Leute, die auf eine Identifikationsfigur angewiesen sind, um ein Buch gut zu finden, werden mit „Billy Ze Kick“ in etwa so viel anfangen können wie der durchschnittliche John-Grisham-Leser mit Hegels Phänomenologie des Geistes oder sich auf den 166 Seiten so verloren vorkommen wie ein Ken-Follet-Fan in Zettels Traum. Insofern wären, nimmt man die üblichen Ein- oder zwei-Stern-Rezensionen auf Goodreads als Maßstab, ein hohe Ablehnungsquote garantiert. Zumal sich Jean Vautrin beim Vorstellen seines vielköpfigen Personals verhältnismäßig viel Zeit lässt und erst nach einem Drittel in seinen Short cuts die zum Verständnis der notwendigen Zusammenhänge erforderlichen Innenansichten des handelnden oder leidenden Personals geliefert hat. Auf jeden Fall schert sich das 1973 entstandene Büchlein, das von einem extrem giftigen Enkel Boris Vians zu stammen scheint, nicht im geringsten um die Konventionen der political correctness, deren fader Beigeschmack den Genuss der meisten Krimis oder historischen Romane vergällt. Identifikationsfiguren im klassischen Sinne gibt es keine, weder Grishams idealistischen jungen Anwalt noch die korrupten Bullen oder anderweitig gebrochene Helden, denen immer noch ein Schimmer des verlorenen Ideals anhaftet. Am ehesten taugt noch dazu der linkische Kommissar Bellanger, doch der ist im Urlaub während sich das Drama um den Frauenmörder Billy-ze-kick entfaltet, dafür ist seine gerade erst Angetraute das letzte Opfer des Lustmörders, der nach seinem Treffer vom Dach eines Hochhauses prompt den ersehnten Abgang höchster Qualitätsstufe bekommt. Den Mordauftrag für Juliette, die damals noch mit seinem Untergebenen Inspektor Chapeau verheiratet war, hat Hippolyte bzw. Peggy Spring schon vor einem Jahr bekommen. Von der kleinen Dsulie-Berthe, für die Siebenjärige Tochter von „Dsuliette“ gibt es nur zwei Themen „Mussis“ und „Sswänze“ und natürlich „Billy-ze-Kick“, den Helden der Gutenachtgeschichten, die ihr der Vater Clovis „Roger“ Chapeau erzählt. Und der kleinwüchsige und permanent verschnupfte Inspektor muss als Stellvertreter nun gegen seinen Realität gewordenen Phantasiehelden ermitteln. Denn auf der Treppe der Kirche der Trabantenstadt wurde eine Braut vom Dach des Wohnturmes erschossen, in dem er selbst wohnt. In ihren Händen hält die Leiche die Nachricht „Gedingenst - Billy-ze-Kick“. Bis zu diesem Moment war Billy nur eine Sache zwischen dem Inspektor und seiner kleinen Tochter, die aber tagsüber sozial sehr mobil und überaus kommunikativ ist. Und nun ist seine Phantasie Wirklichkeit geworden und die Gelegenheit sich mit einer schnellen Verhaftung auszuzeichnen. So weit der im Gewusel der Handlungsfäden versteckte klassische Ansatz, der sogar in einen Showdown mündet. Allerdings weiß der Leser von Anfang an, wer der psychopathische Frauenmörder ist, der seine besten Abgänge immer dann hat, wenn er vom Dach des Hochhauses eine Braut auf der Kirchentreppe abknallen kann. Ein paar alltägliche Morde und eine Rückblende auf das maßgebliche erste mal, ergeben eine stattliche Kette von Befriedigungen für den armen Hippolyte, der für einen Moment sogar darum fürchten muss, dass ihn Juliette von seinem Leiden kurieren könnte. Aber so richtig Dynamik bekommt das Morden erst als die kleine Dsuliette in Hippolyte bzw. Peggy Strong den wahren Billy-ze-Kick erkennt und den Mord an ihrer Mutter in Auftrag gibt. Die gelangweilte Inspektorsgattin verbringt ihre Nachmittage am Straßenstrich, wo sie als Domina Fernfahrer im Viertelstundentakt abfertigt. Doch als Hippo/Julie dort gleich zwei Mordanschläge misslingen, bemerkt sogar der trottelige Inspektor, was seine Frau seit Jahren treibt, ehe er die Verfolgung des Frauenmörders aufnimmt. Eine Jagd, die auch sein Kind, das gerade den ersten eigenen Mord begangen hat, das Leben kosten wird. Und die Stelle an der das boshafte kleine Wesen vor einer Straßensperre getroffen von Billys Motorrad und auf ein Johnny-Walker-Plakat zufliegt, erfüllt den Anspruch „Sprechblasen-Krimi“ geradezu mustergülitg.
Die Geheimnisse der Trabantenstadt
Mit der kriminellen Doppelexisetnz Hippo/Spring steht der Roman in der Tradition des Grand Guignol, dabei gibt es, nicht nur im Umfang, bezeichnende Unterschiede zu Eugene Sués Geheimnissen von Paris, die ja auch nachhaltige Auswirkungen auf das Schaffen von Karl May oder Sir John Retcliff gehabt haben. In der Anonymität der Hochhäuser soll diese abgewetze Klamotte noch funktionieren, diese wesentliche Handlungselement nehme ich Vautrin nicht ab. Noch mehr Probleme habe ich mit dem Überleben Billys/Hippos, der eine raffinierte Sprengstoff-Falle überlebt, die alle anderen Anwesenden das Leben kostet, und seinem letzten Mord. In einem derart nihilistischen Buch gibt es eigentlich keine Überlebenden.
Eine extrem polarisierende Lektüre.
Zwischen der Niederschrift und der Veröffentlichung liegen 12 Jahre und es ist gut vorstellbar, dass sich so mancher Lektor, ob dieser Provokation mit Grausen gewendet hat. Aber alles in allem habe ich den Eindruck, dass Vautrin einen Stern als ebenso große Anerkennung für seine Arbeit wie die Höchstbewertung akzeptiert hat. Ich fand sein Buch zum Kotzen und werde mir unter keinen Umständen noch eines antun, aber es hat gewisse literarische Qualitäten. Ins Genre des Sprechblasen-Krimis passt das Buch auf jeden Fall, ein echter Komik hätte sogar das Potenzial auf fünf Sterne gehabt und vermutlich hätte ich ihn während der Achtziger in Schwer-Metall (bzw. métal hurlant, das etliche Serien enthielt, die für Deutschland wohl zu scharf waren) oder U-Comix goutiert hätte. Als reiner Text ist die Geschichte dagegen schwer erträglich, aber immerhin konsequent umgesetzt, bis auf den absolut überflüssigen Epilog. In einem derart nihilistischen Buch gibt es keine Überlebenden, es sei denn, der ganze Mist ist die Phantasie des Irren Hipplyte, der längst in einer Anstalt vermodert, aber der Text enthält keinen entsprechenden Hinweis.
Als Gegengift zur faden Milch der frommen Denkungsart der letzte zwanzig Jahre eignet sich dieser vierzig Jahre alte Oldie leider nicht. Dazu ist er zu extrem und gelegentlich auch zu schludrig. Die Motivation für Hippos fatale Neigung zum Lustmord (Verführung als Elfjähriger mit Versagen und anschließendem Erfolg nach der ersten Erwürgung) ist noch abgegriffener als die ollen Verkleidungsgeschichten. Insofern handelt es sich um grell umetikettierte Altware. Für das flotte Design gibt es den dritten Stern.
Julie-Berthe est une petite fille un peu spéciale, obsédée par les zézettes et les zizis, qui rêve de se fiancer avec Hippo, son voisin schizophrène. Son papa Clovis est un petit policer et homme plutôt ridicule et sa maman, la belle Juliette, une femme qui rêve de fouets et des spots de la célébrité. Alors pour ne pas s'ennuyer, elle tapine. Dans l'immeuble achélème, il y a aussi Eugène, l'étalon veuf alcoolique, son fils Ed qui rêve d'aventures chevaleresques, Peggy Spring qui attise les convoitises, et finalement la veilleuse/concierge qui épie les faits et gestes de tout un chacun. Et au milieu de tout ça, il y a Billy-ze-Kick, personnage imaginé par Clovis pour amuser sa petite fille: un vrai gangster meurtrier qui finit toujours par s'échapper. Jusqu'au jour où au plus grand plaisir de la petite fille, Billy se met à tuer pour de vrai. Un petit roman qui se lit rapidement et qui joue beaucoup sur les subtilités de la langue française, avec plein d'expressions tronquées et de jeux de mots. Bien que j'aie aimé le style d'écriture et le fait que nous voyions la plupart de l'histoire à travers les yeux d'une petite fille de 7 ans relativement psychopathe, j'ai trouvé dommage que le reste de l'histoire et des caractères soient un peu 'trop'. Il n'y a pas un seul personnage qui ne soit pas complètement fou dans cet immeuble! J'ai commencé à vraiment apprécier le roman après la seconde moitié. Je dirais donc qu'il s'agissait d'une histoire amusante (sur fond de drame: la triste vie de gens coincés dans leur HLM), et divertissante, mais pas vraiment un policier ni une comédie. Loufoque.