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My Life on the Road
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Lena Aga | 23 comments Aaaaaalso...ich habe jetzt mal unser erstes Buch ausgelesen und mir dazu nun ein paar Gedanken gemacht.

Schande über mein Haupt, ich wusste vor der Lektüre nicht so wirklich was von Gloria Steinem. (Ich weiß ja nicht, ob es Euch da anders geht?!)

Während des Lesens hat es dann zwar ein paarmal gedämmert, aber so wirklich drin in der Materie war ich nicht.
Von daher war es meistens sehr interessant und vor allem inspirierend zu lesen.
Insbesondere, da wir uns ja mit female Empowerment beschäftigen wollten.
Also eine sehr gute Wahl :)))

Die Autorin fand ich während der Lektüre immer sehr sympathisch (was mir total wichtig ist!) und konnte mich in ihren Erzählungen sehr oft Wiedererkennen.
Ich war fasziniert, von den vielen Lernprozessen, die sie unterwegs immer wieder durchlief, und dass sie sich diesen mit offenen Augen und ohne Vorurteilen stellte "because I knew adventure lay just beyond an open door"
Dabei ist es ihr egal, ob sie mit Taxifahrern, Flugbegleiterinnen oder Politikern spricht, sie macht da keine Unterschiede und lernt aus jeder Begegnung.

Stellenweise war das Buch jedoch etwas sprunghaft und schwer zu verfolgen.
Manchmal hatte ich auch gar keinen Überblick mehr, was sie jetzt eigentlich zum angesprochenen Event beitrug.

Sprich, ob sie gerade eine Kampagne leitete, oder ein Crowdfunding organisierte oder ob sie "nur" Freunde bei einer Aktion unterstütze u.s.w.
Insbesondere gegen Ende, als es dann auch noch um die amerikanischen Ureinwohner ging, musste ich mich arg konzentrieren um da noch mitzukommen.
Wo kamen denn die plötzlich noch her?

Generell hätte ich evtl. lieber über weniger Events gelesen, aber dafür mehr im Detail.
Außerdem fehlte mir auch die persönliche Entwicklung, der Mensch, hinter der ganzen geballten Motivation.
Sehr selten gibt sie Einblicke in ihr Innenleben und ihre Gefühlswelt.

Nichts desto trotz fand ich das Buch sehr inspirierend und Gloria Steinem erschien mir unglaublich bewundernswert mit der ganzen Kraft, die aus jeder einzelnen Seite strahlt.
Stark, aber gleichzeitig verletzlich.
Und trotz ihrer hervorragenden Fähigkeiten sich auszudrücken, ist sie (die große Feministin und Frauenrechtlerin) nicht schlagfertig genug, sich gegen den unverschämten Spruch
"every year comes a pretty girl to NY and pretends to be a writer"
zur Wehr zu setzen.
Spätestens an diesem Punkt hat sie mein Herz erobert.
Wie wunderschön menschlich.

Beeindruckt haben mich ihre Erläuterungen bzgl. Hillary Clinton, und der harten Kritik, die diese oftmals von anderen Frauen erhält.
Ein durchaus interessanter Punkt.

Fraglos ist Gloria Steinem jemand, mit dem ich sehr gerne mal eine Flasche Wein zusammen trinken würde.

Abschließend mal noch ein paar Textstellen, die mir ganz besonders gut gefallen haben.
(Sorry, ich hab's auf Englisch gelesen, von daher sind die Zitate auch auf Englisch)

"On the plane going home, men talk about mergers and aquisistions, and women talk about weight loss. I know that one wife once had a high-level job in Washington, and another recently climbed Mount Everest, yet neither brings this up. Since we're all in a small space, I try one last time to describe projects that individuals and corporations might well please women consumers by supporting - but I get polite disinterest. I am an isolated island around which an ocean of talk flows. I fantasize about parachuting out of the plane"

... an diesem Punkt sind wir ja alle schon einmal gewesen :D

"I add up the score: I've seen the racist bullshit that still goes on in the streets. I've learned that Russia and Ukraine are not the same country. I've expressed anger at the time I was feeling it- and I didn't cry.
Not bad for one taxi ride"


Sooooo meine Lieben, das waren meine Gedanken zu Gloria Steinem,
ich bin mal gespannt, wie Euch das Buch gefallen hat.

Liebe Grüße aus Curacao
Lena


message 2: by Xen (last edited Feb 03, 2017 01:04PM) (new) - rated it 5 stars

Xen Keine Angst, Lena, ich wusste auch nicht vorher, wer Gloria Steinem ist :)

Was mir aber sofort positiv aufgefallen ist, ist ihre Art zu schreiben. Ich habe das Buch auch auf englisch gelesen und fand es super einfach, ihr zu folgen. Ich fand gerade das toll, dass sie viele einzelne, teilweise kurze Geschichten erzählt hat (was Lena warscheinlich als sprunghaft empfand.) Meiner Meinung nach, spiegeln sie sehr gut ihre Erlebnisse unterwegs wieder - sie trifft auf sehr viele, sehr unterschiedliche Menschen und schreibt über ihre Geschichten.

Ich muss zugeben, bevor ich angefangen habe das Buch zu lesen, habe ich "befürchtet" sie würde darüber schreiben, dass menschen mehr Feminismus zeigen sollte, oder irgendwas anderem lehren. Ich fand es aber gut, dass sie nicht versucht, die Leser irgendwas zu lehren oder sie von irgendwas zu überzeugen, sondern berichtet einfach nur. Aus den Berichten/Geschichten können die Leser zwar etwas lernen, aber es hatte keine befehlsform...Ich hoffe dieser Absatz ist nicht zu verwirrend.

Besonders interessant fand ich die ganzen kleinen Details, die man so nicht erfahren könnte. Auch wenn man zum Beispiel von der Konferrenz in Houston gehört hätte (was ich nicht habe), wüsste man wahrscheinlich nur allgemein bekannte Fakten. Gloria gibt aber Einblicke in all die stressvollen Vorgänge "hinter den Kulissen". Dazu gehört zum Beispiel auch wie sie die Clintons beschreibt. Es ist auch interessant, dass sie nicht nur die Probleme von Frauen/Afroamerikanern erwähnt, sondern eben von allen Minderheiten. Man hört/liest ja sonst kaum etwas über die Uhreinwohner Amerikas/Alaskas (wobei ich gerne noch mehr darüber gelesen hätte).

Insgesamt fand ich Gloria auch seeehr sympatisch und das Buch sehr interessant und würde es jedem empfehlen.

Schöne Grüße
Xenija

PS: falls jemand das nocht nicht gesehen hat, hier ist das Interview von Emma Watson mit Gloria:
https://www.goodreads.com/videos/9919...


Isabelle | 12 comments Mir geht es wie meinen beiden Vorrednerinnen. Auch ich hatte noch nie etwas von Gloria Steinem gehört. Auch von meinen Freunden, Verwandten und Kollegen wusste jemand etwas von Gloria. (Ein Umstand, den ich auf jeden Fall versuchen werde zu ändern ;) )

Ich hab Gloria durch ihr Buch als eine faszinierende Persönlichkeit kennen gelernt und möchte versuchen auch ihre anderen Bücher noch zu lesen.

Nun zum Buch selbst: Manchmal empfand ich Glorias Schreibstil auch etwas sprunghaft. Als ich jedoch die Danksagung las, fand ich für dieses Gefühl eine Erklärung. Sie schrieb dieses Buch nicht, wie ich geglaubt hatte, kontinuierlich quasi in einem Rutsch nieder, sondern über Jahre hinweg. Sicherlich siehst man Ereignisse aus der Ferne der Erinnerung anders, als direkt nach dem direkten Erleben.

Am besten gefallen hat mir das Kapitel über die Taxifahrer. Ich fand deren kleine Anekdoten wirklich unterhaltend. Oder wie Gloria so schön schreibt: "Weil Taxifahrer viel Zeit haben und ihr Publikum zum Zuhören gezwungen ist, sind sie fleißige Überlieferer moderner Mythen."

Am meisten beeindruckt haben mich die Erzählungen über die Stewardessen. Dass diese Frauen einmal einen so harten Kampf kämpfen mussten, war mir vorher nicht im Mindesten bewusst.

Insgesamt habe ich durch Gloria auch viel über amerikanische Politik gelernt. Ihre Erläuterungen zu den Wahlkämpfen der Clintons und Obamas lösten bei mir einige Aha- und Oho-Momente aus. Insbesondere Hillary Clinton sehe ich jetzt in einem anderen Licht, sodass ich mir für die USA heute und auch für den Rest der Welt mehr Hillarys und Baracks und vorallem mehr Glorias wünsche.

Wie auch schon Xenia schrieb will Gloria Steinem nicht belehren, sondern berichten. So hat der Leser die Möglichkeit aus ihren Berichten seine eigenen Schlüsse zu ziehen. Ich glaube, das mochte ich am meisten an dem Buch.

Schließen möchte ich mit zwei Zitaten:

"Ich hatte meiner unsteten Kindheit entkommen wollen und ging nun selbst ständig auf Reisen. Ich stellte fest, dass gewöhnliche Leute klug sein konnten und kluge Leute gewöhnlich, dass Entscheidungen am besten von denen getroffen wurden, die sie zu tragen hatten, und dass der Mensch unendlich flexibel ist, wenn es darum geht, sich an die Verhältnisse anzupassen - was eine gute und gleichzeitig eine schlecht Nachricht war."

"Gelächter ist der Orgasmus des Verstandes."

Ich freue mich über weitere Kommentare und bin gespannt auf eure Gedanken.

Schöne Grüße
Isabelle


Carina Herrmann | 23 comments Mod
Hallo zusammen :-)

Viel zu spät, aber besser als nie, sammele ich nun doch noch mal meine Gedanken zu Gloria Steinems "My life on the road":

Wenn ich ganz ehrlich bin – ich war ein wenig bis ziemlich enttäuscht. Allerdings vermutlich eher deswegen, weil ich eine Autobiographie oder zumindest deutlich mehr von und über Gloria selbst erwartet hatte und keine Geschichts- und Anekdoten-Sammlung von ihr über andere Menschen.

Vor allem in der ersten Hälfte des Buches haben mich viele Abschnitte begeistert (ja, auch ich liebe die Stories der Taxifahrer und die Perspektiven der Stewardessen) und fand besonders den Teil spannend, in dem sie über die Entscheidung pro/contra Obama/Clinton schreibt oder die große Women's conference in Houston, aber trotz der immer wieder "netten" Anekdoten habe ich mich durch den zweiten Teil des Buches wirklich durchquälen müssen.

Egal wie interessant ihre Geschichten sein mögen, nach 20, 30 oder 40 davon war ich einfach irgendwie gesättigt und habe nicht mehr viel daraus ziehen können. Ich mache dafür nicht wirklich Gloria oder ihren Schreibstil verantwortlich, sondern eher, dass es vielleicht klarer sein müsste, dass es eben nicht wirklich ihre Lebensgeschichte ist, wie der Titel vermuten lässt, sondern eher Geschichten über Menschen aus ihrem Leben. Mir ging es da also ingesamt eher so wie Lena.

Das Buch hätte in meinen Augen eindeutig komprimierter und kürzer sein dürfen. Manchmal wartete ich nach 5 Seiten einer neuen Geschichte auf einen Aha-Moment und wunderte mich stattdessen einfach nur, warum diese Geschichte überhaupt im Buch war. (Beispiel der Kurzausflug mit ihrem reichen Freund und die Party bei Frank Sinatra. Die Erkenntnis, dass reiche Menschen verschwenderisch sein können, war nun nicht wirklich neu und wirkte eher, als wollte man so einen berühmten Namen noch mit einbringen können.)

Über Gloria selbst habe ich nur wenig bei all den Geschichten mitnehmen können, was ich sehr schade fand, denn die Aspekte, die sie über sich oder aus ihrem Leben geteilt hat, haben mich sehr fasziniert und an mich selbst erinnert. Die Angst vor Vorträgen, die Verärgerung darüber, dass sie manchmal nicht so schlagfertig sein konnte, wie sie gerne gewesen wäre... ("I'm a person who can only admit on Friday, that she was angry on Monday") aber auch bei diesen Aspekten kam nie der rote Faden durch, zu beschreiben, wie sie diese Eigenschaften im Laufe ihres Lebens gemeistert hat oder ob und wie?!

Ich erwarte von niemandem, dass er sein gesamtes Leben vor allen Menschen ausschüttet, aber ich hatte manchmal das Gefühl, sie berichtet von sich aus in der Beobachter-Rolle von außen, als weniger von sich selbst aus.

Was mich irgendwann wirklich wahnsinnig gemacht hat, waren die Zeitsprünge. Bei jedem zweiten Absatz musste ich mich erst mal wieder einfinden, in welcher politischen Situation wir uns entsprechend der Jahres-Zahl befinden, was ich nicht nur anstrengend, sondern auch verwirrend fand.

Alles in allem ein wirklich schönes Buch, aber für mich leider, dank völlig falscher Erwartungen, trotzdem enttäuschend. Sehr schade. Ich habe das Gefühl, abgesehen von manchen Veranstaltungen, weiß ich nach diesem Buch genauso wenig von Gloria Steinem, wie davor, dafür viel aus dem Leben von Menschen, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte (Wilma). Das ist nichts Schlechtes, aber ich hatte eben einfach die Hoffnung, über Glorias Leben zu lernen und zu lesen...

Markierte Passagen, die ich entweder berührend, erschreckend oder bemerkenswert fand:

"I always thought of my road life as temporary, assuming that one day I would grow up and settle down. Now I realized that for me, the road was permanent, and settling down was temporary."

"Sometimes I think the only real division into two is between people who divide everything into two, and those who don't."

"Statistically speaking, home is an even more dangerous place for women than the road."

"If you want people to listen to you, you have to listen to them."

"Voting isn't the most we can do, but it is the least."

"The voting booth really is the one place on earth where the least powerful equal the most powerful."

"But we have to behave as if everything we do matters. Because it might."

"In 2009 Dr. Tiller (doctor in the abortion clinic) is shot in the head at close range by a male activist hiding inside the Lutheran church where the Tiller family worships each Sunday.
This is done in the name of being 'pro-life'."

Vielleicht finden sich ja noch ein paar Spätzünder-Rezensionen wie meine... :-D

Liebe Grüße aus Lissabon,
Carina


Lena Aga | 23 comments Hallo Carina,

Danke für das Teilen Deiner Gedanken zu Gloria Steinem "My life on the road".
Du hast sehr gut auf den Punkt gebracht, wie es mir auch ging:
"...ich weiß nach diesem Buch genauso wenig von Gloria Steinem wie davor..."

Alles in allem war ich nicht enttäuscht davon (was aber daran liegen kann, dass ich keine besondere Erwartung daran hatte) - teile aber dennoch Deine Ansichten.

Für mich hätte es mehr Sinn ergeben das Buch gar nicht erst nicht als Autobiographie zu deklarieren.
Denn vom Schreibstil her und dem Inhalt, im Großen und Ganzen, (ja teilweise zieht es sich doch etwas) ist es ja durchaus inspirierend und schön zu lesen.

Liebe Grüße aus Curacao
Lena


Carina Herrmann | 23 comments Mod
Hi Lena,

genau das war vermutlich für mich der Haken. Ich erwartete eine Autobiographie und bekam ein Buch voller schöner und spannender Anekdoten über Begegnungen. Von dem Aspekt war ich enttäuscht. Ich würde das Buch trotzdem weiterempfehlen :-)

Liebe Grüße,
Carina


Carina Herrmann | 23 comments Mod
Xen, vielen Dank für den Link zum Interview!

Ich bin endlich mal dazu gekommen es mir anzuhören und habe mittendrin gestockt, als sie von der Widmung im Buch sprachen.

In der englischen eBook-Fassung ist die gar nicht enthalten, warum auch immer und dabei so wichtig gewesen. Wie schade!

Ich habe jetzt eben gleich bei Amazon in der Blick-ins-Buch-Option der Taschenbücher geschaut und sie nachgelesen.

Das wollte ich nur mal als Ergänzung für alle Nachkommenden dalassen, die vielleicht auch das eBook gelesen haben...

Liebe Grüße aus Lissabon,
Carina


Lena Aga | 23 comments Guten morgen Carina,

warum auch immer, kann ich gerade den Post von Xen, auf den Du Dich beziehst, gar nicht sehen.

Aber ich habe zumindest soviel mitbekommen, dass mir (als Leserin der englischen Ebook Version) eine wichtige Widmung entgangen ist.

Werde sie mir dann ebenfalls via Amazon und Blick ins Buch ansehen.

Liebe Grüße
Lena


Carina Herrmann | 23 comments Mod
Hi Lena,

Xens Nachricht (gleich die zweite von oben, die Antwort auf Deine) hat im P.S. den Link zum Interview zwischen Emma Watson und Gloria Steinem. Darin unterhalten sie sich auch über die Widmung des Buches.

Liebe Grüße,
Carina


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