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Gottfried Wilhelm Leibniz: Jurist, Naturwissenschaftler, Politiker, Philosoph, Historiker, Theologe (Persönlichkeit und Geschichte)

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German

Paperback

Published January 1, 1976

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Profile Image for Liedzeit Liedzeit.
Author 1 book125 followers
May 14, 2026
Dieses kleine Buch ist eine bemerkenswert gute Einführung in das Leben und Werk Leibnizens.

Jeder weiß, dass Leibniz ein „Universalgenie“ war, das auf vielen Gebieten Großes geleistet hat, aber im Wesentlichen gilt er doch als Philosoph. Als Mathematiker darf er beanspruchen, die Infinitesimalrechnung entwickelt zu haben, aber das hat Newton auch, und diese Leistung ist darum im wahrsten Sinne nicht einzigartig, so wie das philosophische System, das er erschaffen hat.

Das besondere an diesem Buch ist, dass Sandvoss den verschiedenen Interessensgebieten von Leibniz fast gleichen Raum gibt. Es enthält je ein Kapitel über Leibniz als Jurist, als Mathematiker/Naturwissenschafter, als Politiker, als Philosoph, als Historiker und als Theologe und dazu ein abschließendes Kapitel, in dem seine Stellung innerhalb der neuzeitlichen Philosophie bewertet wird.

Ich wußte, dass Leibniz versucht hat, den französischen König zu einer Invasion Ägyptens zu bewegen, also zu einem neuen Kreuzzug, weil er sich davon letztlich die Einheit Europas versprach und auch, dass er sich um die Wiedervereinigung der Kirchen bemüht hat. Aber wie viel Zeit und Energie er dafür verbraucht - man kann nicht anders als zu bewerten: verschwendet hat - war mir unklar. Und das gilt erst recht für seine historischen Arbeiten, im Wesentlichen arbeitete er an einer Geschichte des Welfenhauses. Es blieb bei Vorarbeiten, aber die allein, sagt Sandvoss, hätten ein Gelehrtenleben ausgefüllt. Und neue Standards in der Geschichtsforschung gesetzt.

Der Abschnitt über die Philosophie ist zwar der längste, aber kann nur einen kleinen Einblick geben, der aber ist durchaus kenntnisreich und gelungen. Und er fügt aufschlußreiche Zitate aus den Briefen ein, so wie dieses:


Denn auf welche Weise soll, da alles aus den Phänomenen abgeleitet werden muss, in ihnen eine Realität nachgewiesen werden, die jenseits ihrer selbst liegt und etwas Substantielles neben den substantiellen Einheiten, denen aus ihrem eigenen Quell Erscheinung gemäß den ewigen Regeln der Mathematik und Metaphysik entstehen. Wer hier etwas hinzufügt, wird sich in unentrinnbare Schwierigkeiten verwickelt sehen und vergebens versuchen, von seinen Annahmen logische Rechenschaft zu geben. Die Skeptiker behalten daher gegen alle diejenigen recht, die sich eine Realität außerhalb des Bewusstseins und der einfachsten Substanz erdichten. Ich aber setze überall und durchweg nichts anderes, als wir in unserem Bewusstsein zugestehen… und erschöpfe darin mit einem Schlag die ganze Summe der Dinge… Ausdehnung, Materie und Bewegung sind daher bloße Erscheinungen, die rationale Begründung im Begriff der Kraft finden; sie sind so wenig Dinge wie das Bild im Spiegel oder der Regenbogen. Hier aber nach etwas jenseits der Phänomene zu fragen: dies erscheint mir, als wenn jemand – nicht zufrieden damit, dass man ihm begriffliche Rechenschaft von dem Spiegel gegeben – in ihm nach irgendeiner unbekannten Wesenheit forschen wollte.… Wir haben in den Erscheinungen, kein anderes Merkmal der Realität, als dass sie unter sich und mit den ewigen Wahrheiten überein, ständen.


Die Monaden (die substantiellen Einheiten) befinden sich also nicht in einer raumzeitlichen Wirklichkeit, führt Sandvoss aus. Und schon gar nicht in einem absoluten Raum (wogegen Leibniz sich im Briefwechsel mit Clarke auslässt).

Wenn das so ist, warum führt Leibniz dann den Begriff der prästabilierten Harmonie ein, fragt Sandvoss, und genau das habe ich mich auch immer gefragt. Denn das soll ja eigentlich das Verhältnis von materieller und geistiger Welt erklären. Handelt es sich um einen echten fundamentalen Widerspruch?

Es ist ein Jammer, dass Leibniz kein gesichertes Einkommen hatte und sich um Projekte kümmerte, die seines Einsatzes nicht würdig waren, allerdings muss man auch sagen, dass er möglicherweise im persönlichen Umgang mit anderen Menschen nicht immer den richtigen Ton fand. Auf seiner ersten Reise nach London wird er direkt in die Royal Society aufgenommen, aber er versäumt es, sich dafür schriftlich zu bedanken (bzw. tut es erst, nachdem ihn Oldenbourg dazu auffordert, und dann halbherzig).

Vielleicht wurde er darum zu seinen Lebzeiten (und bis heute) nicht so sehr verehrt und geliebt, wie er es verdient hätte. Für mich gibt es kein traurigeres Dokument als dieses:


Des seel. Geh. Raths von Leibniz Cörper wurde am 14. Decemb. in der Neustädter Kirche zu Erden bestattet, wozu alle Hof-Bediente geladen waren, aber niemand erschien.
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