemein, um das biografische Rätsel des Auseinanderfallens von Werk (Prometheus, Werther, Faust etc.) und Leben aufzulösen. Ein paar Überlegungen dazu wären sicher erhellend gewesen. Wäre es Goethe ohne die krampfhafte Vermeidung des Kontakts mit Tod und Krankheit z.B. gelungen, ein so wenig tragischer Dichter zu werden? Er ist doch einer der wenigen großen Künstler, die sich ihr Werk nicht unter persönlichen Leiden, gegen die Missgunst der anderen oder das Unverständnis der Zeitgenossen abgerungen haben. Im Ganzen ist er der Dichter der Positivität und des Beharrens auf der Möglichkeit eines gelingenden Lebens (Wilhelm Meister) geworden, der er seiner Auslegung dessen, was wir "Aufklärung" nennen, nach werden wollte. Ganz diesseitig auch, wozu vielleicht das "Heulen mit den (höfischen) Wölfen" und der bürgerliche Geiz dazu gehörten. Becher hat es ihm später nachgemacht und sichtbarer gezeigt, welche Kosten damit verbunden sind. Goethe hat diesen Preis auch gezahlt, nur hat er es weniger sehen lassen und hinter der Maske des Unnahbaren gut versteckt. Diesen Anspruch präzise demaskiert zu haben, ist das Verdienst von Tilman Jens. Die Lektüre lohnt sich und seinen Reim drauf machen kann sich am Ende jeder selbst, der die Beschäftigung mit dem Werk des "Olympiers" (war Zeus nicht auch ein Schwein?) nicht scheut. Vielleicht macht Jens sogar neugierig auf die Lektüre z.B. der Briefe (empfohlen: Bode, Goethe in vertraulichen Briefen seiner Zeitgenossen), was immerhin mehr wäre, als lediglich die leidige "Ifigähnie" (gähn!) in der Schule zu lesen. ;-) Wenn man so will, hat man hier das Vor- Bild des heutigen Internet: Selbstdarstellung auf der einen und üble Nachrede auf der anderen Seite. Da könnte man also etwas lernen, das ganz und gar nicht vergangen ist. Eine solche Wirkung wäre dem kleinen Büchlein zu wünschen.
Profile Image for Rick.
136 reviews11 followers
September 10, 2013
Tilman Jens has made a reputation for himself by writing controversial books. GOETHE UND SEINE OPFER: EINE SCHMÄHSCHRIFT is no exception.

Jens describes Goethe’s relationships with colleagues, friends and even his wife and servants, with the intention of demonstrating that Goethe victimized virtually everyone he ever got close to, as his egomania overcame any capacity for human empathy or fellow feeling.

In doing so, Jens produces historical evidence and evidence from the writings, letters and journals of Goethe and others. The only problem is that this is no balanced historical account, but is instead, as Jens admits in his subtitle, a “diatribe.” He is determined to prove his point, and any evidence to the contrary is irrelevant.

In addition, Jens’s contentions are not exactly earth shattering. Hasn’t anyone ever heard of great artistic geniuses who were miserable people? Their names are legion, and its no surprise to learn that Goethe fits in that category.

All that being said, many of the reviews that came out when the book was published pointed out that, whatever the book’s faults, it did at least serve as a necessary corrective to the “god cult” of Goethe. For that reason alone, many readers will find the book illuminating.
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