Scheriknau grew up Lehrte due his mother moving to West-Germany. In 1976 he became a member of the Communist Party (DKP ).
In 1980 he first published his first novelle "Kleinstadtnovelle" about his gay coming out in a small city.
In the same year he moved to West-Berlin where he joined the Socialist Unity Party West-Berlin ( SEW ).
From 1986-1989 he studied at the institute for literature in Leipzig, despite being from West-Berlin.
In 1989 he became a citizen of the German Democratic Republic and worked as a radio-play actor. In the same year he gave a speech at the congress of the GDR author's union where he denounced the opening of the borders as counter-revolutionary.
"ein genie braucht immer eine weile, um zu begreifen, daß die anderen das nicht können, was es selber kann. ich staune jedesmal neu, wenn ich bemerke, daß jemand kein kommunist ist. der kommunismus liegt so auf der hand! aber vielleicht haben die anderen keine hand?"
Ein bemerkenswertes Buch. Schernikau lungerte für eine ganze Weile nur am Bildrand meines eigenen literarischen Horizontes. Genug selbsterklärte Intellektuelle, linke Kommunisten im Dunstkreis meines Berliner Umfeldes trugen wie zur Schau Schernikau Ausgaben in ihren offen Beuteln und Jackentaschen mit sich herum, ohne dass es daber aber je wirklich zu einem Gespräch über den Autor, sein Werk oder Vermächtnis kam. Nach der Lektüre von "Die Tage in L." ist mir das nicht mehr verwunderlich, sondern eröffnet sich mir als die einzige immanent logische Rezeption von "S." heute. Leute, die sich gegenseitig gerne selbst als allerletzte Kommunisten lesen, lesen eben gerne den letzten Kommunist. Ob sie ihn verstehen können ist allerdings zu bezweifeln, doch gerade darin liegt sein Reiz: Zuerst wirkt Schernikau zugänglich mit seinem frech vorpreschenden Stil und der formlosen Form orthographischer extravaganz seiner permanenten kleinschreibung und den ständigen gedanklichen Brüchne. Doch ist das Werk eigentlich hermetisch für uns heute-Nicht allein weil die DDR durch die er wandert und über die er lobend lamentiert untergegangen ist, sondern weil er konsequent orthodox denkt. Genauso konsequent wie Schernikaus Lebensweg, der nach Geburt in der DDR und Umsiedlung er Familie nach Hannover, zum Kommunist geworden wieder schließlich wieder in die DDR "rübermachte".
Die allerletzten Kommunisten, die heute in ihren Altbauwohnungen in Friedrichshain auf DDR-Vintage fläzen und sich in Marx Einführungskursen herumtreiben, ihre Selbstsuche ist nur das Streben nach der totalen Konsequenzlosigkeit einer radikal egoisitsche Individualität. Vollkommene Identität. Totale Wiedervereinigung. Ewiges Deutschland. Sie suchen in diesem Buch etwas, dass es nicht mehr gibt. Schernikau sucht auch sich selbst, doch sein Taumeln, der 'Klassenkampf'- er ist ein anderer. Trotz seiner retrospektiven Irrungen und Wirrungen, ein mehr Wahrhaftiger.
Er will keine Identität, deshalb müssen die Art, wie er über die Verhandlung seines eigenen Schwulsein, seiner Lust für Männer und auch wie er flapsig an einigen wenigen marginalen Stellen über Minderheiten in der DDR schreibt, dem heutigen queerfeministisch Besessenen Leser*x eigentlich aufstoßen. (Noch ein Beweis für seine Hermetik, für den Flaschenpost Charakter von Schernikau.)
Er will die freie Assoziation, 'den wirklichen Kommunismus', sein abarbeiten und Leben an der DDR hat nur dieses Ziel das mehr ist als er selbst. Als literarischen Weg hierzu deshalb: Die Konsequenz. Das Beharren. Der Kampf. Das Festhalten des Widerspruchs. BRD/DDR. Dissidentisch Systemkonform. Proletarisch. Gestelzt. Ein wirklicher Steinbruch dieses Buch. Ins Rollen wird er nichts mehr bringen.
Der Sozialismus ist tot. Lang lebe Schernikau. Schernikau ist tot. Lange lebe der Kommunismus.
Schernikau ist ein brillanter Denker; ich habe viele Stellen markiert. Gerade am Anfang hat mich die Aktualität des Buches überrascht, obwohl der Text fast vierzig Jahre alt ist. Ich wünschte, er könnte sich zu den 2020ern äußern.
"Die Tage in L." ist ein Buch über die DDR. In ihm ist der Vorgeschmack einer künftigen Welt, wenn die Welt jenseits der Wiederkehr einer immer gleichen Vergangenheit, des Kapitalismus, Zukunft haben sollte." H.L.Gremliza
Ein sehr kluges Buch, dem man nur zustimmen muss. Die eingehende Lektüre schärft den Sinn auf das Wesentliche, gerade in der Gegenüberstellung der beiden Systeme - he does not suffer fools gladly. Sie macht einem ein wenig Hoffnung, sie macht aber auch traurig und verzweifelt. Ich werde in meinem Leben sicher öfter dazu zurückkehren.
Spaßig geschriebener Eindruck der späten DDR jenseits der BRD-Propaganda und einseitiger Lobhudelei.
Keine großen Einsichten, aber durchaus Material, um weitere Schlüsse zu ziehen bzw. bereits vorhandene Urteile zu korrigieren oder genauer zu fassen. Die große Stärke des Buches ist wirklich, dass es der Dialektik, d.h. den immanenten Widersprüchen des sozialistischen Übergangs Ausdruck verleiht, wo sonst nur eine der Seiten isoliert und gegen die andere gestellt wird.
Ich habe es geliebt! Natürlich ein Buch, das kritisch gelesen werden muss - aber auch ein Autor, der Kritik aus einer neuen Perspektive denkt. Und dabei so schöne, schönlustige und offene Worte findet. Die mochte ich so sehr, dass mir in großen Teilen die Sprache wichtiger war als der Inhalt.