Inhaltlich könnte ein Buch für mich nicht interessanter sein, als jene Ausführungen von Clay Large über „Hitlers München“, die Hauptstadt der Bewegung und die Kontinuität von München als Isar-Athen, über das Schwabinger Bohème bis zur dunklen NS-Zeit.
Der Ansatz, die Geschichte aus Sicht der Kulturschaffenden, der Intellektuellen und der Schriftsteller zu rekonstruieren, ist ein erfrischender, wenn auch ungewohnter. Aber er funktioniert.
Alleine die Ausführungen über die Vorgeschichte und das historische Fundament der späteren NS-Regierung fällt etwas kurz aus. An seltenen Stellen ist auch die Argumentation zu hinterfragen bzw. Seine historische Reliabilität. Beispielsweise dann, wenn er das angebliche Widerstandspotenzial Münchens während des „3. Reiches“ illustriert, das von den Menschen nicht ausgeschöpft wird, regte sich in mir Widerstand. Vor allem dann, wenn er dieses Reaktionspotenzial mit dem erfolgreichen Widerstand gegen das Kreuzverbot in Schulen vergleicht, stellte ich mir die Frage inwiefern eine solche harmlose, kulturkämpferische Reaktion als Beleg für den Spielraum eines realen Widerstand dienen soll. Sind tatsächliche Widerstände gegen totalitäre Regime - die man meist mit Leib und Leben durchzusetzen versucht - wirklich mit dem Widerstand gegen ein Schulgesetzt vergleichbar? Ferner finde ich schlichtweg die Dimension hier verrückt.
Nichtsdestotrotz gelang Large mit diesem Werk ein reichhaltiger Ritt durch die Geschichte Münchens von den Anfängen der kulturellen Blützezeit bis zur Nachkriegszeit und dem kulturellen Wiederaufbau dieser. Seine Auswahl an Zitaten aus literarischen Werken, Quellen und Illustrationen fügen sich nahtlos in die chronologische Erzählung ein.
Alles in Allem also ein Buch für Interessierte an Geschichte, Kultur und auch Literatur!