Das Nachdenken über diese oder jene Zukunft, über die Zukunft schlechthin – im Sinne eines Rätsels, dessen Ausläufer zu spüren sind – ist durch die als ewig sich hinziehend empfundene Zeit der Pandemie einer umso unwirklicheren Wahrnehmung unterworfen, als der stets verschobene Horizont der Erwartung nur von einem anderen Zeit-Horizont abgelöst werden Was jetzt? Was kommt? Und was danach? Nach seinem »Standardwerk zum Idiotischen« entwickelt Zoran Terzić Grundzüge einer Kunst des Ungewissen, eines gewissermaßen retroaktiv wirksamen Zukunftsbezugs – sei es als Futurologik, Futuropraxis oder Futurotopie. Denn in allem steckt Zukunft, auch dort, wo sie am wenigsten offensichtlich im Veralteten und Vergilbten, Vergangenen und Vergessenen.Für eine zunehmend im Online-Imaginarium ›entgegenständlichte‹ Beschäftigung mit der Zukunft gilt, was Adorno für das ästhetische Engagement »Keiner geht in das Kunstwerk ein als das, was er ist, ein jeder wird so abgewandelt, dass sein eigener Umfang davon betroffen, die Bedeutung umfunktioniert werden kann.« – Die Zukunft verändert uns, insofern wir selbst auch Zukunft sind. Die eine Kunstform.
Zoran Terzić beschreibt in seinem Buch die Kunst des Ungewissen als eine vielschichtige Zukunft, die in allem präsent ist, auch in Vergangenem und Vergessenem. Das Buch hat einen kunstvollen Aufbau und beleuchtet unterschiedliche Perspektiven auf das multidimensionale Konzept "Zukunft", bezeichnet mit jeweils einem futurologischen Kunstwort: (1) Futurama: Entwicklung unseres Zukunftsinns; (2) Futuricon: Allegorien der Zeit und Zeitmetaphoriken; (3) Futurologik: historischer Abriss über Weissagung und Sehertum; (4) Futurometik: das Kommende wird als empirische Tatsache erfasst; (5) Futuritive: Dispositive der Zeitmacht: Zukunft entsteht durch technologische Eroberung von Sinnräumen; (6) Futurotopia: Zukunft hat kein definitives Ende; es ist etwas endlos Präsentes oder ewig Abwesendes; vier Futuritäten: gewisses Nichts (Zukunft als Prozess), gewisses Etwas (Zukunft als Vision), ungewisses Nichts (Zukunft als Abgrund), ungewisses Etwas (Zukunft als Kunstform); (7) Futuronomics: Futurität in Hinblick auf politische Ökonomie der Jetztzeit; (8) Futuropraxis: Sehen als eine Kunstform des Ungewissens im Kontext von Improvisation setzt sich mit Unberechenbarkeit und Loslassen von Zeit auseinander; (9) Futurazade: jedes Schaffen ist ein Kampf um Zukunft; Zukunft ist eine endlose Aneinanderreihung von Geschichten (wie Scheherazade). Im Buch können Lesende an vielen historischen Belegen, Quellen, Büchern, Musik, Filmen etc. teilhaben. Streckenweise ist es sehr philosophisch in dem Sinne geschrieben, dass es eine Aneinanderreihung von Ideen bildet und zur Kunstform wird. Allerdings wird es dadurch an verschiedenen Stellen auch unverständlich und keine leichte Kost. Empfohlen werden kann das Buch allen, die eine kunstvolle und assoziative Auseinandersetzung mit der Futurologie suchen.