Osteuropa-Literatur discussion

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message 1: by Babette (last edited Oct 01, 2020 12:06PM) (new)

Babette Ernst | 770 comments Erster Teil, 5. Kapitel
(S. 271) bis ca. 20.10.


message 2: by Frank (new)

Frank (cromus) | 506 comments Ich sehe noch nicht durch und habe keine Vermutung! Aber irgendwie wird es um Dascha gehen, denke ich mir. Anders könnte man die Szene zwischen Schatow und Nikolai kaum verstehen. Was freilich Lisa und Marja damit zu tun haben? Der zweite Teil wird auf jeden Fall spannend! ;-)


message 3: by Babette (new)

Babette Ernst | 770 comments Das ist ja eine komplexe und widersprüchliche Zusammenkunft, in der jeder garantiert einmal seinen Gemütszustand gewechselt hat. Auch ich bin diesen Andeutungen und vagen Hinweisen ratlos gefolgt und muss den weiteren Verlauf abwarten, um Aussagen zum Sinn des Ganzen zu treffen.

Aber die kleinen Szenen immer wieder zwischendurch, angefangen mit der ersten Begegnung zwischen Warwara und Praskowja waren sehr amüsant. Pjotr Stepanowitsch spielt für mich eindeutig ein falsches Spiel. Vielleicht will er seinem Vater heimzahlen, dass dieser sich nie um ihn gekümmert hat und sich ausgerechnet in einer seelischen Notlage an seinen Sohn wendet, wie sich eigentlich ein Kind an den Vater wenden müsste.

Dascha ist ja Schatows Schwester und wenn dieser den Worten von Pjotr Stepanowitsch aufmerksam gelauscht hat, dann muss ihm klar gewesen sein, dass von einem Sündenfall in der Schweiz die Rede war und beide, Dascha und Nikolas zugegen waren. Daraufhin hat es die Ohrfeige gegeben.

Was Lebjadkin und seine Ausführungen betrifft, tappe ich vollkommen im Dunkeln, sein Gleichnis von der Kakerlake und den Fliegen habe ich überhaupt nicht verstanden bis hin zum Ausspruch "ich halte Russland für eine Laune der Natur".

Das "ironische" Leben von Nikolas, seine offensichtliche Fürsorglichkeit Marja gegenüber und die Beschreibung des unglaublichen Grimms (wie Lunin und Lermontow zusammen), der in ihm stecken soll, passen irgendwie nicht zusammen. Aber es wird sich hoffentlich noch alles klären.


message 4: by Tee&Tacheles (new)

Tee&Tacheles | 206 comments Hui, also, ich fand dieses Kapitel tatsächlich irgendwie beängstigend... für mich sind die alle mehr oder minder ein Fall für die Psychiatrie (und das gänzlich unironisch). Also wirklich, absolut irre.

Meine persönliche Vermutung ist, dass Marja (von Nikolaj ?) schwanger gewesen ist und dann entweder eine Fehlgeburt hatte, das Kind weggenommen bekommen hat oder zur Kindsmörderin geworden (und darüber vielleicht psychisch völlig zerbrochen) ist. Zumindest habe ich ihren "Kloster-Flashback" irgendwie auf ein Kind hin gelesen, und es ist in zeitlicher Nähe zu ihrer "Schwärmerei" für Nikolaj und wozu sonst bringt man zu solchen Zeiten junge Frauen ins Kloster... Da er klar "nicht ihr Ehemann" ist, stützt das eher noch, als dass es dagegen spricht, finde ich.

Auf jeden Fall alles sehr verstörend... und diese ständig irre-lachenden Frauen finde ich auch gruselig... und irgendwie grotesk.

Genossen habe ich weiterhin diese teils sogar ein wenig an Loriot erinnernde Interaktionen von Stepan und Warwara. Besonders gerne mochte ich, wie sie ihn die ganze Zeit so zitiert und über den grünen Klee lobt und dann kommt: "Stepan Trofimowitsch trat schon einen Schritt vor, hielt aber dann doch inne, als ihm einfiel, wie gefährlich es sei, sie zu unterbrechen." Köstlich! :D

Und die Erzählstimme ist weiterhin einfach genial, ich habe das wirklich selten, dass ich das Gefühl habe, null von der Handlung zu verstehen und trotzdem nicht genervt bin, sondern mich gut unterhalten fühle.

Pjotr finde ich auch super unangenehm. Besonders gelungen fand ich seine Personenbeschreibung am Anfang von "V", wo er einfach mal null greifbar ist und trotzdem (oder gerade deshalb?) super faszinierend.

Kurzum: Ich finde keine Figur wirklich sympathisch (bei Darja hab ich noch Hoffnung, allerdings äußert sie so wenig über ihr eigenes Denken und sitzt irgendwie immer nur daneben, dass ich auch Angst habe, dass sie irgendwann explodiert und anfängt irre zu lachen oder so... zumindest würde sie damit gut zu den anderen Figuren passen... ;) Ich hoffe ja ein bisschen, dass du, lieber Frank, mit deiner Vermutung der unschuldigen Heiligen recht behälst...irgendwoher muss man ja Hoffnung nehmen ;)), bin aber in höchstem Maße fasziniert und dem Erfinder des cliffhangers mal wieder erlegen. :D


message 5: by Frank (new)

Frank (cromus) | 506 comments Tee&Tacheles wrote: "Hui, also, ich fand dieses Kapitel tatsächlich irgendwie beängstigend... für mich sind die alle mehr oder minder ein Fall für die Psychiatrie (und das gänzlich unironisch). Also wirklich, absolut i..."

Finde deine Bemerkung, nichts zu verstehen und trotzdem von der Handlung gefangen genommen zu sein, genial. ;-) Das bringt Dostojewskis große Kunstfertigkeit wirklich auf den Punkt. Wirklich großartig wird das Ganze aber nur, wenn es durch ein verblüffendes Ende einen Sinn erhält, quasi DEN Sinn erhält, der uns noch verborgen ist. Aber da bin ich zuversichtlich! ;-)


message 6: by Frank (new)

Frank (cromus) | 506 comments Babette wrote: "Das ist ja eine komplexe und widersprüchliche Zusammenkunft, in der jeder garantiert einmal seinen Gemütszustand gewechselt hat. Auch ich bin diesen Andeutungen und vagen Hinweisen ratlos gefolgt u..."

Russland ist wohl wirklich "eine Laune der Natur", denn Lebjadkin spielt hier auf den Gegensatz zu den "Kulturnationen" Westeuropas an. Dabei resultiert das "Natürliche" aus der Rückständigkeit, die - ich interpretiere mal - aus dem "halbasiatischen", also unentschiedenen Charakter des Landes resultiert. Zur Zeit, als Dostojewski das schrieb, war der Streit, ob Russland sich zu Asien oder zu Europa zählen sollte, voll im Gange. (vgl, heute die Theorie von Eurasien) Es standen sich die Russophilen/ Slawophilen und die "Westler" unversöhnlich gegenüber. Ein bisschen in diese Standortbestimmung gehören auch Turgenjew und Dostojewski selbst, was des Autors Feindschaft seinem Kontrahenten gegenüber erklärt. Er dürfte also Peter (bei euch wohl Pjotr) und Nikolai (Nikolas? Warum denn diese ganz unrussische Form?) prinzipiell ablehnend gegenüber stehen, denn auch Freidenkertum und Nihilismus galten ja als "westlich"...


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